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Mann im Büro, Pflanze im Hintergrund
Homag Group – Dr. Daniel Schmitt
Homag Group – Dr. Daniel Schmitt  | 

Die Messestrategie des Branchenprimus

möbelfertigung: Herr Dr. Schmitt, wir haben vor ungefähr einem Jahr das letzte Mal ein Interview geführt. Seitdem hat sich die Marktsituation extrem verändert. Sie mussten den Abbau von 600 Stellen – 350 davon in Deutschland – verkünden. Haben Sie das in der Intensität schon einmal erlebt?

Dr. Daniel Schmitt: Nein, so habe ich das tatsächlich noch nie erlebt. 2021 und 2022 hatten wir Rekordwerte beim Auftragseingang. 2023 hatten wir zwar einen Rekord im Umsatz und Ergebnis, aber eben auch diesen starken Rückgang bei den Auftragseingängen.
Wir hatten letztes Jahr die Situation, dass wir bei Kunden, die schon in der Kurzarbeit waren, weiter Kapazität installiert haben, denn die Aufträge stammten noch aus den Jahren davor. Das stimmt mich natürlich ein bisschen kritisch, was jetzt die Zukunft anbelangt. Insgesamt sind zuletzt Kapazitäten massiv ausgebaut worden, während die Nachfrage von Endkunden abnimmt. Dementsprechend sind unsere Kunden aktuell bei Investitionen zurückhaltend.

möbelfertigung: Also haben viele Ihrer Kunden jetzt eher Überkapazitäten?

Dr. Daniel Schmitt: Es kommt darauf an, welchen Markt sie betrachten. Aber ja, hier in Deutschland und auch in ganz Europa gibt es Überkapazitäten. In China ebenso. Nicht nur getrieben durch starke Investitionen in der Vergangenheit, sondern auch wegen der Immobilienkrise, die in China vorherrscht.

möbelfertigung: Von einer Immobilienkrise können wir in Deutschland ja auch schon fast sprechen…

Dr. Daniel Schmitt: Die Situation ist aber anders. In Deutschland wäre der Bedarf eigentlich da, aber aufgrund der hohen Zinsen und der Inflation lässt sich kaum wirtschaftlich bauen. In China gibt es so viel Leerstand, dass es keinen Bedarf gibt, neu zu bauen. Das Resultat ist erstmal in beiden Ländern das gleiche – aber in Deutschland oder auch den USA ist davon auszugehen, dass die Bauwirtschaft irgendwann wieder Fahrt aufnimmt. Davon profitieren wir dann in doppelter Hinsicht: im Holzhausbau und im Möbelbau.

möbelfertigung: Erste Prognosen besagen, dass in Deutschland der Hausbau bis 2026 erstmal weiter abnimmt. Macht Ihnen das Sorgen?

Dr. Daniel Schmitt: Natürlich macht mir das Sorgen. Wir haben viele Bestandskunden in Deutschland und das ist selbstverständlich schlimm, wenn es denen nicht gut geht.
Als Homag sind wir aber regional diversifiziert und es gibt durchaus Gegenden, in denen der serielle Hausbau auch weiterhin stark nachgefragt ist.
Momentan sind viele Entscheider und Unternehmen vorsichtig, weil sie nicht wissen, wie es in ihrer Region weitergeht. Aber insgesamt bin ich zuversichtlich, dass sich der Markt erholt.

möbelfertigung: Homag war sowohl bei der Holz-Handwerk, als auch im Februar bei der IndiaWood nicht dabei. Gerade Indien ist ein Wachstumsmarkt. Was führte zu der Entscheidung, dort nicht auszustellen?

Dr. Daniel Schmitt: Wir schauen uns Messen und den richtigen Marketingmix für Regionen sehr genau an. Indien ist für uns ein sehr wichtiger Wachstumsmarkt, deshalb haben wir dort jetzt auch einen eigenen Showroom. Der wurde auch parallel zur IndiaWood für Präsentationen genutzt und hat viele Besucher gesehen. Wir haben die Gerüchte gehört, Homag würde in Indien seine Aktivitäten bremsen – aber das trifft nicht zu.

möbelfertigung: Wann und warum haben Sie entschieden, nicht an der IndiaWood teilzunehmen?

Dr. Daniel Schmitt: Wenn es Spardruck im Unternehmen gibt, schaut man nun mal sehr kritisch auf seine Ausgaben. Auch auf Marketingtätigkeiten, zu denen Messebeteiligungen gehören. Weder die Entscheidung, nicht bei der IndiaWood dabei zu sein, noch die Entscheidung, der HOLZ-HANDWERK abzusagen, sind permanent. Vor dem Hintergrund unserer aktuellen Geschäftslage haben wir uns in beiden Fällen lediglich diesmal gegen eine Teilnahme entschieden. Dabei haben wir auch in die Vergangenheit geschaut, wie erfolgreich die Messen zuletzt für uns verlaufen sind.
Dafür waren wir zum Beispiel Aussteller auf der Eurobois in Lyon, wo viele unserer Wettbewerber nicht waren. Messen sind individuelle Entscheidungen. Dass wir einen Kostenspardruck haben, ist kein Geheimnis.

möbelfertigung: Es hieß, Homag sei aus Nachhaltigkeitsgründen nicht in Indien dabei. Ist da was dran?

Dr. Daniel Schmitt: Das muss ich dementieren. Das war für uns nie ein Thema und ich weiß auch nicht, wo dieses Gerücht herkommt. Das würde vor dem Hintergrund unserer Aktivitäten in Indien wirklich gar keinen Sinn ergeben.

möbelfertigung: Wie sieht die Messe-Strategie der Homag derzeit generell aus? Welche Messen sind interessant?

Dr. Daniel Schmitt: Im Bereich Holzbau haben wir unsere Aktivitäten durch Unternehmenszukäufe erweitert. Aber es gibt keine Verschiebung vom Möbelbereich in den Konstruktionsbereich. Wir werden bei der IWF und interzum guangzhou dabei sein und natürlich auch auf der LIGNA ausstellen. Aber tatsächlich haben wir unsere Messe-Auftritte im Bereich Möbel sehr kritisch hinterfragt.

möbelfertigung: Lassen Sie uns über die HOLZ-HANDWERK reden. Die Messe schien für viele Teilnehmer immer absolut gesetzt. Jetzt haben diverse Unternehmen abgesagt und in Nürnberg und auch beim VDMA schien man davon sehr überrascht zu sein?

Dr. Daniel Schmitt: Das war eine schwierige Entscheidung und die habe ich letztendlich persönlich getroffen. Wir haben sehr genau geschaut, wie viele Leads wir auf der vergangenen Ausgabe generiert haben und wie das Publikum sich dort zusammensetzt.
Ich habe mich schweren Herzens gegen die Teilnahme an der Messe entschieden. Wir waren aber ständig im Austausch mit der NürnbergMesse und dem VDMA, haben unsere Entscheidung sehr früh bekannt gegeben. Und wir haben auch gemeinsam überlegt, wie die Kommunikation nach außen sein sollte. Ich bin sicher, dass wir uns nichts vorzuwerfen habe. Nicht beeinflussen kann ich, was andere Marktteilnehmer daraus machen.

möbelfertigung: Nun war die letzte HOLZ-HANDWERK als einmalige „Summer-Edition“, zudem mit einer schwach besetzten Fensterbau Frontale, nur bedingt ideal als Gradmesser?

Dr. Daniel Schmitt: Das haben wir durchaus in unseren internen – sehr kontroversen – Diskussionen berücksichtigt. Aber für uns stand fest, dass die HOLZ-HANDWERK eben eher eine regionale Messe ist. Und regionale Kunden können wir mit unseren Showrooms bedienen.
Mir ist klar, dass Messe-Teilnahmen auch immer etwas mit der Außendarstellung eines Unternehmens zu tun haben. Dass Homag nicht an der HOLZ-HANDWERK teilgenommen hat, heißt nicht, dass wir uns vom Handwerk abwenden. Wir werden nur andere Formate nutzen, um unsere Neuheiten vorzustellen. Und wie gesagt: Die Entscheidung ist nicht endgültig, sondern betraf erstmal nur die diesjährige Ausgabe der Messe.

möbelfertigung: Es könnte aber auch sein, dass ein branchenführendes Unternehmen wie die Homag mit Messe-Absagen auch ein Signal sendet, dass mit weiterhin schlechter Konjunktur gerechnet wird und damit die generelle Marktstimmung negativ beeinflusst?

Dr. Daniel Schmitt: Wir machen ja durchaus Veranstaltungen. Zuletzt zum Beispiel den Handwerker-Tag hier in Baden-Württemberg, wo wir eine Plattform geboten haben, an der auch Marktbegleiter teilhaben konnten.

Teil 2 des Interviews gibt es an gleicher Stelle am kommenden Mittwoch (27. März). Sie wollen Branchennews und Vorabveröffentlichungen nicht verpassen? Dann melden Sie sich umgehend HIER für unseren kostenlosen Newsletter an, mit dem Sie stets auf dem Laufenden bleiben. Oder laden sich die APP der möbelfertigung auf Ihr Smart Device. Dort lesen Sie auch unsere Ausgaben bequem und kostenlos als vollständiges E-Magazin.

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