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Ronja Zoppke, International Marketing & Sustainability Manager, Aquinos Bedding.
Aquinos Bedding
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Geht 2024 die Umsetzung des Digitalen Produktpasses an

Zukünftig werden alle Produkte mit einem Digitalen Produktpass versehen werden. Aquinos Bedding legt mit Matratzen schon mal vor: Die RFID-Etiketten auf den Produkten können am Ende des Lebenszyklus im Recyclingzentrum gescannt werden, so dass die Demontagebetriebe die bei der Herstellung verwendeten Materialien sofort erkennen und sie effizienter und effektiver trennen können. Auch Endkunden werden in der Lage sein, den QR-Code mit ihrem Smartphone zu scannen. Ronja Zoppke, International Marketing und Sustainability Manager von Aquinos Bedding, erklärt, warum das Unternehmen jetzt schon aktiv ist.

möbelfertigung: Frau Zoppke, warum begrüßen Sie den Digitalen Produktpass?
Ronja Zoppke:
Als Hersteller sehen wir uns in der Verantwortung, eine Vorreiterrolle in Sachen Kreislaufwirtschaft einzunehmen. Der Digitale Produktpass ist der logische und absolut notwendige nächste Schritt. Das Thema Nachhaltigkeit ist in unserer Produktstrategie mit besonderem Fokus auf die Recyclingfähigkeit verankert: Die Schonung ökologisch wertvoller Ressourcen, die Vermeidung von Abfällen und die nachhaltige Produktgestaltung (Ökodesign) sind Prinzipien, mit denen wir uns intensiv auseinandersetzen. In Deutschland haben wir zum Beispiel unter der Marke Schlaraffia bereits eine modulare Öko-Design-Matratze auf dem Markt. Sie besteht aus leicht zu trennenden Komponenten, die alle recycelbar sind. Am Ende ihrer Lebensdauer kann sie einfach in ihre Einzelteile zerlegt und recycelt werden. Der Digitale Produktpass ist nun der letzte logische Schritt, um dieses Öko-Design über die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zur Entsorgung und Wiederverwertung recycelbar zu machen, denn er ermöglicht es den Recyclingunternehmen, in wenigen Sekunden zu erkennen, aus welchen Komponenten das Produkt besteht.
Obwohl wir davon ausgehen, dass unsere heutigen Produkte erst nach etwa 10 Jahren oder mehr entsorgt werden, da wir großen Wert auf Langlebigkeit legen, ist es an der Zeit, den Digitalen Produktpass einzuführen. Je schneller er flächendeckend eingeführt wird, desto mehr wird in zehn Jahren identifizierbar sein.
Außerdem steht die gesetzliche Verpflichtung vor der Tür. Derzeit nennt die EU das Jahr 2027 als spätesten Termin für die Einführung des Digitalen Produktpasses. Wir wollen vorbereitet sein und mit gutem Beispiel vorangehen. Nicht die neue Rechtslage, sondern die umfassende Umsetzung wird ein zufriedenstellendes Ergebnis liefern. Um dies zu erreichen, gehen wir mit gutem Beispiel voran, indem wir sehr früh mit der Einführung beginnen. Durch aktive, offene Kommunikation und Vernetzung wollen wir Industrie und Handel zum Mitmachen anregen. Umdenken ist hier der Schlüssel zum Erfolg.


möbelfertigung: Wie trägt der Digitale Produktpass denn zur Kreislaufwirtschaft bei?
Ronja Zoppke:
Vor allem bei komplexen Produkten wird es beim Recycling wichtig sein, das Produkt zusammen mit den Informationen bereitzustellen, welche Materialien verwendet werden und wie sie zusammengesetzt sind.
Bislang ist die Zerlegung von Matratzen sehr mühsam, ein großer Teil wird manuell durchgeführt, was ziemlich ineffizient und kostspielig ist. Es gibt Studien, die die thermische Verbrennung derzeit als effizienter beschreiben.
Das wollen wir aber in einer Kreislaufwirtschaft nicht mehr hinnehmen – wir wollen Wertstoffe wieder nutzbar machen. Hier wird der Digitale Produktpass eine wichtige Rolle spielen, um den Recyclingprozess effizienter zu gestalten oder in manchen Fällen überhaupt erst zu ermöglichen. Das macht den Digitalen Produktpass unverzichtbar für die Kreislaufwirtschaft. Man kann von außen nicht sehen, was in einer Matratze oder einem Bett steckt, also muss man die Informationen bereitstellen. Am Ende des Lebenszyklus eines Produkts muss das Recyclingunternehmen wissen, wie es zu demontieren und zu entsorgen ist.


möbelfertigung: Die genauen Richtlinien, wie der Produktpass auszusehen hat sind noch nicht klar. Warum fangen Sie jetzt schon an?
Ronja Zoppke:
Warum warten? Wenn es um Nachhaltigkeit und die Kreislaufwirtschaft geht, müssen Lösungen eher früher als später gefunden werden – ein Umdenken kann nur gemeinsam erreicht werden. Unserer Meinung nach macht es keinen Sinn, im Geheimen an der bestmöglichen Lösung zu basteln. Es ist viel wichtiger, dass wir handeln. Wir gehen gerne proaktiv vor, wollen andere inspirieren und motivieren und stellen uns gerne dem offenen Dialog innerhalb der Branche.
Gerade weil der Digitale Produktpass sicherlich auch Herausforderungen mit sich bringt, ist es wichtig, aktiv zu werden. Dabei profitieren wir natürlich auch von der engen Zusammenarbeit mit Triple R, das nicht nur als Lieferant, sondern auch als Wissensnetzwerk fungiert.


möbelfertigung: Viele Unternehmen – insbesondere kleinere – machen sich große ­Sorgen, ob sie überhaupt in der Lage sein werden, ­einen Digitalen Produktpass zu erstellen. Wie organisieren Sie Ihre Daten?
Ronja Zoppke:
Der Digitale Produktpass ist in der Tat eine Herausforderung. Aber eine, der wir uns gerne stellen, weil sie nicht nur sinnvoll, sondern absolut notwendig ist. Deshalb wollten wir auch so früh wie möglich mit der Umsetzung beginnen.
Im Moment gibt es noch keine genauen Vorgaben, welche Daten in den Digitalen Produktpass aufgenommen werden müssen. Wir priorisieren daher die Informationen, die für die Nutzung am Ende des Lebens wichtig sind. Die meisten Daten sind vorhanden, wir müssen sie nur sammeln und digital in einer Datenbank speichern. Da die Daten digitalisiert sind, können wir sie jederzeit ändern und ergänzen – je nach den Anforderungen des Gesetzgebers. Die frühzeitige Kennzeichnung ist im Moment wichtiger als die Vollständigkeit der Daten.

Das Interview finden Sie auch in der Ausgabe 3/24 der möbelfertigung. Noch mehr zum Digitalen Produktpass gibt es dort zum Beispiel von Dr. Olaf Plümer zu lesen, der das Konsortium Furniture X vorstellt.

Aquinos, Aquinos Bedding, Digitaler Produktpass, Nachhaltigkeit, Recycling