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Autor: Hahn, Sebastian

AMK / KBIS

Viel über den US-Markt gelernt

Nicht nur der Besuch der Messe KBIS in Las Vegas, sondern auch die begleitende Delegationsreise der AMK wurde erneut zu einer Erfolgstour für die deutschen Teilnehmer, um die Exportchancen in den Staaten auszuloten. So fasst der Verband nun die Erlebnisse der vergangenen Woche zusammen.

Bereits zum vierten Mal hatte die Arbeitsgemeinschaft zusammen mit der Koelnmesse und unterstützt von Messeveranstalter NKBA diese Erkundungstour organisiert. 14 Teilnehmer:innen aus dem Kreis der AMK-Mitgliedsunternehmen nutzten die Gelegenheit, den US-Markt vor Ort zu sondieren. Sie lernten landestypische Vertriebsstrukturen wie Lowe’s und Home Depot kennen und tauschten sich mit Vertrieblern, Architekten und Influencern aus.

Ein Höhepunkt der AMK-Delegationsreise war eine hochkarätige Plenarveranstaltung mit dem Titel „State of the Industry/State of the Association“. Marktkenner informierten und diskutierten gemeinsam mit den Moderatoren Bill Darcy (CEO der NKBA) und Suzie Williford (ebenfalls von der NKBA) über die Küchen- und Badindustrie in Nordamerika und gaben Einblicke in die Marktstrukturen. Zudem wurden aktuelle Produkttrends beleuchtet. Besonders interessant für die Gäste aus Deutschland war auch die anschließende Informationsveranstaltung „Vertriebspartner in den USA“.

Es gibt mehrere Gründe, warum Unternehmen ihre Exportaktivitäten in die USA ausweiten sollten, erklärt AMK-Geschäftsführer Volker Irle. Zwei besonders überzeugende Gründe sind: „Es ist eine kaufkräftige Region und einer der größten Küchenmärkte der Welt.“ Und deutsche Unternehmen sind dort noch vergleichsweise wenig vertreten. Der aktuellen Statistik zufolge (Stand Ende 2022) beträgt das Exportvolumen der deutschen Küchenmöbelindustrie in die USA rund 47,5 Mio. Euro. Das entspricht lediglich 1,8 Prozent aller Ausfuhren der deutschen Küchenmöbelindustrie (Gesamtvolumen 2,695 Mrd. Euro).2 „Das Potenzial, das sich deutschen Unternehmen in den USA bietet, ist also gigantisch“, fasst der AMK-Geschäftsführer die Möglichkeiten zusammen. Eine Statistik der NKBA zeigt, dass der durchschnittliche Verkaufswert einer „Medium Size“-Küche bei 50.000 US-Dollar liegt. Dieser Wert bezieht sich nur auf die Holzteile ohne Geräte und weitere Ausstattung. Mehr als 70 Prozent aller Küchen werden in diesem mittleren Marktsegment verkauft. Bei der Komplettrenovierung einer Immobilie unter Regie einer Wohnungsbaugesellschaft entfallen laut NKBA-Statistik rund 20 Prozent des Gesamtbudgets allein auf die Küche.

Entsprechend positiv lautet das Fazit von AMK-Geschäftsführer Volker Irle: „Die AMK konnte in den vergangenen Jahren zu einer starken Verbindung zwischen dem deutschen und amerikanischen Markt werden und hat eine enge Beziehung zur NKBA aufgebaut. Dieses Netzwerk konnten wir für die Exportpläne unserer Mitglieder weiter festigen und ausbauen.“

Irle sieht die Kombination aus Messebesuch und Delegationsreise als „großartige Chance, den amerikanischen Markt besser kennenzulernen“ und die Küchen- und Badmesse hautnah zu erleben. Einige AMK-Mitgliedsunternehmen nutzen diese Plattform bereits für ihre Vertriebsaktivitäten in den USA oder zur Vorbereitung darauf. Wie in den Vorjahren präsentierten sich deutsche Möbelhersteller und Zulieferer auf der Gemeinschaftsfläche German Pavilion. Dieses Jahr stand ihnen eine Fläche von rund 1.000 Quadratmetern zur Verfügung. Zu den 15 Ausstellern auf dieser Fläche gehörten die AMK-Mitgliedsunternehmen Ballerina-Küchen, Burnout Kitchen, Elektra, Hettich, Kesseböhmer, Ninkaplast, Nobilia und Vauth-Sagel.

Der Gemeinschaftsstand wurde wie in den Vorjahren von der Leipziger Messe International in Zusammenarbeit mit der AMK und dem Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) organisiert. Es steht bereits fest, dass es auch im nächsten Jahr einen German Pavilion auf der nordamerikanischen Branchenschau für Küche und Bad geben wird.

Joint Venture NSP Panels and more LLC in den USA gegründet

Franz Neuhofer Eigentümer und Geschäftsführer des österreichischen Familienunternehmens FN Neuhofer aus Zell am Moos/Österreich, gründet mit Marco Seitner, Eigentümer und Vorstandsmitglied von Selit North America Inc. und David Pritchard, Eigentümer und Präsident von Pak-Lite Inc. (PLI), ein Joint Venture mit dem Namen „NSP Panels and more LLC“ mit Sitz in Commerce, Georgia/USA.

NSP Panels and more steht für Premium-Akustikpaneele und mehr. Der Firmenwortlaut setzt sich aus den Namen Neuhofer, Selit North America Inc. und Pak-Lite Inc. (PLI) zusammen. 

Dieses erfolgsversprechende Joint Venture wurde mit dem Ziel gegründet, funktionales Design in Form von Akustikplatten, Wandelementen und Zubehör für Boden, Wand und Decke am amerikanischen Markt zu etablieren.

„Ich freue mich sehr, die Gründung von NSP Panels and more bekannt geben zu dürfen. Marco, David und mich verbindet eine starke Partnerschaft und mit der gebündelten Expertise in Produkt- und Produktions-Know-How sowie den Kenntnissen des amerikanischen Marktes, blicken wir in eine vielversprechende Zukunft“, so Franz Neuhofer.

Auf den Messen Surfaces (TISE) und IBS 2024 in Las Vegas/USA, trat NSP Panels and more bereits erfolgreich als ein Unternehmen auf. Das Interesse an den Akustikpaneelen war überragend und erfolgversprechende Gespräche wurden geführt.

Marcus Mead
Yaskawa

Wechsel an der EMEA-Führungsspitze

Marcus Mead (53) übernimmt die Position des regionalen Executive Officer Regional Managers bei der Yaskawa Europe GmbH. Der britische Manager kam nach einer Laufbahn in der Luft- und Raumfahrttechnik bei der British Aerospace (Commercial Aircraft) Airbus Division, in der Automobilindustrie bei Magna International und in der Automatisierungstechnik bei Parker Hannifin 2018 als Vice President of Operations zu Yaskawa. Seit September 2018 leitete er die europäische Robotics Division in Allershausen bei München. Seit März 2023 hatte Mead zudem die Position des President EMEA am Headquarter-Standort Hattersheim bei Frankfurt inne.

„In den letzten sechs Jahren hat Marcus Mead sehr viel für Yaskawa in Europa bewegt“, würdigt Bruno J. Schnekenburger, der sich nun in den Ruhestand verabschiedet, seinen Nachfolger. „Ich freue mich, dass Yaskawa EMEA sich auch weiterhin auf die Energie und Expertise dieser erfolgreichen Führungspersönlichkeit verlassen kann, die ein Garant der zukünftigen Entwicklung von Yaskawa ist.“

Villeroy & Boch

Übernahme von Ideal Standard abgeschlossen

Zur Bilanzpressekonferenz von Villeroy & Boch gab es noch kein grünes Licht, doch nur wenige Stunden später gab das Unternehmen bekannt, dass der Erwerb aller operativen Gesellschaften der Ideal Standard-Gruppe erfolgreich abgeschlossen ist. Mit Vorlage aller kartellrechtlichen Freigaben wird Ideal Standard nun als eigenständiger Teil in den Villeroy & Boch-Konzern integriert. Durch die Integration schließt Villeroy & Boch mit rund 13.000 Mitarbeitenden und einem weltweit ausgebauten Produktions- und Vertriebsnetzwerk zu den größten Badprodukteherstellern Europas auf.

Ideal Standard ergänze das Geschäftsmodell von Villeroy & Boch hervorragend. „Die komplementären Stärken in Bezug auf regionale Präsenz, Vertriebsstrategien sowie Produkt- und Markenportfolio steigern die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns.“ Der Vorstand der Villeroy & Boch AG bleibt personell unverändert unter Führung der Vorstandsvorsitzenden Gabi Schupp. Jan Peter Tewes führt das Geschäft von Ideal Standard weiter und berichtet an Gabi Schupp. „Mit der Übernahme von Ideal Standard führen wir unseren strategischen Wachstumskurs konsequent fort, bauen unser Kerngeschäft weiter aus und werden internationaler. Wir sind uns sicher, dass beide Unternehmen auch kulturell gut zusammenpassen. Uns verbinden nicht nur traditionsreiche Marken, sondern auch Werte wie eine ausgesprochene Qualitäts- und Serviceorientierung, ein Gespür für gutes Design und ein beständiges Streben nach Innovation. Wir heißen die neuen Kolleg:innen herzlich willkommen und freuen uns darauf, unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten”, erklärt Gabi Schupp. „Wir haben mit der Übernahme von Ideal Standard die größte Akquisition in der Geschichte von Villeroy & Boch vollzogen. Durch die Integration stärken wir unsere Resilienz in einem weiterhin herausfordernden Marktumfeld, heben Synergien und schaffen die besten Voraussetzungen für zukünftiges profitables Wachstum“, unterstreicht Andreas Schmid, Aufsichtsratsvorsitzender der Villeroy & Boch AG.

„Als neuer Teil des Villeroy & Boch-Konzerns freuen wir uns auf die Zusammenarbeit. Die Stärkung unserer regionalen Präsenz, die Kombination unserer Kompetenzen im Privatkunden- und Projektgeschäft, sowie unser bestens aufgestelltes Armaturengeschäft sind nur einige Beispiele für die enormen Potenziale, die wir mit unseren Kund:innen, unseren Partnern und unseren Mitarbeitenden realisieren werden”, hebt Jan Peter Tewes, Geschäftsführer der Ideal Standard International N.V., hervor. Das kombinierte Unternehmen wird auch zukünftig an seinen etablierten Marken festhalten. Ideal Standard wird als eigenständiger Teil in die Unternehmensorganisation integriert. Mettlach bleibt Hauptsitz des Konzerns während Ideal Standard weiterhin aus Brüssel geführt wird.

Sedus Stoll AG

2023 profitabel gewachsen

Erfreuliches Umsatzwachstum 2023 – starke Prognose für 2024: Mit einem Umsatz von ca. 259,1 Mio. Euro verzeichnet die Sedus Stoll AG im Jahr 2023 ein Wachstum von 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt damit deutlich über dem Marktwachstum der Branche (+0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Auch die Auftragseingangszahlen liegen mit ca. 247,3 Mio. Euro auf Rekordniveau und bieten Rückenwind für das Jahr 2024. 

„Im letzten Jahr ist die Sedus Stoll AG profitabel gewachsen,“ erklärt Daniel Kittner, Vorstandssprecher der Sedus Stoll AG. „Die innovativen und trendorientierten Produktentwicklungen mit dem klaren Fokus auf die Anforderungen der neuen Arbeitswelten schlagen sich im Umsatzwachstum 2023 der Sedus Stoll Gruppe nieder. In enger Zusammenarbeit mit den Fachhändlern merken wir bei der Umsetzung von Großprojekten immer stärker, dass Unternehmenskulturen agiler und adaptiver werden – und darauf reagieren wir. Unsere Produktneuheiten 2024 werden nicht nur den Trends folgen, sondern diese aktiv mitgestalten.“ Die Inbetriebnahme der neuen Fertigungsanlage „Futura 2“ im September 2023 am Standort Geseke hat die positive Entwicklung angekurbelt: Mit „Futura 2“ hat Sedus zusätzliche Kapazitäten aufgebaut, um Auslastungsspitzen schneller gerecht zu werden. Durch das automatisierte Plattenschnittverfahren wurden Durchlaufzeiten reduziert und Produktionsabläufe deutlich beschleunigt mit dem Ergebnis, dass der Büromöbelhersteller bei den gestiegenen Umsätzen der letzten beiden Jahre die Liefertermintreue wieder auf das von Sedus gewohnte Zielniveau heben konnte.

In das neue Jahr startete Sedus direkt mit dem ersten Launch-Intervall: Unter dem Motto „Work and the City – the Temptation Office“ führte das Unternehmen zahlreiche Einrichtungslösungen, die die neusten Trends aufgreifen und eine Antwort auf die Frage, wie die urbane Arbeitswelt aussehen könnte, in den Markt ein. „Angesichts des wachsenden Verlangens nach einer harmonischeren Balance zwischen Berufs- und Privatleben wird es immer wichtiger, Arbeitsumgebungen so zu konzipieren, dass sie nicht nur ein gesundes Arbeitspensum ermöglichen, sondern auch aktiv zur Entlastung der Beschäftigten beitragen,“ sagt Kittner. „Wegweisend hierfür sind Entwicklungen wie die fortschreitende Digitalisierung und die zunehmende Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung, die es den Mitarbeitenden erlauben, ihre Arbeitseinsätze selbstbestimmt zu planen. Diese Entwicklungen greift Sedus bei den ‚New Arrivals 2023/2024‘ auf.“

Auch 2024 wird Sedus Produktneuheiten in zwei Launch-Intervallen auf den Markt bringen. Dabei werden besonders Lösungen, die im Einklang mit Mega-Trends wie New Work, Digitalisierung und Nachhaltigkeit stehen, in den Fokus gerückt. „Durch die Fokussierung und Bündelung auf zwei Termine im Jahr bieten wir unseren Kunden und Partnern mehr Planungssicherheit,“ erläutert Kittner. „Im Rahmen unserer zweiten Launch-Welle wird die Orgatec für uns eine Bühne sein, auf der wir die Arbeitslandschaft als ein dynamisches Ökosystem vorstellen – ein Konzept, das in unserer Zeit des Wandels immer relevanter wird. Mit einem Stand von über 1050 qm bereiten wir eine Welt vor, in der Besucher Innovationen nicht nur sehen, sondern erleben können. Wir freuen uns darauf, die Neugier zu wecken und den Dialog über die Zukunft der Arbeit in einer Atmosphäre zu fördern, die ebenso professionell wie inspirierend ist.“

Furniture X

Konsortium zur Einführung des Digitalen Produktpasses gegründet

Am 29. Februar fand die konstituierende Sitzung von Furniture-X statt. So nennt sich das neue Konsortium, das sich in der Einrichtungsbranche für eine praxisgerechte und flächendeckende Einführung des Digitalen Produktpasses einsetzt.

Die EU-Mitgliedstaaten haben am 22. Dezember 2023 die neue Ökodesign-Verordnung auf den Weg gebracht und die Möbelbranche wird zu den ersten Branchensektoren gehören, die zur Einführung des Digitalen Produktpasses gesetzlich verpflichtet werden. „Da insgesamt ca. 16.000 Unternehmen in Deutschland mit der Einrichtungsbranche assoziiert sind, ist es von sehr großer Bedeutung, die wichtigsten Branchenorganisationen zusammenzubringen, um den Digitalen Produktpass in den Griff zu bekommen“, erklärt Dr. Olaf Plümer, Leiter Digitalisierung der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK).

Aktuell wirken bei Furniture-X mit: der VDM, der BVDM, Daten Competence Center (DCC), der Mittelstandsverbund (ZGV), Morphe als treibende Kraft für die Etablierung der EClass-Normen in der Interior-Branche sowie Integrated Worlds als Betreiber der zentralen Datenaustauschplattform Iwofurn. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette Home & Living – von der Vorstufe der Zulieferindustrie bis zum Handelsunternehmen – haben bereits zahlreiche Unternehmen ihre Mitwirkung an Furniture-X bekundet. Die Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut und dem FIR (Forschungsinstitut für Rationalisierung e. V.) der Universität Aachen stellt sicher, dass branchenübergreifende Initiativen berücksichtigt und mögliche Synergien gehoben werden können.

Mehr zum Digitalen Produktpass lesen Sie in der möbelfertigung 2/24.

Martin Beeh
materials.cologne

Zukunftsweisende Online-Seminarreihe zu zirkulärem Design

Vom 18. März bis 22. April bietet „materials.cologne – Die Plattform für Design und Innovation“ eine Online-Seminarreihe zum Thema „Design for Circularity“ an. Diese wendet sich an alle Entscheiderinnen und Entscheider, die für die Planung, Gestaltung und Umsetzung von nachhaltigen Innovationen verantwortlich sind. Seminarsprache wird Englisch sein.

Realisiert wird die Reihe von Diplom-Designer Martin Beeh, Initiator der „materials.cologne“ sowie Materialberater, Hochschuldozent und Design for Circularity-Experte. Dafür hat er fünf Fachseminare entwickelt: „Erfolgsfaktor Design for Circularity“, der von ihm entwickelte Prozess „IPC – Industrial Design and Product Development for Circularity“ (zwei Seminare), „Materialien und Fertigungsprozesse für Design for Circularity“ sowie „Radikal neu denken und handeln – Neue Geschäftsmodelle schaffen, basierend auf Design for Circularity“ (zusammen mit John Lam, Partner bei State of Culture, München/Zürich).

„Jedes dieser Fachseminarevermittelt topaktuelle Informationen zur Kreislaufwirtschaft und zum Design for Circularity, bespricht nationale und internationale Best Practise-Beispiele, bietet viel Zeit für Fragen und Diskussionen und übt mit den Teilnehmer:innen ausführlich die vorgestellten Werkzeuge und Prozesse“, so Martin Beeh. „Die Zeit des Blabla in der Kreislaufwirtschaft ist vorbei, es ist höchste Zeit, dass Unternehmen und deren Partner loslegen, die Kreislaufwirtschaft konkret umzusetzen. Wer heute noch abwartet, ist morgen vielleicht schon nicht mehr auf dem Markt.“

Bis zum 12. März gilt der Early-Bird-Preis, bis zum 18. März die Paketpreise für alle fünf Seminare. Weitere Informationen sowie die Anmeldeunterlagen gibt’s unter www.mat.cologne.

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Abgabenlast & Bürokratie schlimmer als das Konjunkturtief

Das Handwerk steht aktuell enorm unter Druck. Dabei zeigt eine Umfrage, dass Abgabenlast und „Bürokratie-Dschungel“ die Betriebe noch mehr belasten als die schwache Konjunktur. Dies ist ein Aspekt des Kommentars der kommenden „möbelfertigung Handwerk und Innenausbau“, die am 12. März erscheint, den Sie schon jetzt hier lesen können:

Nicht im eigenen Tunnel fahren

„Wir müssen uns mehr anstrengen“, bringt es Dagmar Daxenberger, Geschäftsführende Gesellschafterin von Ostermann, im Interview mit der „möbelfertigung“ auf den Punkt. Denn die Zeiten sind herausfordernd. Die gute Auftragslage, über die sich Handwerk noch bis vor Kurzem freuen konnte, ist nicht nur rasant weggeschmolzen – viele Betriebe erwarten weiter sinkende ­Umsätze, ­abnehmende Auftragspolster und sogar ­sinkende Beschäftigtenzahlen.

Laut einer ZDH-Umfrage geben Handwerksbetriebe an, dass das erste Halbjahr 2024 für sie schlechter als das Jahr 2023 laufen wird. ­Interessant ist dabei, welche Faktoren auch den Tischlern und Schreinern das Leben besonders schwermachen. So belasten nach Angaben der Handwerksbetriebe derzeit die hohe Steuer- und Abgabenlast (68 Prozent) sowie die zu erfüllenden Dokumentations- und Nachweispflichten (52 Prozent) besonders und belegen damit Platz eins und zwei der Leidenspyramide. Erst auf den Plätzen drei bis fünf folgen Fachkräftemangel
(44 Prozent), hohe Energiekosten (43 Prozent) und der derzeitige Auftragsrückgang (41 Prozent).

Die Konsequenz daraus muss also endlich konsequentes politisches Handeln sein – und zwar über Parteigrenzen hinweg. Denn es ist aktuell nicht die Zeit für partei-strategisches Geplänkel, wie zum Beispiel der groteske Streit über das ohnehin schon fast auf Wirkungslosigkeit geschrumpfte Wachstumschancengesetz. Stattdessen braucht es seitens der Politik glaubhafte Signale und Impulse.

Gleichzeitig dürfen Unternehmen und Betriebe in dieser Situation nicht den Kopf in den Sand stecken. So ist es ein schwieriges Zeichen, wenn große Player den handwerks-relevanten Messen als Aussteller fernbleiben. Denn gerade jetzt ist ein „Wir-Gefühl“ wichtig, und die Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette sollten sich austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn wenn in schwierigen Zeiten Umsatzpotenziale gehoben werden sollen, braucht es persönliche Gespräche, damit nicht jeder in seinem eigenen Tunnel fährt.

Denn wie das Eingangs-Zitat richtig sagt, immer nur festzustellen, was alle anderen falsch machen, ist zu einfach. Wir müssen uns mehr anstrengen. Was nicht in erster Linie bedeutet, sich vor allem beim Sparen anzustrengen. ­Natürlich braucht jedes Unternehmen und ­jeder Betrieb einen gewissen Ertrag. Doch ­gerade ­große Unternehmen müssen jetzt Rückgrat zeigen und nach vorne blickend ­investieren statt Personal abzubauen. Zumal der damit ­einhergehende Brain Drain langfristigen Schaden anrichten kann beziehungsweise wird. Von den Signalen, die Richtung Kunden gesendet werden, ganz zu schweigen.

So bleibt im ersten Schritt zu hoffen, dass trotz des Wegbleibens diverser Big-Player viele Tischler und Schreiner die „Holz-Handwerk“ besuchen und die Chance zum intensiven Austausch und dem Entdecken von Neuheiten nutzen. Schließlich kann ein „Wir-Gefühl“ in Zeiten wie diesen etwas sehr Wohltuendes sein.

Die Gute Form
Tischler Schreiner Deutschland

„Die Gute Form 2024“ – die Sieger stehen fest

Im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse in München fand auch die Preisverleihung von „Die Gute Form 2024“ statt.

Mit „Exzentrelliptisch“ – ohne Zweifel eine sprachliche Neuprägung – gewinnt Lukas Paar mit einem Gesellenstück, bei dem nicht nur der Name außergewöhnlich ist, den Spitzenplatz. Die Jury lobte den „beeindruckenden Solitär als spannende Resonanz auf die Hochphase handwerklicher Möbelgestaltung“ und sah in dem Gesellenstück einen gelungenen Transfer des klassischen Vorbilds zum modernen Möbel. Paar, der in der Tischlerei Franz-Josef Bronneberg in Baesweiler/Nordrhein-Westfalen ausgebildet wurde, erhält als Gewinner ein Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro sowie ein Produkt aus dem Profi-Sortiment von Festool.

Den zweiten Platz sichert sich Fritz Zöhrlaut mit seinem Schreibtisch „Cuero“. Hier beeindruckte die Jury neben einem harmonischen Gesamtkonzept das „formal durchformulierte Gestell, das von der formschlüssigen Einbindung der Beine in die Zargen lebt“. Ausgebildet wurde der Geselle aus Nordrhein-Westfalen in der Tischlerei Smits in Bergisch Gladbach. Als Zweitplatzierter gewinnt er neben einem Preisgeld über 1.000 Euro ebenfalls ein Produkt aus dem Festool-Sortiment.

Platz drei geht an Lorenz Engelhardt aus Baden-Württemberg, der in der Meisterwerk Holzmanufaktur in Walddorfhäslach das Schreiner-handwerk erlernt hat. 500 Euro Preisgeld sowie eine Festool-Hand-maschine erhielt er für seinen hängenden Schreibtisch, der „analoges und digitales Arbeiten auf begrenztem Raum berücksichtigt“ und dadurch ein gelungenes Gestaltungskonzept bietet, das „gut in den Zeitgeist minimalistischer Wohnkonzepte passt“, so das Juryurteil.

Den Sonderpreis „Massivholz“ und 500 Euro Preisgeld (gestiftet von Tischler Schreiner Deutschland) erhielt Moritz Wagner (Bayern) für sein Organisationsmöbel und die „beeindruckende fachgerechte Verarbeitung auf allerhöchstem Niveau“. Nach Schleswig-Holstein ging der Sonderpreis „Beschlag“ an Leif Duisberg. Er bekommt diesen Preis für sein selbst gefertigtes Zapfenband, das stilprägend für sein Möbel ist und die Umsetzung seiner Gestaltungsidee ermöglicht. Die 500 Euro Preisgeld stiftet Mitausrichter OPO Oeschger. Den dritten Sonderpreis in der Kategorie „Oberfläche“ sicherte sich Moritz Baum aus Baden. Er erhält diese Auszeichnung für die gelungene Collage aus subtil abgestimmtem HPL und kupferfarbenem amerikanischem Nussbaum. Auch dieser Preis ist mit 500 Euro dotiert, die von TSD-Zukunftspartner und Hauptsponsor Remmers gestiftet werden.

Belobigungen erhielten außerdem das Sideboard von Christian Kiesau (Hessen), der Schreibtisch von Lea Kunze (Sachsen) sowie die Tagesliege von Lukas Stokmaier (Baden-Württemberg). Außer Konkurrenz wurde abschließend das Sideboard „Die perfekte Welle“ von Marcel Becker (Rheinland-Pfalz) per Publikumsvotum zum Liebling gewählt.

In einer pointierten Ansprache warb TSD-Präsident Thomas Radermacher zu Beginn der Preisverleihung für die Möglichkeiten im Tischler- und Schreinerhandwerk. „Mit Ihrem Talent und dem Gesellenbrief in der Tasche verfügen Sie über einen breiten Strauß an Chancen“, erklärte der Unternehmer aus Meckenheim und machte den Anwesenden Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit anzustreben. Denn gerade aktuell könne die Gelegenheit kaum günstiger sein.