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Interlübke
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Traditionsreiche Möbelmanufaktur stellt Antrag auf Insolvenz

Große Investitionen, verbesserte Bilanzen, optimistische Aussagen: In den zurückliegenden Jahren gab es bei Interlübke vermehrt positive Anzeichen, sich in einem schwierigen Marktumfeld nahhaltig behaupten zu können. Doch nun der Schock: Die traditionsreiche Möbelmanufaktur aus Rheda-Wiedenbrück hat einen Insolvenzantrag gestellt – zum zweiten Mal nach 2012.

Interlübke hat beim zuständigen Amtsgericht in Bielefeld einen Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Grund für diesen Schritt sei in erster Linie die finanzielle Schieflage infolge des andauernden Iran-Kriegs und seine weitreichenden Auswirkungen, berichtet die Wirtschaftswoche. Angaben von Mitgesellschafter Ralf Oehmke zufolge seien die „Kostenexplosionen in den letzten Wochen“ dafür verantwortlich, schließlich heize man im Werk in Rheda-Wiedenbrück noch mit Öl. Aber auch Spediteure sowie Lieferanten von Holz und Lacken hätten ihre Preise in den zurückliegenden Wochen immer wieder angehoben und für Kosten gesorgt, die Interlübke nicht mehr tragen könne. Erschwerend komme auch die anhaltende Konsumzurückhaltung in der Bevölkerung dazu. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde ein Jurist der Kanzlei Streitbörger bestellt.

Wie es mit dem Traditionsunternehmen – und für die mehr als 100 Beschäftigten am Fertigungsstandort in Rheda-Wiedenbrück – längerfristig weitergeht ist offen. Vorerst solle das Geschäft normal weiterlaufen, den Mitarbeitenden in den nächsten Monaten Insolvenzgeld ausbezahlt werden. Für konkrete Aussagen hinsichtlich der Zukunft war die Firmenleitung bislang nicht erreichbar. Ein neuer Investor könnte jedoch helfen, das traditionsreiche Unternehmen am Leben zu halten.

In den zurückliegenden Jahren investierte Interlübke in die Fertigung – unter anderem in eine computergesteuerte 5-Achs-CNC-Anlage von Homag.

Rückblick auf bewegte Jahre

Die Firma Interlübke wurde 1930 von den Gebrüdern Lübke gegründet. Sie konzentrierten sich damals darauf, hochpolierte Möbel für Schlafzimmer zu fertigen. Einen Meilenstein der Firmengeschichte markierte die Erfindung der Schrankwand, damals „Endlosschrank“ genannt. Diese Schränke gehören auch heute noch zum Produktprogramm von Interlübke. Hinzu kommen Sideboards, Regalsysteme, Betten und kleinere Möbel.

Im Laufe der Jahre verlor das Unternehmen an Profitabilität, viele Dinge waren „over-engineered“, die Möbel entsprechend teuer. Die Firma geriet finanziell ins Straucheln. 2012 kam es zur ersten Insolvenz, 2014 stand Interlübke zum Verkauf. Nach der Übernahme durch eine Investorengruppe, die sich aber nach kurzer Zeit wieder zurückzog, ging das Unternehmen 2017 in den Besitz der Familie Schramm, die Interlübke aber 2022 wieder zum Verkauf anbot. Domovari – Hersteller von Badewannen, Duschwannen und Badmöbeln auf Maß – übernahm.

Geschäftsführer des Unternehmens aus Krefeld ist Dr. Frank Oehmke. Bei Interlübke nahm er Marktanpassungen vor – transformierte die veraltete Produktion, reduzierte die übermäßige Lagerkapazität, optimierte Abläufe und investierte in neue Maschinen sowie EDV und Marketing. Die Produktvielfalt nahm zu, das anfänglich hohe jährliche Geschäftsminus schwand langsam. Interlübke baute sich ein zweites Standbein auf. Das Unternehmen erwarb eine Lizenz der insolventen Marke „Hülsta“ und stellt unter gleichem Namen Schränke für eine andere Kundengruppe bei größeren Einrichtungshäusern wie Porta oder XXXLutz her.

Erst kürzlich sprach Dr. Frank Oehmke leicht optimistisch von der „schwarzen Null“, der sich Interlübke annähere. Mit der drohenden Insolvenz steht das Unternehmen aber nun vor der nächsten großen Herausforderung in seiner langen Geschichte – und ein weiteres mittelständisches Unternehmen vor dem Aus.

Insolvenz, Interlübke, Möbelproduktion