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Autor: Hahn, Sebastian

Michael Egger Junior
Egger

Michael Egger jun. über die Konjunktur, Kooperationen und Nachhaltigkeit

Auch ein so stabil dastehendes Unternehmen wie Egger spürt die angespannte Konjunktur. Deshalb blickt das Unternehmen über den Tellerrand und denkt über die Möglich­keiten der Zusammenarbeit mit Unternehmen ­anderer ­Branchensegmente nach. Gleichzeitig investiert der Holz­werkstoffspezialist stark Richtung Zukunft, weshalb bei ­Egger auch das Thema Nachhaltigkeit stark im Fokus steht – wie Michael Egger jun. im Interview deutlich betont.

möbelfertigung: Herr Egger, aktuell ist die konjunkturelle Lage in vielen Märkten – vor allem in Deutschland – herausfordernd. Wie stellt sich die Lage für Egger dar und wie reagieren sie als Unternehmen?
Michael Egger jun.:
Natürlich spüren auch wir, dass die aktuelle Wirtschaftslage eingetrübt ist. So führten die hohe Inflation, die hohen Zinsen, die volatilen Rohstoffpreise und geopolitischen Unsicherheiten zu einer generellen Konsumschwäche und Nachfragerückgängen in fast allen Märkten.


möbelfertigung: Sehen Sie die anhaltende ­Krise im Bau ebenfalls als Problem?
Michael Egger jun.:
Die schwächelnde Bauwirtschaft stellt auch für uns und unser Geschäft eine Herausforderung dar. Schließlich hat sich die Marktlage seit der Rekordnachfrage während der Corona-Pandemie stark gedreht. Und da wir auf kontinuierlichen Anlagen produzieren, ist ein Anpassen der Produktionsmenge an veränderte Marktsituationen nur in begrenztem Ausmaß möglich.


möbelfertigung: Frustrieren Sie aktuell die vielen schwachen Märkte manchmal?
Michael Egger jun.:
Nein, denn schwierige Märkte begreifen wir als größte Motivation. So liegen in Herausforderungen auch große Chancen – insbesondere die Chance zu beweisen, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.


möbelfertigung: Was sind Eggers Hausaufgaben?
Michael Egger jun.:
Als Teil unserer Hausaufgaben sehen wir zum einen das Schaffen einer soliden Datenbasis. Denn um zu verstehen, wie Märkte funktionieren, wo Potenziale liegen und an welchen Stellschrauben wir ansetzen können, braucht es klare Fakten in Form von Forecasts, Analysen und regelmäßigen Abgleichen mit der aktuellen Situation.
So haben wir speziell in volatilen Zeiten einen Kompass an der Hand, mit dem wir navigieren. Zum anderen können wir uns auf unsere Produktionsvorteile und unsere modernen Werke am Stand der Technik verlassen. Schließlich haben wir in den letzten Jahren kräftig in unsere Werke investiert – besonders in die Veredelungs­kapazitäten. Damit folgen wir unserem Ansatz, unseren Kunden mit unserem vollständigen Dekor-, Struktur- und Materialverbund auf ihre Bedarfe zugeschnittene, hochwertige Lösungen zu bieten.


möbelfertigung: Reicht dies, um in diesen schwierigen Zeiten erfolgreich zu sein?
Michael Egger jun.:
Nein. Deshalb möchten wir, wenn Märkte sich herausfordernd gestalten, in Sachen Service und Qualität punkten. Unser zentrales Tool ist dabei unsere neue Egger Kollektion „Dekorativ 24+“.
Schon in der Kollektionsentwicklung haben wir uns intensiv damit auseinandergesetzt, wie sich die Kundenbedürfnisse in den letzten Jahren geändert haben und wir sie am besten unterstützen können. So brauchen unsere Kunden Flexibilität bei der Produktauswahl und die Planungssicherheit eines verlässlichen Partners, um die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebs sicherzustellen.
Daher präsentieren wir zum ersten Mal eine rollierende Kollektion.


möbelfertigung: Was verbirgt sich hinter dem Begriff?
Michael Egger jun.:
Das bedeutet, dass die Kollektion spätestens alle zwei Jahre aktualisiert, es aber keine komplette Neuauflage geben wird. Damit können wir schneller auf Trends, neue Einflüsse und Produktneuheiten reagieren, während alle Neuheiten mindestens vier Jahre im Sortiment bleiben und Kunden für ihre Projekte Gewissheit in der Planung haben.
Und da wir Trends immer schneller kommen und gehen sehen, haben wir ein „Capsule Konzept“ entwickelt, mit dem unsere Kunden konkrete Empfehlungen bekommen, um aus Neuheiten und bewährten Dekoren möglichst vielfältige Kombinationen für alle Wohn- und Lebensbereiche sowie für gewerbliche Objekte zu schaffen.


möbelfertigung: Welche Rolle haben Ihre Mitarbeiter in diesen Zeiten?
Michael Egger jun.:
Ganz sicher die wichtigste, denn zentral in all unseren Bemühungen ist und bleibt der Einsatz unserer mehr als 11.000 qualifizierten und motivierten Mit­arbeitenden, auf die wir uns stets verlassen können. Gemeinsam sind wir gut durch die letzten turbulenten Jahre gekommen und sind überzeugt, dass wir das auch jetzt wieder erfolgreich schaffen werden.


möbelfertigung: Im Rahmen einer Veranstaltung im Egger-Forum in St. Johann/Tirol fand ein Expertengespräch mit Ihnen und den Geschäftsführern von Blum und Häfele, Herrn Philipp Blum und Herrn Gregor Riekena statt. In Bezug auf die gerade angespannte konjunkturelle Lage sagten Sie, dass Familienunternehmen wie Egger – und natürlich Blum, Häfele und weitere – in diesen Zeiten „Leuchttürme“ sein können. Könnte Sie das erläutern?
Michael Egger jun.:
Familienunternehmen zeichnen sich durch langfristige Orientierung, ausgerichtet auf Generationen aus. Wir treffen unsere Entscheidungen mit Bedacht und haben dabei den Anspruch, dass sie für Jahrzehnte halten. Gleichzeitig streben wir nach stetiger Innovation und wollen für unsere Kunden neue und noch bessere Produkte entwickeln.
Dabei sind – wie schon erwähnt – unsere Mitarbeitenden der wichtigste Bestandteil unserer Unternehmensfamilie.
Sie tragen entscheidend zum Erfolg bei. So gibt es nichts Schöneres für einen Unternehmer, als wenn man Menschen trifft, die 40 Jahre im Unternehmen verbracht haben. Teilweise sind Mitarbeitende sogar in zweiter oder dritter Generation bei uns.
Egger möchten seinen Mitarbeitenden langfristige und stabile Arbeitsplätze bieten, dafür tragen wir Verantwortung und dieser möchten wir jetzt und in Zukunft gerecht werden.


möbelfertigung: Was zeichnet Familienunternehmen aus Ihrer Sicht noch aus?
Michael Egger jun.:
Eine Kultur, in der man sich gegenseitig Mut macht. Im Wissen, dass wir gemeinsam Großes schaffen können, kommen wir auch gut durch schwierigere Zeiten. Dieses Verständnis um den großen Wert der Partnerschaftlichkeit inkludiert auch unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Lieferanten weltweit, die wir als essenziellen Erfolgsfaktor sehen.


möbelfertigung: Also stehen gut geführte Familienunternehmen auch jetzt stabil da?
Michael Egger jun.:
Wenn ich für Egger spreche, ja. Dabei liegt ein weiterer großer Vorteil in unserer soliden finanziellen Basis. Wir verfolgen die Strategie des nachhaltigen Wachstums aus eigener Kraft. Diese sieht vor, dass wir das, was wir erwirtschaften, wieder ins Unternehmen investieren. Auf diese Weise konnten wir in den letzten Jahren sehr erfolgreich wachsen. Zum Beispiel haben wir im November 2023 unser 22. Werk in Markt Bibart (DE) übernommen. Und schon jetzt planen wir Investitionen in Höhe von 200 Mio. Euro in den nächsten drei Jahren am Standort. In mehreren aufeinanderfolgenden Investitionsschritten möchten wir künftig auch in Markt Bibart Recyclingholz einsetzen sowie Beschichtungskapazitäten aufbauen.
Für mich persönlich lautet der Anspruch, das Unternehmen erfolgreich basierend auf unseren seit jeher gelebten Werken weiterzuentwickeln. Wir müssen Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft finden und möchten zu einer lebenswerten Zukunft beitragen – das ist eine große Motivation für mich.

möbelfertigung: Was braucht es aus Ihrer Sicht, dass der Konjunktur-Motor wieder anspringt und wie wichtig ist dabei ein engeres Zusammenarbeiten mit anderen Unternehmen, zum Beispiel aus der Beschlägebranche?
Michael Egger jun.:
Die gesamtwirtschaftliche Lage konfrontiert uns als gesamte Branche mit neuen Fragestellungen. Daher empfinden wir die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, zum Beispiel mit Beschlägeherstellern, als äußerst attraktiv und inspirierend.
Zumal daraus innovative Perspektiven erwachsen. So möchten wir mit unseren Partnern neue Themen anpacken und unseren gemeinsamen Kunden Inspirationen für ihre eigenen Problemstellungen aufzeigen, zum Beispiel im Themenfeld „Wohnen von Morgen“. Micro Living und Circular Living sind zwei Begriffe, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Es wird stark auf die flexible und clevere Nutzung von begrenztem Raumangebot ankommen, auf multifunktionale Räume sowie auf den schlauen Einsatz von Beleuchtung, angepasst an die entsprechenden Wohnwelten.


möbelfertigung: Wie sehen Sie in dem Kontext den Faktor Licht, mit dem sich Häfele seit Jahren intensiv beschäftigt?
Michael Egger jun.:
Licht ist ein wichtiger Faktor für den Wohnkomfort, spielt aber genauso für die Wahrnehmung einer Oberfläche eine tragende Rolle. In diesen und vielen anderen Bereichen liegen Chancen für gemeinsame Innovationen.
So bleiben wir mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung zuversichtlich und sehen die große Möglichkeit, jetzt ein gutes Fundament zu schaffen, für die Phase, die auf die Eintrübung folgt. Wir haben den Blick nach vorne gerichtet und investieren weiter in die Zukunft – in unsere Werke, in Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz.


möbelfertigung: Das Thema Nachhaltigkeit steht bei Egger stark im Fokus. Welche Schritte geht Egger hier in den kommenden Jahren?
Michael Egger jun.:
Die Eindämmung des Klimawandels ist die größte gesellschaftspolitische Herausforderung unserer Zeit: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen gemeinsam handeln.
Wir als großes Industrieunternehmen tragen hier Verantwortung und können dank unseres Geschäftsmodells an einer starken Basis ansetzen. Dabei ist Holz der zentrale Rohstoff im aktiven Klimaschutz. Wälder sind die bedeutendsten Kohlenstoffsenken. Ein Baum nimmt während seines Wachstums CO2 auf. Der Kohlenstoff bleibt dabei über die gesamte Nutzungsdauer im Holz gebunden, so auch in unseren Holzwerkstoffen.
Mit jedem Span, der recycelt wird, können wir den Kohlenstoffspeichereffekt noch weiter verlängern. Wir möchten auch für künftige Generationen nachhaltiges Leben und Arbeiten mit unseren klimafreundlichen Holzwerkstoffen ermöglichen.
Daher bekennen wir uns klar dazu, unsere klima­wirksamen Treibhausgas-Emissionen im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen bis 2050 auf Net Zero zu reduzieren. Dieses Ziel ist richtungsweisend und wird massive Anstrengungen erfordern.


möbelfertigung: Wie soll der Weg zu Net Zero aussehen?
Michael Egger jun.:
Unser Weg zu Net Zero wird über weitreichende Investitionen führen. Durch seine stabile finanzielle Basis hat Egger die große Chance, voranzugehen, und die notwendigen Investitionen voranzutreiben.
Wie wir unsere ambitionierten Ziele erreichen können, haben wir eingehend analysiert. Wir folgen einem faktenbasierten Ansatz anhand wissenschaftlich fundierter Standards. So konnten wir in der Klimabilanzierung eine beachtliche Expertise aufbauen und haben unsere Corporate Carbon Footprint eingehend analysiert.
Das umfasst nicht nur jene Emissionen , die wir direkt in unseren Werken verursachen, sondern auch die, die wir indirekt verantworten durch unsere eingekaufte Energie und die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette.
Aus dieser gründlichen Bestandsaufnahme haben wir unsere Hebel abgeleitet, an denen wir ansetzen müssen, und Zwischenziele bis 2030 als Meilensteine definiert. Wir setzen klar auf Reduktion der Emissionen, nicht auf Kompensation außerhalb unserer Wertschöpfungskette.
Das Endziel und die Richtung für unseren Weg zu Net Zero sind damit klar, wenngleich noch nicht alle Details und Technologien bekannt sind, die es dazu brauchen wird.


möbelfertigung: Könnten Sie einige Investitionen benennen?
Michael Egger jun.:
Auf unserer Agenda stehen in jedem Fall umfassende Maßnahmen in zahlreichen Bereichen des Unternehmens. Beispielsweise sind zusätzliche Biomassekraftwerke und Photovoltaik-Anlagen in Planung, um weiterhin die Abkoppelung von fossilen Energieträgern voranzutreiben. Zudem werden wir den Einkauf von Strom aus erneuerbaren Quellen forcieren und eng mit unseren Geschäftspartnern an neuen technischen, technologischen und prozessualen Lösungen arbeiten, unter anderem in Hinblick auf die in der Herstellung der Produkte eingesetzten Chemie-Rohstoffe oder den Transport.


möbelfertigung: Wann startet Egger mit dem Realisieren der geplanten Investitionen?
Michael Egger jun.:
Wir verlieren auf dem Weg zu Net Zero keine Zeit und setzten bereits erste Maßnahmen erfolgreich um. In unserem Werk in Unterradlberg (AT) haben wir kürzlich einen neuen Wärmetauscher in Betrieb genommen und konnten so einen Produktionsschritt optimieren, der zuvor noch den Einsatz von Erdgas erforderte. Das Werk verzichtet damit beim Normalbetrieb seiner Plattenproduktionsanlagen zur Gänze auf den Einsatz von Erdgas.
Außerdem verwenden wir in der Spanplattenproduktion unserer Werke in der EU und in UK nun Bindemittel, die mit grünem Strom hergestellt wurden. Auch die Bindemittelbeschaffung unserer zuletzt übernommenen Werke ist bereits in Umstellung. In unserem Stammwerk in St. Johann in Tirol (AT) wird ein neues Kraftwerk entstehen, das aus biogenen Brennstoffen sowohl Wärme als auch Strom für die eigenen Produktionsprozesse liefern wird. So werden wir den Einsatz fossiler Brennstoffe am Standort gegen null senken und können außerdem die umliegenden Gemeinden mit noch mehr nachhaltiger Fernwärme versorgen.
Damit werden wir unser Ziel erreichen – Schritt für Schritt, Maßnahme für Maßnahme.

Das Interview finden Sie auch in der Ausgabe 3/24 der möbelfertigung.

möbelfertigung 3/24

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Top-Themen der Ausgabe: Wie die Branche sich nachhaltiger aufstellt, Dr. Daniel Schmitt, Vorstandsvorsitzender der Homag erklärt, warum das Unternehmen auf Sparkurs gehen muss, Michael Egger Jun. erklärt, wie sich Egger mit Kooperationen breiter aufstellt, eine Marktanalyse der USA, der Bericht über das Messedoppel Holz-Handwerk und Fensterbau Frontale, wie Findiq und Rotte gemeinsam das Wissensmanagement voranbringen, Berichte vom Rehau Kantensymposium, dem ersten KI-Summit und noch viel mehr.

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Koelnmesse

Geht Partnerschaft mit Einrichtungsmesse in Kolumbien ein

Im Rahmen ihrer Internationalisierungsstrategie ist die Koelnmesse eine strategische Partnerschaft mit La Feria De Diseño Medellín im kolumbianischen Medellín und damit der wichtigsten Veranstaltung für Design und Lifestyle in Lateinamerika und der Karibik eingegangen. Mit ihrer Erfahrung aus der Veranstaltung der Imm cologne und der weiteren Messen ihres Portfolios für Living, Contract and Public Spaces sowie ihrem globalen Netzwerk wird die Koelnmesse gezielt zur Profilierung der Veranstaltung beitragen und die Internationalität der Messe weiter steigern. Vom 19. bis 21. September 2024 wird die Messe in diesem Jahr erstmals als „La Feria De Diseño Medellín powered by Imm cologne“ stattfinden. Als zentrale Kommunikations- und Businessplattform in der Region legt die Veranstaltung 2024 einen besonderen Schwerpunkt auf den professionellen und inspirierenden Austausch zwischen aufstrebenden Innovatoren und etablierten Designgrößen.

Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse, erklärt: „Ich freue mich sehr darüber, unsere über Jahrzehnte hinweg gesammelte Erfahrung aus den Kölner Messen in den Bereichen Living, Contract und Public Spaces in eine bereits gut etablierte Veranstaltung in Kolumbien einbringen zu können. Mit der La Feria De Diseño Medellín erweitern wir unser Portfolio in diesem Bereich um eine starke Auslandsmesse.“ Mit der neuen Messe in Kolumbien umfasst das Portfolio der Koelnmesse im Bereich Living, Contract & Public Spaces nun insgesamt 11 Veranstaltungen, darunter die Orgatec Tokyo in Japan, die Interzum Guangzhou in China, die interzum bogota in Kolumbien und das interzum forum italy in Bergamo.

Jahrestagung von Meisterteam in Potsdam
Meisterteam

Blickt in Potsdam auf 40 Jahre zurück

Die Meisterteam-Verbundgruppe sieht sich anlässlich ihres 40jährigen Bestehens für künftige Herausforderungen gut aufgestellt. „Die überwiegende Zahl der Meisterteam-Betriebe hat sich auch im Jahr 2023 auf einer soliden Basis in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld behauptet,“ betonte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Burkhard Leffers, auf der Jahrestagung in Potsdam. Der durch den Rückgang der Baugenehmigungen drastische Einbruch im Neubausektor und Preisrückgänge im Materialbereich seien zwar ein deutlicher Grund dafür, dass der Umsatz in 2023 nur 28,1 Mio Euro erreicht habe (2022: 32,9 Mio. Euro). Viele Meisterteambetriebe sind aber durch ihre Angebote im Glas-, Fenster-, Metall-, Laden- und Möbelbau breit aufgestellt, so dass sie Marktschwankungen ausgleichen können.

Die Eigenkapitalquote ist weiter gestiegen, von 26,6 Prozent in 2022 auf 28,4 Prozent im vergangenen Jahr. Leffers wertete die Zahl aus Ausdruck der „komfortablen wirtschaftlichen Stabilität“ der Verbundgruppe, die damit für die Bewältigung ihrer Aufgaben und ihrer Ziele für 2024 gut gerüstet sei. Meisterteam-Geschäftsführer Thomas Schley nannte als Beispiele den weiteren Ausbau des Netzwerks „Mitglieder liefern an Mitglieder“, die Unterstützung der Unternehmensnachfolge und den Ausbau des ERFA- und Fachgruppen-Netzwerks. 2023 wurden 8 neue Partnerbetriebe und 15 neue Vertragslieferanten und Dienstleister aufgenommen. Aktuell bilden 270 Mitgliedsbetriebe aus den Bereichen Holz, Glas, Metall und Fensterbau das Meisterteam, 200 Betriebe aus der Industrie, dem Handel und dem Dienstleistungssektor sind Partner der Verbundgruppe.

Der 40. Geburtstag stand im Mittelpunkt der Veranstaltung in Potsdam. Die Gründungs-gesellschafter und der Aufsichtsrats-Vorsitzende erinnerten daran, dass es gelungen sei, eine Gesellschaft aufzubauen, in der Unternehmen über Zentralregulierung und gemeinsamen Einkauf hinaus Aktivitäten entwickelt hätten, die maßgeblich zur positiven Entwicklung beigetragen haben. Als besonderes Beispiel wurde der Erfahrungsaustausch in den ERFA-Gruppen erwähnt, die die Entwicklung der Betriebe fördern und die Zusammengehörigkeit stärken. Das Motto der 40. Jahrestagung „Intelligente Lösungen für innovative Handwerksbetriebe“ sei deshalb kein Schlagwort, sondern Anspruch, um künftige Herausforderungen erfüllen zu können.

So zeigten Lieferanten auf der Zukunftsmesse in Potsdam neue Lösungen, wie den Einsatz von Robotern zur Unterstützung der Produktion in Tischlerei- und Metallbaubetrieben. Der 3D-Druck bietet die Möglichkeit, Ersatzteile, Muster und andere Komponenten ohne großen Aufwand und ohne lange Transportwege in überschaubarer Arbeitszeit selbst herzustellen. Christoph Krause vom Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk gab in seinem Vortrag „Ein Blick in die Zukunft des digitalen Handwerks“, einen Überblick, welche digitalen Komponenten für Handwerksbetriebe in der Zukunft wichtig und richtig sind. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) werde dabei mit Sicherheit eine Rolle spielen.

TH Rosenheim
TH Rosenheim

Verabschiedet erste Absolventen des Studiengangs Ingenieurpädagogik

Premiere an der Fakultät für Holztechnik und Bau der Technischen Hochschule Rosenheim: Im Rahmen einer Abschlussfeier wurden die ersten Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiengangs Ingenieurpädagogik verabschiedet.  Sie können nun direkt an einer Universität ihren Master Berufliche Bildung machen und anschließend mit dem Referendariat ins berufliche Schulwesen starten. Alternativ ist eine Karriere in der Bauindustrie oder im Baugewerbe möglich.  

Für Bayern ist das Modell der Ingenieurpädagogik das erste Modell, bei dem sich eine Hochschule für Angewandter Wissenschaften aktiv in die Lehrkräfteausbildung einbringt. Zwar gibt es auch an anderen Hochschulen das Modell der Ingenieurpädagogik für verschiedene Fachrichtungen. Die TH Rosenheim mit ihrer besonderen Expertise im Bereich Holz und Bau fokussiert sich jedoch auf ihren Kernbereich Bautechnik und hebt sich damit von anderen Studienangeboten ab. Für seine Einzigartigkeit wurde das Studienmodell vom Stifterverband mit dem Preis „Hochschulperle“ ausgezeichnet. 

„Die TH Rosenheim ist bekannt für ihre herausragenden Labore und Werkstätten. Diese ermöglichen ein erfahrungs- und praxisorientiertes Lernen. Um auch die berufspädagogischen Module erlebbar zu machen, wurde eine spezielle Lerninfrastruktur eingerichtet, von der die Studierenden sehr profitieren“, erläutert Professorin Sandra Bley, die den Studiengang inzwischen leitet. Die Studentinnen und Studenten werden beispielsweise mit ihrer Lehrstunde auf Video aufgezeichnet, die Aufnahme erfolgt aus einem angrenzenden Regieraum aus mit verschiedenen Perspektiven. Anschließend setzen sich Studierende und Lehrende zusammen, um das Kommunikations- und das Kollaborationsverhalten zu analysieren und zu reflektieren.

Die Studiengangsleiterin verwies in ihrem Rückblick auch darauf, dass die Zahl der Studierenden jüngst deutlich gestiegen ist. „Wir hatten im letzten Wintersemester einen Zuwachs von 30 Prozent, das ist sehr erfreulich.“ An die Adresse der elf Absolventinnen und Absolventen sagte Bley: „Tragen Sie den Geist und die Innovationskraft, die Sie an der Hochschule gezeigt haben, in andere Institutionen und ganz besonders in unsere Schulen. Erzählen Sie dort von ihren Rosenheimer Erfahrungen und besuchen Sie uns immer wieder!“

Felix Schoeller

Emissionsfreier E-LKW spart 160.000 Kilogramm CO2 pro Jahr

In einem Pilotprojekt beliefet die NOSTA Group das Felix-Schoeller-Werk in Weißenborn ab sofort vollelektrisch. Mit drei Volvo FH electric pendelt der langjährige Full-Service-Logistikpartner im regionalen Shuttletransport zwischen dem Lager Siebenlehn und Felix Schoeller Weißenborn. Dadurch werden die Emissionen von knapp 3.000 Fahrten und damit bis zu 160.000 Kilogramm CO2 jährlich eingespart. Für die E-Lkw stehen insgesamt drei Ladepunkte am Werk und dem Zwischenlager zur Verfügung, um während des Verladens Strom zu tanken. Gewonnen wird dieser von Felix Schoeller selbst.

„Die Lkw pendeln jedes Jahr knapp 140.000 Kilometer zwischen unserem Werk in Weißenborn und dem Lager für Papierprodukte und bewegen dabei rund 55.000 Tonnen Material. Durch die Elektrifizierung der Transporte können wir bis zu 160.000 Kilogramm CO2-Emissionen einsparen, gleichzeitig die Lärmbelastung auf den Strecken signifikant senken und zeigen, dass unser Markenversprechen nicht einfach nur ein Lippenbekenntnis ist“, freut sich Alexander Remy, Process Manager Supply Chain and Logistics bei Felix Schoeller.

„Elektrischen Lkw gehört die Zukunft. Sie bieten die Chance – bei Verwendung von Ökostrom – komplett emissionsfrei zu fahren. Deshalb ist die Umstellung auf batteriebetriebene Fahrzeuge der größte Hebel, CO2 -neutral zu werden“, sagt Jörg Prochaska, Niederlassungsleiter der NOSTA Group in Siebenlehn. Ein integraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes sind dabei die neu installierten Ladestationen direkt an den Laderampen, eine am Zwischenlager und zwei im Werk. Die Stationen versorgen die Lkw parallel zum Ladevorgang mit Strom. Christian Hammacher, COO Road der NOSTA Group, sieht den praktischen Nutzen dieser Lösung: „Die Be- und Entladezeit der Fahrzeuge reicht aus, um die Batterie für die nächste Tour aufzufüllen, sodass Ladezeiten reduziert werden und der operative Prozess nicht angepasst werden muss.“ Genau deshalb eignen sich die Transporte zwischen dem Werk in Weißenborn und dem Zwischenlager in Siebenlehn operativ als auch wirtschaftlich besonders für eine Elektrifizierung. Das ging aus einer vorab durchgeführten internen Analyse hervor.

Mit Felix Schoeller und NOSTA haben sich zwei Partner gefunden, die das gleiche Ziel verfolgen: klimaneutral werden. Das Projekt in Weißenborn soll dabei den Weg weisen für die Validierung nachhaltiger Prozesse und Produkte. Hier wird Nachhaltigkeit direkt sicht- und greifbar.

VDMA

Erste Anzeichen einer Entspannung trotz hohem Monatsminus

Der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau ist im März nochmals deutlich unter seinem Vorjahreswert geblieben. Hinter diesem Minus werden jedoch Anzeichen einer Entspannung sichtbar. Denn der Rückgang der Bestellungen im Berichtsmonat um real 17 Prozent zum Vorjahr ist auch das Ergebnis eines statistischen Basiseffekts: „Im März 2023 wurde das mit Abstand höchste Ordervolumen des gesamten vergangenen Jahres verbucht“, erläutert VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. „Deshalb kommt es auch nicht überraschend, dass der Bestellrückgang in diesem Monat stärker ausfiel als in den ersten beiden Monaten dieses Jahres.“

Hinzu kommt: Hinter dem vermeintlich starken Rückgang der Auslandsbestellungen im März von real 15 Prozent (Euro-Länder: minus 17 Prozent / Nicht-Euro-Länder: minus 14 Prozent) verbirgt sich bei genauer Analyse der Zahlen eine weitere Entwicklung. „Schaut man auf die Monatswerte im Kurvenverlauf, bestätigt sich unsere Einschätzung, dass die Auslandsbestellungen ihre Talsohle erreicht haben“, erläutert Wortmann. Und auch hinter dem März-Minus der Inlandsbestellungen von 23 Prozent steckt eine vorsichtig positive Aussicht, ergänzt er: „Hier deutet sich ebenfalls eine Seitwärtsbewegung auf dem aktuellen niedrigen Niveau an.“

Für ein Aufatmen ist es nach Ansicht der VDMA-Volkswirte allerdings noch zu früh. „Zwar hat sich die Stimmung vieler Industriekunden gerade außerhalb Europas verbessert. Doch bis sich das für den Maschinen- und Anlagenbau in nachhaltig steigenden Aufträgen und in Produktion und Umsatz widerspiegelt, wird noch einige Zeit vergehen. Zumal globale Konflikt und Protektionismus immer noch zu sehr auf der Weltwirtschaft lasten und eine echte Trendwende bei den Investitionsplänen verhindern“, resümiert Wortmann.

Im ersten Quartal 2024 (Januar bis einschließlich März) verbuchten die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus ein Minus im Auftragseingang von real 13 Prozent zum Vorjahr. Das Inlandsgeschäft (minus 16 Prozent) verzeichnete dabei höhere Rückgänge als die Auslandsorders (minus 12 Prozent). Die Euro-Länder bestellten in diesem Zeitraum 18 Prozent weniger Maschinen und Anlagen, die Nicht-Euro-Länder verringerten ihre Bestellungen um 10 Prozent.

Ter Hüne

Verabschiedet Ludwig Grütering in den Ruhestand

Ludwig Grütering, Mitglied der ter Hürne Geschäftsleitung und mit über 30 Jahren Unternehmenszugehörigkeit verantwortlich für die Bereiche Produktion und Beschaffung beim Südlohner Bodenhersteller, schied Ende April 2024 aus dem Unternehmen ter Hürne aus.

„Mit Ludwig Grütering verlieren wir eine technologische Spitzenkraft, mit der sich in unserer Branche nur wenige vergleichen können. Uns verbindet ein über 30-jähriger gemeinsamer Weg und wir sind stolz auf die gemeinsam geschlagenen Schlachten und die gemeinsam gefeierten Siege. Ludwig Grütering ist nicht nur ein begnadeter Ingenieur, sondern auch ein toller Mensch, der in unserer Unternehmenskultur ein wichtiger Faktor war. Umso mehr freut es uns, dass auch über den Ruhestand hinaus eine enge menschliche Verbindung zwischen Herrn Grütering und den im Unternehmen ter Hürne handelnden Personen bestehen bleibt. Wir wünschen ihm für seinen wohlverdienten (Un)Ruhestand nur das Beste und bedanken uns für seine unternehmerische Leistung für ter Hürne. Und besonders auch für die kollegiale und beispielhafte Stabübergabe an Hendrik Voß und das gesamte technische ter Hürne Team, so dass auch unsere zukünftige technologische Leistungsfähigkeit gesichert bleibt“ so Bernhard ter Hürne als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens.

Schattdecor

Umsatz 2023 leicht unter dem des Vorjahres

Im Geschäftsjahr 2023 erwirtschaftete die Schattdecor-Gruppe einen vorläufigen Gesamtumsatz von über 900 Millionen Euro. Damit liegt der Dekor- und Oberflächenspezialist leicht unter seinem Vorjahresumsatz. In der Ausbringung bleibt die Gruppe mit rund 1,4 Milliarden Quadratmetern im Druck und 725 Millionen Quadratmetern in den veredelten Oberflächen auf Vorjahresniveau.

Noch immer befinde sich die Branche in einer Phase der Unsicherheit, so Vorstandsvorsitzender Roland Auer: „Das Jahr 2023 war von deutlichen Kontrasten geprägt, ein Jahr in einem ständigen Auf und Ab.“ Eine zügige und nachhaltige Erholung der Situation sei aktuell noch immer nicht absehbar. „Umso mehr müssen wir jetzt voller Energie und Leidenschaft weitermachen“, so Auer. „Mit zeitgemäßen neuen Produkten, Partnerschaften und einem weltweiten Netzwerk bahnen wir uns weiter den Weg durch diese schwierigen Zeiten.“

Für das laufende Geschäftsjahr investiere man 40 Millionen Euro in die Erweiterung von Produktionskapazitäten und Technologien sowie den Erhalt und Ausbau der internationalen Infrastruktur. Mit den Vorhaben reagiere man auf die Anforderungen von Märkten und Kunden. „Es bleibt das Gebot der Stunde, unablässig unsere besten Kräfte auf effiziente, innovative Technologien und Prozesse sowie ein modernes, zeitgemäßes Produktspektrum zu setzen“, so Auer.