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Möbelfertigung-Chefredakteur Tino Eggert
Möbelfertigung-Chefredakteur Tino Eggert  | 

Der Wandel als neues Normal eröffnet auch Chancen

Das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Mit diesen drastischen Worten fasste der Militär-Historiker Prof. Dr. Sönke Neitzel auf dem Kongress „Effiziente Möbelfertigung in der Praxis“ die aktuelle geopolitische Lage zusammen. Und auch Maximilian Lehner, CEO der IMA Schelling Group, findet in seinem Gastbeitrag klare Worte: „Something is broken.“ Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, bewährte Instrumente greifen zu kurz und vertraute Strukturen sind labil geworden.

Es sind herausfordernde Zeiten für die Möbel- und die Zulieferindustrie. Die wirtschaftliche Unsicherheit und die schwächelnde Baukonjunktur dämpfen die Nachfrage. Gleichzeitig verändern sich die globalen Machtverhältnisse, was zu neuen Handelsbarrieren und einem wachsenden Druck aus Asien führt. Diese Entwicklungen, so der Tenor, werden sich nicht mehr zurückdrehen lassen. Der Wandel ist das neue Normal.

Doch wer genau hinschaut, erkennt: Resignation ist fehl am Platz. Denn es gibt sie nach wie vor, die Positivbeispiele. Unternehmen, die beweisen, dass man auch in unbekanntem Fahrwasser erfolgreich navigieren kann – wenn man bereit ist, Prozesse neu zu denken und auf die eigenen Stärken zu setzen. Ein paar Beispiele aus dieser Ausgabe: Hesse Lignal etwa begegnet den Unwägbarkeiten globaler Lieferketten mit lokalen Fertigungen in den Zielmärkten und erschließt über Innovationen neue Geschäftsfelder. Egger hat sich in mehreren Jahrzehnten vom „Lohnverpresser“ zum globalen Trendsetter entwickelt, weil das Unternehmen den Mut hatte, mit einem eigenen Designmanagement eine ­unverwechselbare DNA zu schaffen, die weltweit funktioniert. Bene zeigt mit dem Gewinn des größten Rahmenvertrags der Unternehmensgeschichte zur Ausstattung der Deutschen Bahn, dass sich hohe Qualität, Designanspruch und gelebte Nachhaltigkeit am Ende durchsetzen. Schweikart hightech Holzteile entzieht sich dem Preisdruck, indem es sich als Engineering-­Partner für hochkomplexe Projekte wie die neue Seebrücke in Timmendorfer Strand positioniert und beweist, dass in der Nische enorme Wertschöpfung liegt. Und Moldtech schließt durch die strategische Partnerschaft mit Ardis die Lücke zwischen Kon­struk­tion und Produktion und schafft so die durchgängige Vernetzung, die der Markt heute fordert.

Was all diese Erfolgsgeschichten eint, ist der Mut zur Veränderung und der Fokus auf die eigenen Stärken. Doch ein weiterer Faktor wird für den künftigen Erfolg immer entscheidender: Networking, starke Partnerschaften und Sichtbarkeit. Maximilian Lehner spricht es deutlich an: Marketingmaßnahmen wie klassische Messen führen seltener zu Aufträgen. Es braucht neue, effiziente Wege, um Zielkunden zu erreichen – und das zu vertretbaren Kosten. Denn wie sagt Jan Oliver Brockmann von Moldtech treffend: „Menschen kaufen von Menschen.“

Genau hier setzen wir als möbelfertigung an. Wir wollen der Branche nicht nur über die Herausforderungen berichten, sondern aktiv Lösungen anbieten. Deshalb haben wir mit der MIKO Connect ein völlig neues Networking-Event mit Boutique-Messe ins Leben gerufen, das am 11. und 12. März 2026 in der Stadthalle Bielefeld seine Premiere feiert. Unser Ziel: ein Gegen­modell zum klassischen Messe-Marathon. Kompakt, ­fokussiert und inspirierend bringen wir ­Hersteller, Zulieferer, Entwickler und Entscheider im Herzen der deutschen Möbelindustrie zusammen. Mit einem dichten Programm aus Vorträgen, Workshops und reichlich Gelegenheiten zum persönlichen Austausch schaffen wir eine Plattform für echte Dialoge und neue Kooperationen.

Wir freuen uns, Sie in Bielefeld, Nürnberg oder wo auch immer zu treffen. Bleiben Sie positiv.

Tino Eggert

Editorial Möbelfertigung