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Roland Heeger und Claus Neuffer
Schattdecor
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„Wir haben uns als Unternehmen in der Welt multipliziert“

„Als ich anfing, waren wir eine sehr gute Druckerei mit Anfängen im Imprägnieren und Lackieren, heute sind wir Oberflächenspezialist.“ 18 Jahre war Roland Heeger als Vorstandsmitglied von Schattdecor für die Ressorts Technik, Forschung und Entwicklung, Innovations- und Prozessmanagement, Informationstechnologie und Digitalisierung verantwortlich. Zum Jahreswechsel erfolgte die Übergabe der Position an Claus Neuffer, der bereits seit 2000 beim Weltmarktführer beschäftigt ist. Die möbelfertigung sprach Ende Dezember mit beiden.

Roland Heeger (links) übergab seinen Vorstandsposten zum Jahreswechsel an Claus Neuffer.

möbelfertigung: Herr Heeger, nach 18 Jahren als Vorstand Technik bei Schattdecor geben Sie Ihren Posten an Claus Neuffer ab. Wie fühlt es sich an, nach fast zwei Jahrzehnten von Bord zu gehen?
Roland Heeger:
Im Moment so, als würde ich im Januar wieder kommen. Claus Neuffer und ich arbeiten natürlich eng zusammen, um viele Themen Stück für Stück zu übergeben. Wahrscheinlich werde ich erst im Januar richtig realisieren, dass bei mir nun ein großes Stück Freiheit entsteht, um etwas anderes zu tun.

möbelfertigung: Werden Sie Schattdecor weiterhin beratend zur Seite stehen oder haben Sie andere Pläne?
Roland Heeger:
Erst einmal will ich die Zeit genießen. Und dann später in Ruhe schauen, was ich wo eventuell noch tun kann. Ich habe keinen Beratervertrag oder ähnliches bei Schattdecor unterschrieben. Natürlich bleibe ich dem Unternehmen, schon allein durch die regionale Nähe, verbunden. Emotional sowieso. Nach so vielen Jahren möchte ich, dass es hier positiv und erfolgreich weiter geht. Zudem fühle ich mich auch den Menschen bei Schattdecor sehr verbunden und möchte auch für sie nur das Beste.
Aber es gibt jetzt keinen konkreten Plan, was als Nächstes kommt. Nach 18 Jahren Sprint möchte ich nun erst einmal etwas Freizeit genießen und habe einige Pläne mit meiner Frau gemacht. Danach schauen wir mal.

möbelfertigung: Sie sind erst 61 Jahre. Bei Schattdecor gibt es die Leitlinie, ab 60 eine Nachfolgeregelung in die Wege zu leiten, ist das so richtig?
Roland Heeger:
60 ist dabei keine starre Grenze. Wie Sie sehen, bin ich 61 und noch da. Es gibt die Regelung, dass man sich ab 60 einmal tief in die Augen schaut und überlegt, wie man die Nachfolge regeln kann. Nun sind wir bei Schattdecor in der glücklichen Lage, dass Herr Neuffer schon lange im Unternehmen ist und in der Vergangenheit bewiesen hat, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.
Wir sind kein Unternehmen, in dem der Nachfolger den Vorgänger nicht mehr kennen lernt. Von daher ist dieser Übergang bereits von langer Hand geplant. Es ist wichtig, dass auch mal neue Gedanken ins Unternehmen kommen.

möbelfertigung: In 18 Jahren ist viel passiert. Gibt es Punkte, von denen Sie sagen: „Das waren die größten Herausforderungen“?
Roland Heeger:
Für mich persönlich war die größte Herausforderung, dass ich damals vor 18 Jahren von außen in diese Branche kam. Das heißt die Holzwerkstoffindustrie, Drucken und die Prozesse waren für mich erst einmal neu. Aber auch eine schöne Herausforderung.
Was ich herausheben kann, ist unser Einstieg in die ESH-Technologie. Das war ein sehr wichtiger Schritt für uns. Und wenn man heute zurückblickt, haben wir uns in diesem Segment sehr umfassende Kompetenzen erarbeitet, die uns im Folienbereich weit nach vorne gebracht haben.
Das zweite ist der Einstieg in den Digitaldruck. Als wir angefangen haben, war das Thema sehr stark in der Diskussion und auch etwas gehypt. Da hieß es an manchen Stellen, dass der Digitaldruck schon bald den konventionellen Tiefdruck ablösen wird. Da hat auch etwas Gelassenheit geholfen. Heute wissen wir, wo welche Technologie ihre jeweiligen Stärken hat.
Zum dritten die Entwicklung eines Kopierschutzes für Dekore. Mit der Einführung einer besonderen Wasserzeichen-Technologie im Jahr 2016 ist es uns gelungen, ein klares Zeichen gegen Dekor-Piraterie zu setzen. Dieser Dekorschutz ist fest mit dem Dekor verknüpft und kann mit der frei zugänglichen „GoDecor“ App ausgelesen und als „Made by Schattdecor“ ausgewiesen werden. Das Thema ist aktueller den je, weshalb wir 2024 mit der Kampagne „Be Original – buy Original“ wieder auf die Thematik aufmerksam machen.
Bei allem, was wir in den Jahren gemacht haben, mussten wir natürlich immer schauen, dass die Dinge marktfähig sind und das war dann durchaus herausfordernd.

möbelfertigung: Schattdecor ist in den letzten 18 Jahren stark gewachsen. Es wurden neue Standorte und viele neue Kapazitäten aufgebaut.
Roland Heeger:
Ja, wir haben uns als Unternehmen in der Welt multipliziert. Zum einen als Drucker, aber wir sind auch verstärkt in die Breite gegangen. Als ich anfing, waren wir eine sehr gute Druckerei mit Anfängen im Imprägnieren und Lackieren, heute sind wir Oberflächenspezialist. Und in allen Märkten weltweit vertreten. Da hat sich extrem viel getan. Für jemanden, der im Technikbereich unterwegs ist, gibt es kaum eine spannendere Aufgabe. Wenn ich heute sehe, was sich an den verschiedenen Standorten entwickelt hat, stellt sich bei mir schon eine gewisse Zufriedenheit ein.

möbelfertigung: Der Markt hat sich in den letzten 20 Jahren massiv verändert. Wir haben Krisen und weltpolitische Veränderungen erlebt und erleben sie immer noch. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?
Roland Heeger:
Wir hatten als Unternehmen einige Herausforderungen zu stemmen. Glücklicherweise mussten wir aber auch in Krisenzeiten nie große Entlassungsrunden fahren. Wir hatten bei allen Herausforderungen immer den Glauben daran, dass es auch wieder weiter geht. Diese Einstellung ist bei Schattdecor stark verankert. Das liegt unter anderem an unserer Gesellschafterstruktur.
Wo andere Unternehmen Zwängen unterliegen, konnten wir uns immer auf das Vertrauen und den Glauben an das Unternehmen durch die Familie verlassen. Das habe ich immer sehr genossen.

möbelfertigung: Welche Veränderungen haben Sie in der Holzwerkstoff- und Möbelindustrie beobachten?
Roland Heeger:
Wir hatten in der Branche immer einen gesunden Wettbewerb. Die deutsche Möbelindustrie agiert historisch gesehen vielleicht etwas konservativer als die Möbler in anderen Märkten. Manchmal hätte ich mir mehr Flexibilität und Offenheit gewünscht, beispielsweise beim Digitaldruck. Der deutsche Markt war immer sehr preisgetrieben und wir mussten Cent-Diskussionen führen. Ich finde es schade, dass, meiner Meinung nach, dadurch auch Chancen ungenutzt liegen gelassen wurden.
Wir haben glücklicherweise gesehen, dass das weltweit nicht überall so ist. In anderen Märkten ist die Offenheit für neue Themen größer. Beispielsweise ist man in Südamerika viel eher bereit etwas auszuprobieren und im Markt zu testen. Etwas mehr Mut in Mitteleuropa, in der gesamten Kette, würde der Industrie gut zu Gesicht stehen.

möbelfertigung: Herr Neuffer, Sie sind lange dabei. Nun sind Sie bald komplett in der Verantwortung und rücken in den Vorstand nach. Was bedeutet das für Sie persönlich?
Claus Neuffer:
Das kommt ja für mich nicht plötzlich, der Prozess war vorbereitet und geplant. Wir arbeiten schon sehr viele Jahre eng im Team zusammen. Dass, was hier in den vergangenen Jahren gestemmt wurde, war nie eine One-Man-Show sondern immer das Ergebnis von Teamarbeit. Für mich ist die neue Position eine schöne Herausforderung und ich freue mich darauf, mich den kommenden Aufgaben zu stellen.

möbelfertigung: Gibt es Aufgaben, auf denen ein sehr großer Fokus liegt oder haben Sie Ziele, die Sie am dringlichsten mittelfristig erreichen wollen?
Claus Neuffer:
Das Thema Nachhaltigkeit wird künftig noch einmal einen größeren Stellenwert einnehmen. Durch Umweltthemen wird sich in Zukunft viel verändern. In anderen Branchen ist das bereits heute noch sichtbarer.
Momentan sind wir dabei, eine entsprechende Organisationsstruktur aufzubauen und bearbeiten das Thema sehr systematisch. Schon in der Vergangenheit haben wir dabei sehr viel bewegt, zum Beispiel im Bereich Energiereduzierung und in der Erzeugung von regenerativer Energie. Der nächste Schritt wird sein, unsere Prozesse zu dekarbonisieren. Das ist eine große Herausforderung. Dazu kommen einige geopolitische Veränderungen, gerade in den letzten Jahren, die immer wieder noch nicht absehbare Unwägbarkeiten mit sich bringen.

möbelfertigung: Welche konkreten Projekte haben Sie für die Energiereduzierung und den Aufbau regenerativer Energie umgesetzt?
Claus Neuffer:
Vieles, unter anderem wurde in diesem Jahr in Thansau eine Kältezentrale gebaut. Die vielen Kälteaggregate, die bei uns durch das Wachstum entstanden sind, haben wir in einer Anlage zusammengefasst. Dadurch konnten wir in dem Bereich fast 65 Prozent Energie einsparen.
Zudem haben wir im Zentrum von Thansau eine Öko-Heizzentrale gebaut, über die wir den ganzen Standort mit CO2-neutraler Wärme versorgen können. Parallel sind wir gerade dabei einen Solarpark in Thansau zu bauen. Dafür haben wir ein Grundstück gepachtet, das wir in Kürze auch erwerben können. Hier können wir auf 30.000 Quadratmetern einen Solarpark direkt am Firmengrundstück errichten. Mit dem, was wir heute bereits auf dem Dach haben, können wir dann drei MWp Strom erzeugen.

möbelfertigung: Sie sind weltweit tätig und Nachhaltigkeit ist eines der Überthemen dieser Zeit. Wie beurteilen Sie die Durchdringung dieses Themas an Ihren anderen Standorten? Beziehungsweise wird das Thema mit derselben Ernsthaftigkeit wie in Deutschland vorangetrieben?
Claus Neuffer:
Manchmal ist man überrascht, welche Geschwindigkeit das Thema zum Beispiel in China aufnimmt. Hier wurde allein im letzten Jahr eine Solarfläche realisiert, die der installierten Photovoltaik-Gesamtfläche von Deutschland entspricht. Das heißt, in China sind die Ziele vielleicht etwas nach hinten verlagert, dort will man erst 2060 klimaneutral sein, aber wenn man sich dort entscheidet etwas zu tun, dann ist man in der Regel relativ schnell. Ich denke auch dort ist zwischenzeitlich ein sehr starkes Umweltbewusstsein vorhanden. Als wir vor vier Jahren unser letztes Werk in China gebaut haben, waren wir bereits mit strengen Umweltvorschriften konfrontiert.
Sicherlich wird das Thema Nachhaltigkeit in verschiedenen Ländern unterschiedlich beurteilt. Aber nirgends wird das Thema unter den Teppich gekehrt. Man muss in verschiedenen Regionen individuell und unterschiedlich schnell agieren beziehungsweise reagieren.

möbelfertigung: Wie muss sich ein Dekordrucker unabhängig vom Thema Nachhaltigkeit für die Zukunft aufstellen?
Claus Neuffer:
Ich denke, dass wir heute sehr breit aufgestellt sind. Noch wichtiger wird es in Zukunft sein, noch näher beziehungsweise weiter sehr nah am Kunden zu agieren. Schnelligkeit und Flexibilität werden wichtige Erfolgsfaktoren sein. Ganz oben stehen immer Kostenbewusstsein und Wirtschaftlichkeit. Das ist zwingende Notwendigkeit, um im Markt bestehen zu können. Dies gelingt uns durch die hohe Effizienz, die wir mit unseren Anlagen und Prozessen erreichen. Ich denke, dass wir hier auch in Zukunft noch weiteres Potenzial haben.

möbelfertigung: Gibt es etwas, das Sie anders machen werden als Ihr Vorgänger?
Claus Neuffer:
Es gibt keinen Grund, die Dinge grundsätzlich anders zu machen. Schauen Sie sich nur an, wie erfolgreich wir in den vergangenen 18 Jahren agiert haben. Nichtsdestotrotz geht die Entwicklung weiter. Das, was in der Vergangenheit war, kann man nicht 1:1 in der Zukunft fortführen. Dafür ist die Zeit viel zu schnelllebig. Und natürlich habe ich auch ein paar eigene Ideen.
Roland Heeger: Es ist ja auch immer ein Teil Reagieren dabei. Das eine sind Pläne und langfristige Strategien. Das andere sind zum Beispiel Krisen oder Marktdynamiken, die man nicht vorhersehen kann. Es ist ein wichtiger Teil der Aufgabe, auf kurzfristige Veränderungen adäquat zu reagieren.

möbelfertigung: Was erwarten Sie von 2024? Geht es für die Branche aufwärts?
Claus Neuffer:
Wir spüren bereits in den letzten Monaten, dass es wieder aufwärts geht. Das gibt uns Hoffnung für 2024. Trotzdem haben wir unsere Planungen für das kommende Jahr verhalten angesetzt. Aber die Signale sind positiv und natürlich hoffen wir, dass sich das so fortsetzt.

möbelfertigung: Herr Heeger, Ihnen alles Gute für die Zukunft. Herr Neuffer Ihnen natürlich auch und viel Erfolg bei der neuen Aufgabe. Vielen Dank für das Gespräch.
Tino Eggert und Tobias Lorenz

Claus Neuffer, Roland Heeger, Schattdecor