Zum Hauptinhalt springen

Autor: Möbelfertigung

Gerade jetzt Partnerschaften stärken

Covid-19 bestimmt den Alltag in Deutschland. Doch wie geht ein Unternehmen damit um? Was ist jetzt besonders wichtig? Bietet die Krise vielleicht auch Chancen?

Die „möbelfertigung“ befragt den familiengeführten Maschinenbauer Ruwi in regelmäßigen Abständen (circa alle drei Wochen) zum Stand der Dinge und spricht dabei mit Daniel Ruggaber, Leiter Marketing und Vertrieb sowie Sohn des Inhabers Reiner Ruggaber.

„Aktuell zeigt sich das internationale Geschäft bei uns verhalten, in Deutschland ist es zum Glück nach wie vor stabil“, erläutert Ruggaber. „Die meisten hiesigen Firmen arbeiten, wobei natürlich einige Kurzarbeit haben. Das verlängert diverse Prozesse. So müssen auch wir gelegentlich auf Teile länger warten.“

Trotzdem sind die Produkte von Ruwi gefragt, gerade die Ersatzteile. Denn viele Unternehmen nutzen jetzt die Zeit, um ihren Maschinenpark auf Vordermann zu bringen. Es werden Dinge erledigt, die sonst im mit laufenden Prozessen geprägten Alltag gerne auf der Strecke bleiben.

Einer großen Nachfrage erfreuen sich momentan Ruwis Videoschulungen.

„Aufgrund der Corona-Krise befinden sich natürlich auch viele Vertriebler im Homeoffice. Und die Geschäftsführer ihrer Unternehmen halten sie dazu an, jetzt was für ihre Weiterbildung zu tun, um nach der Krise noch besser durchstarten und den Kunden noch mehr bieten zu können. Was natürlich auch gut für uns ist“, führt Daniel Ruggaber aus.

Darüber hinaus pflegt Ruwi gerade jetzt den persönlichen Kontakt zu seinen Partnern. „Das ist in der jetzigen Situation sehr wichtig. Man sollte telefonieren oder auch mal einen persönlichen Brief schreiben, was ich tue“, so Ruggaber. „Schließlich gehen wir alle gemeinsam durch diese Krise. Ein starkes Wir-Gefühl spielt während dieser Zeit eine ganz wichtige Rolle. Das sollte niemand unterschätzen.“

Aufgrund der Gesamtlage musste auch Ruwi seine Produktion etwas runterfahren. Kurzarbeit gibt es in dem Unternehmen aber bislang nicht. „Allerdings bitten wir unsere Mitarbeiter bis zum Sommer mindestens 40 Prozent ihres Urlaubs abzubauen“, betont Daniel Ruggaber. „Denn wenn das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder kräftig anzieht, brauchen wir natürlich unsere Mitarbeiter hier. Allerdings ist es nur eine Empfehlung. Wir ordnen den Urlaub nicht an.“

Wie sich der geschäftliche Alltag bei Ruwi in der kommenden Zeit entwickelt und darstellt, lesen Sie hier in ungefähr drei Wochen.

Fordern weitere Öffnungen im Möbelhandel

Möbelindustrie und Möbelhandel leiden derzeit gemeinsam unter den aktuellen Corona-Beschränkungen. Während 85 Prozent der Industrieunternehmen mangels Aufträgen Kurzarbeit beantragt haben, sind die allermeisten Einrichtungshäuser nach wie vor geschlossen. Ausnahmeregelungen gibt es nur für kleinere Häuser bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche bzw. bei einer auf 800 Quadratmeter verkleinerten Verkaufsfläche und nur in Nordrhein-Westfalen auch für die Großfläche.

Im Vorfeld der für diese Woche anstehenden Beratungen zwischen der Bundesregierung und den Ländern fordern die Wirtschafts-stufenverbände Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM), der Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) sowie der Mittelstandsverbund (ZGV) weitere abgesicherte Lockerungen zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten. In einer gemeinsamen Erklärung verweisen die Organisationen auf die bisherigen positiven Erfahrungen insbesondere in NRW.

Festzustellen ist, dass die Öffnung der Geschäfte in NRW zu keinerlei Komplikationen geführt hat und sämtliche Schutzmaßnahmen für Personal und Kunden im Sinne des Infektionsschutzgesetzes vom Handel vorbildlich umgesetzt worden sind. Die Kundenfrequenz in den Geschäften hält sich gerade auf der Großfläche in einem sehr angemessenen Rahmen. Während die Corona-Schutzverordnungen der Länder einen Kunden pro 10 oder 20 Quadratmeter Verkaufsfläche erlaubt, melden viele große Einrichtungshäuser tatsächlich gemessene Werte von über 100 Quadratmetern pro Kunde. Die Kunden halten sich an die Vorgaben des Hygieneschutzes, achten auf ausreichend Abstand untereinander und nehmen die Hinweise und Vorgaben des Personals bereitwillig auf.

Mit Blick auf die weitere Diskussion sprechen sich BVDM, VDM und ZGV für flächenunabhängige Öffnungskonzepte aus. Eine solche Auffassung wird auch von der Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes gestützt, der die Einstufung der 800 Quadratmetergrenze als verfassungswidrig ansieht. Sichere Öffnungs-konzepte orientieren sich nicht an der Größe des Einrichtungshauses, sondern an der Schlüssigkeit und Konsequenz der ergriffenen Maßnahmen. Die Kontrollen der Ordnungsämter in NRW haben in der vergangenen Woche die Praxistauglichkeit der Schutz- und Hygienemaßnahmen unter Beweis gestellt, womit eine gute Vorlage für die anderen Bundesländer existiert.

Stellt jetzt auch Mund-Nasen-Masken her

Die Dauphin-Gruppe nimmt in ihren Polsterwerken des Tochterunternehmens Artifex, neben der herkömmlichen Fertigung von Sitzmöbelpolstern und Loungemöbeln, zusätzlich die Herstellung von Mund-Nasen-Masken auf.
Spätestens mit der Ankündigung einer inzwischen bundesweit gültigen Maskenpflicht zur Eindämmung des Coronavirus, steigt in Deutschland auch im betrieblichen Umfeld der Bedarf an Mund-Nasen-Masken. Laut Wirtschaftsminister Peter Altmaier bestehe für Deutschland über alle Varianten von einfachen Alltagsmasken bis zu Spezialmasken für medizinisches Personal ein Bedarf von mehreren Milliarden Stück innerhalb von Monaten.

Um einen Beitrag zur Bedarfsdeckung zu leisten, fertigt die Artifex Büromöbel GmbH an ihren beiden Produktionsstandorten Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg und Günzburg ab sofort wiederverwendbare Masken für Mund und Nase, die in das Sortiment der Marke Dauphin aufgenommen wurden.

Vertrieben werden die Dauphin-Masken über die Fachhandelspartner der Dauphin HumanDesign Group. Weitere Informationen sind auf der Dauphin Website www.dauphin.de ersichtlich oder über info@dauphin.de erhältlich.

Den ersten Impuls für die Fertigung von Mund-Nasen-Masken erhielt Artifex-Geschäftsführer Norbert Kuhn am 21.3.2020 durch einen Beitrag der Tagesschau über die Vereidigung der neuen slowakischen Regierung. Die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová trug zu diesem Anlass einen pinken Mundschutz passend zum Kleid, das habe ihn an die farbenfrohen Stoffe der Artifex erinnert und auf die Idee gebracht, farbigen Mundschutz zu produzieren.

Als Polsterzulieferer für sämtliche Firmen der Dauphin-Gruppe verfügt Artifex über entsprechende Kompetenzen bei der Stoffbearbeitung sowie der Umsetzung verschiedener Zuschnittmuster. Im Produktionsablauf mussten nur wenige Veränderungen vorgenommen werden. Von der Idee bis zum ersten Prototyp vergingen daher nur drei Tage. Gewählt wurden besonders gut geeignete, waschbare Stoffe aus dem hochwertigen Textilsortiment der Stammlieferanten. Die dreidimensionalen Mund-Nase-Masken der Marke Dauphin haben eine Netzfilterstruktur mit Vlieseinsatz und ermöglichen dadurch leichtes Ein- und Ausatmen.

HDH

Sieben Auslandsmessen des Bereichs Holz und Möbel werden gefördert

Im Rahmen der Frühjahrssitzung des Arbeitskreises Auslandsmessebeteiligungen beim Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) wurden alle sieben vom Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) für 2021 beantragten Messen bestätigt. Dies entspricht einem Fördervolumen von insgesamt rund 1,1 Millionen Euro. „Dank dieser Unterstützung können die Unternehmen der deutschen Holz- und Möbelindustrie auch im kommenden Jahr auf Auslandsmessen zu günstigen Bedingungen im Rahmen von Gemeinschaftsbeteiligungen ausstellen“, so HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge. 

An der Frühjahrssitzung nahmen neben dem HDH auch Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), des AUMA und der beteiligten Verbände teil. „Besonders erfreulich ist aus Branchensicht die Aufnahme der Erstbeteiligungen in Orlando, Stockholm und Shanghai ins Auslandsmesseprogramm 2021. Die USA, China und Skandinavien gehören zu den wichtigsten Wachstumsmärkten der deutschen Holz- und Möbelindustrie. Sie stehen deshalb im Fokus der aktuellen Exportoffensive der Branche“, so Ohnesorge.

Die geförderten Auslandsmessen sind: „KBIS“ (9. – 11. Februar 2021, Orlando/USA), „Stockholm Furniture Fair“ (9. – 13. Februar 2021, Stockholm/Schweden), „AWE“ (März 2021, Shanghai/China), „Interzum Guangzhou“ (März 2021, Guangzhou/China), „Mosbuild“ (30. März – 2. April 2021, Moskau/Russland), „Middle East Design + Hospitality Week“ (September 2021, Dubai/Vereinigte Arabische Emirate) und „Mebel“ (November 2021, Moskau/Russland).

Der Auslandsmesseetat des Bundes für 2021 bleibt dabei mit 45,5 Millionen Euro im Vorjahresvergleich unverändert. Von 327 eingereichten Messevorschlägen wurden 282 Messen bestätigt. Die Zahl der Erstbeteiligungen ist von 41 in 2020 auf 54 in 2021 gestiegen.

Stellt Antrag auf Einleitung eines Verfahrens zum Schutz der Gläubiger

Die Corona-Pandemie hat den belgischen Hersteller Recor in Schieflage gebracht, so dass das Unternehmen gestern Antrag auf Einleitung eines Verfahrens zum Schutz der Gläubiger (WZO) stellen musste. „Wir waren damit beschäftigt, einen neuen Geschäftsplan zu entwickeln, als Covid-19 eintraf. Bereits im Januar spürten wir die Auswirkungen in der Logistikkette aus China und später auch aus Italien, wo wir unser Leder kaufen, und Spanien, das viele Stoffe liefert“, sagt Peter Sarasyn, CEO der Recor Group gegenüber „De Tijd“.
Als es Mitte März zur Schließung der Geschäfte kam, folgte der große Einschlag. Recor verkauft seine Produkte über Möbelgeschäfte in Belgien sowie im Ausland.  „Mit dem Schutz vor Gläubigern wollen wir für einen Moment die Pause-Taste drücken“, führt Sarasyn fort.

Vor Gericht beantragte der Hersteller einen Zahlungsaufschub von vier Monaten ­– weniger als die üblichen sechs Monate. Das WZO-Verfahren gilt nur für Recor NV und nicht für Recor Bedding NV (Matratzen, Schlafsofas und Bettwäsche) oder anderen Unternehmen der Gruppe.

Am Standort in Hasselt beschäftigt Recor noch 215 Mitarbeiter.

Recor gab an, beim Corona-Unterstützungsfonds der belgischen Regierung nicht förderfähig zu sein. Dagegen wolle der Hersteller jedoch Berufung einlegen.

Möbel- und Interiorbranche fährt Werke wieder hoch

Aufatmen in Italien – endlich verbessert sich die Corona-Lage auch südlich der Alpen und die strengen Restriktionen der Regierung werden schrittweise gelockert. Nach dem Erlass des Premierministers vom 26. April kündigen nun zahlreiche Hersteller aus der Möbel- und Interiorbranche, darunter B&B Italia und Arclinea, Moroso sowie Boffi|DePadova und Flexform, die sofortige Wiedereröffnung ihrer Werke an.
So freut sich Moroso (Foto), ab heute die Produktion wieder aufnehmen zu können, während Logistik und Lagerdienstleistungen ab Montag, 4. Mai 2020, voll einsatzfähig sein werden. „Vorläufig werden alle anderen Abteilungen, einschließlich Kundenbetreuung, Kundendienst, Handels- und Marketingbüros, weiterhin über Smart Working zur Verfügung stehen.“

„Mit dem außerordentlichen Engagement der Mitarbeiter, die die wahre Stärke von Unternehmen und Marken sind, werden wir mit dieser großen globalen Krise fertig werden“, ermutigt die B&B Italia Gruppe in ihrem Statement zum Re-Start ihrer Produktion am heutigen Tag.

Und auch Boffi|DePadova will volle Produktionskapazität bis Montag, den 4. Mai, erreichen: „Mit größter Effizient werden wir uns den vor uns liegenden Herausforderungen annehmen. Unser internationales Netzwerk ist immer aktiv und jetzt noch besser organisiert.“

„Unser Werk wird heute wiedereröffnet, und wir sind bereit, die Arbeit wieder aufzunehmen“, erklärt auch Flexform.

HDH

Trockenheit bedroht den Wald und die Holzwirtschaft

Die akute Trockenheit und die damit verbundene Dürre stellen eine große Gefahr für den Wald als Ökosystem sowie für die Holzwirtschaft dar. „Kommt es zu einem dritten Dürresommer in Folge, drohen schwerwiegende ökologische und wirtschaftliche Folgen“, ist Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie (HDH) alarmiert. „Sollte die Trockenheit anhalten, kann es zu massivem Baumsterben in Deutschland kommen. Das bedroht unsere Ökosysteme und die langfristige Rohstoffgrundlage unserer Industrie. Holzindustrie und Forstwirtschaft sind deshalb extrem besorgt.“ Laut Deutschem Wetterdienst fielen im April dieses Jahr bisher nur rund fünf Prozent der üblichen Regenmenge. In einigen Regionen herrscht bereits die höchste Waldbrandgefahrenstufe.

„Im Zusammenhang mit der Coronakrise könnte sich vor allem der Export von Holzprodukten, aber auch die Konjunkturaussichten der Holzindustrie weiter eintrüben. Von der Bundesregierung geplante konjunkturfördernde Maßnahmen müssen konsequent auf Klimaschutz und nachhaltige Wirtschaftsweisen ausgerichtet werden“, fordert Ohnesorge. Mit ihren Holzprodukten und der Holzenergie trügen die Betriebe der Branche unmittelbar zur Minderung des CO2-Ausstoßes und so zum Klimaschutz bei.

Schon in den vergangenen beiden Jahren hatten die heimischen Wälder unter extrem hohen Temperaturen, Niederschlagsmangel und Schädlingsbefall gelitten. „Ein weiteres Dürrejahr würde den Wald und die Waldbesitzer als Lieferanten der Holzindustrie umso härter treffen und könnte tragische Konsequenzen haben“, gibt Ohnesorge zu bedenken.

ZDH

Erhalt eines leistungsfähigen Ausbildungssystems und der Bildungsinfrastruktur essenziell für Nachkrisen-Wirtschaftsentwicklung

Die diesjährige Frühjahrskonferenz der Spitzenvertreter des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT) fand am Montag per Videokonferenz in Berlin unter dem Eindruck eines von den Corona-Beschränkungen stark betroffenen Handwerks statt. Im Mittelpunkt des Austausches der Handwerks-Spitzenvertreter stand, welche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Wiederhochfahren der handwerklichen Betätigung nötig sind. Die Handwerks-Spitzenvertreter brachten ihren Respekt für die bisher getroffenen politischen Entscheidungen von Bund und Ländern zur Bewältigung der Corona-Krise zum Ausdruck. Politik, Verwaltung und Handwerk sei es gelungen, in einem gewaltigen Kraftakt wichtige Maßnahmen zügig, entschlossen und sachgerecht auf den Weg zu bringen wie etwa verbürgte Liquiditätshilfen oder nicht zurückzahlbare Zuschüsse, Kurzarbeitergeld, Steuer- und Beitragsstundungen. Die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern zur schrittweisen Lockerung der Corona-Beschränkungen zeichneten sich durch eine gute Balance von Gesundheitsschutz und Wirtschaftserfordernissen aus, hinterlassen aber auch deutliche Baustellen. Die Spitzenvertreter der Handwerkskammern erwarten nun von der Politik darauf aufbauende Beschlüsse.

„Wir dürfen jetzt nicht stehen bleiben. Für ein erfolgreiches Wiederhochfahren brauchen wir einen breit angelegten Masterplan. Der muss Betrieben und Menschen Perspektiven und Handlungsoptionen und damit die Möglichkeit geben, sich entsprechend auf den Neustart vorzubereiten“, betonte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Ein solcher Masterplan müsse aufzeigen, wie schrittweise mit weiteren Maßnahmen fortgefahren werde. Damit sich die Betriebe darauf einstellen könnten, bräuchten sie bundesweit einheitliche und transparente Regelungen wie auch Verfahren für den Wiedereinstieg. „Viele unserer Betriebe leiden seit Wochen unter massiven Umsatzeinbrüchen, die bereits jetzt ihre Existenz gefährden. Die Liquidität der Betriebe muss unbedingt weiter so abgesichert werden, dass sie die akute Krisenphase überstehen können. Alle Betriebe müssen gleichermaßen – branchenunabhängig und diskriminierungsfrei – die Chance erhalten, den Wiedereinstieg nach der Krise gut zu meistern“, sagte der ZDH-Generalsekretär.

Zwingend notwendig für den Neustart ist etwa, dass den Betrieben ausreichend Schutzausrüstung – wie Schutzmasken, Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln – zur Verfügung steht. Zudem müssen unverzichtbare Dienstleistungen und Infrastrukturen sichergestellt werden und Behörden und Ämter schnellstmöglich in einen geregelten Arbeitsmodus zurückfinden. Die auch in nächster Zeit absehbar weiter notwendigen Unterstützungsinstrumente müssen mit einem Belastungsmoratorium und mit Konjunkturimpulsen auch über verstärkte Aufträge der Öffentlichen Hand verzahnt werden.

Unerlässlich und zentral für eine künftig gute Wirtschaftsentwicklung ist aus Sicht der DHKT-Spitzenvertreter die Fachkräftesicherung über Ausbildung. Daher sei es von entscheidender Bedeutung, die Ausbildungsleistung der Betriebe zu erhalten und eine leistungsfähige Bildungsinfrastruktur zu sichern.

„Es muss unbedingt vermieden werden, dass Betriebe, die von der Krise massiv betroffen sind, ihre Ausbildungsleistung einschränken oder sogar ganz einstellen müssen. Derzeit geben Handwerksbetriebe ihr Bestes, sich in einer betrieblich schwierigen Situation für ihre Azubis und deren Qualifizierung einzusetzen. Wir müssen dieses Engagement unbedingt sichern. Das Handwerk, aber auch die deutsche Wirtschaft insgesamt brauchen die Ausbildungsleistung unserer Betriebe. Primäres Ziel muss es sein, die bestehenden Ausbildungsverhältnisse zu stabilisieren und die Nachwuchsgewinnung nicht zum Erliegen kommen zu lassen. Dafür sollten die Ausbildungsbetriebe durch Kostenentlastungen, Fördermaßnahmen oder einen Ausbildungszuschuss unterstützt werden. Allen Beteiligten muss klar sein, dass jeder Azubi, der jetzt und zukünftig nicht mehr ausgebildet werden kann, den Fachkräftemangel massiv verschärfen wird“, sagte der ZDH-Generalsekretär. Die Allianz für Aus- und Weiterbildung, die alle wesentlichen politischen Akteure im Bereich der beruflichen Bildung vereint, sei aufgerufen, sich dieser Themen zeitnah anzunehmen und rasch gemeinsam tragfähige Antworten zu entwickeln.

Mit Blick auf die zukünftige Fachkräftesicherung sei es zudem unerlässlich, dass die bewährte Bildungsstätten-Infrastruktur im Handwerk die Krise unbeschadet übersteht. Wegen der Corona-Beschränkungen mussten bundesweit bislang fast 12.000 Lehrgänge und Kurse ausfallen, Prüfungen mussten verschoben werden. Und auch der in Kürze wieder beginnende Lehrbetrieb werde aufgrund des notwendigen Gesundheitsschutzes nur sehr eingeschränkt erfolgen können. „Wegen der aktuell immer noch anhaltenden Aussetzung von Lehrgängen leiden viele Einrichtungen unter erheblichen Einnahmeausfällen, während gleichzeitig die Kosten für den Betrieb und den Unterhalt der Gebäude sowie für das Personal weiterlaufen. Dies führt mit zunehmender Dauer zu erheblichen Liquiditätsengpässen und zur finanziellen Schieflage von Bildungszentren. Die bestehende berufliche Bildungsstätten-Infrastruktur ist derzeit massiv gefährdet und damit auch der nahtlose Übergang in ein geregeltes Ausbildungswesen nach der Krise. Für das Handwerk wie die deutsche Wirtschaft insgesamt ist es essenziell, dass diese Bildungsstätten-Infrastruktur durch die Corona-Krise keinen Schaden nimmt“, betont ZDH-Generalsekretär Schwannecke.

Bund und Länder müssten daher die handwerklichen Einrichtungen der beruflichen Bildung finanziell unterstützen und absichern. Für die Zeit der verordneten Schließung und des staatlich regulierten Anlaufens sollten entsprechend die Kosten der Bildungseinrichtungen, die nicht durch Kurzarbeitergeld oder andere Leistungen wie die Kostenübernahme von arbeitsmarktpolitischen Leistungen durch die Bundesagentur für Arbeit gedeckt werden können, durch Zuschüsse ersetzt werden. „Nur so kann erreicht werden, dass unsere Bildungszentren, die für die berufliche Bildungsinfrastruktur unverzichtbar sind, nach der Krise genauso stabil agieren können wie zuvor. Die gesamten Lehrkörper und Mitarbeiter werden dringend gebraucht, wenn es darum geht, den geregelten Betrieb nach der Krise wieder aufzunehmen. Angesichts des bereits bestehenden Mangels an Ausbildern müssen Entlassungen unbedingt vermieden werden. Die Hilfsmaßnahmen im Zuge der Corona-Krise müssen dringend auf Einrichtungen der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung erweitert werden“, fordert Schwannecke.

In den über 600 beruflichen Bildungszentren der Handwerksorganisationen werden unter normalen Umständen jährlich Hunderttausende Auszubildende unterwiesen, Fachkräfte fortgebildet und Prüfungen durchgeführt. Die Bildungszentren sind der wesentliche Kern der praktischen beruflichen Bildungsinfrastruktur Deutschlands und auch ein wichtiger Arbeitgeber in den Regionen. Mit dieser leistungsstarken Infrastruktur leistet das Handwerk einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung in Deutschland und das weit über das Handwerk hinaus.

Die Hauptgeschäftsführer des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT) treffen sich zweimal im Jahr, um sich über aktuelle handwerkspolitische Fragen auszutauschen. Angesichts der Corona-Krise fand die traditionelle Frühjahrskonferenz erstmalig als Videokonferenz statt.

Pflanzen 7.000 Bäume

Hartmann Möbelwerke pflanzten in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Auengrund in Thüringen im dortigen Wald vor kurzem 7.000 Mischwaldbäume wie Buche, Eiche, Weißtanne und Bergahorn. Damit soll natürliches Gleichgewicht geschaffen und der Erhalt der Natur weiter gefördert werden.

„Hier lässt sich das Prinzip der Nachhaltigkeit mit eigenen Augen sehen und erleben – ganz im Sinne von Carlo von Carlowitz, der dieses Prinzip vor über 300 Jahren prägte. Jeder Baum, der bei uns in der Produktion genutzt wird, wird in der Partnergemeinde in Thüringen nachgepflanzt“, erklärt Holger Hanhardt, Geschäftsführer bei Hartmann.

Dabei erhält jeder Baumsetzling ein Zertifikat mit seinen Koordinaten, um diesen im Wald wiederzufinden und um zweifelsfrei bestimmen zu können, welcher Baum durch die Hartmann Möbelwerke gesetzt wurde. Auch Geschäftsführer und Firmeninhaber Bernhard Hartmann packte bei der Pflanzaktion mit an.

Das Unternehmen mit seinen 120 Mitarbeitern verwendet ausschließlich Holz aus Mitteleuropa und vorwiegend aus der näheren Umgebung. „Massivholzmöbel zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders natürlich, widerstandsfähig und langlebig sind. So schließt sich ein Kreislauf aus nachhaltiger Forstwirtschaft, nachhaltiger Holzverwendung und langlebigen Produkten“, so Andreas Ruf, Geschäftsführer der Initiative Pro Massivholz. Holger Hanhardt betont: „Die Aufforstung der heimischen Wälder ist eng mit unserer Firmenphilosophie ‚von der Natur empfohlen‘ verbunden, daher ist das Engagement zugunsten der Umwelt für uns selbstverständlich.“ Der Möbelhersteller kündigt an, auch in den kommenden Jahren neue Bäume zu pflanzen, um das natürliche Gleichgewicht im Wald weiter aufrecht zu erhalten.