So kommt New Work bei allen an
Seit langem beschäftigt sich PALMBERG ganz allgemein mit Trends der Büromöbelindustrie. Einst in Form eines Magazins, dann als Newsletter inperspective snacks. Jetzt gibt es bei den regelmäßigen Aussendungen eine neue Kolumnistin: Die Geschäftsführerin Nicole Eggert. Inperspective by Palmberg-Autor Hannes Hilbrecht hat eingangs ein Interview mit ihr geführt.
inperspective snacks: Frau Eggert, in ein paar Wochen beginnt die ORGATEC. Das ist die wichtigste Leitmesse für neue Arbeitswelten in Europa. Können Sie uns einen Einblick geben, wie Sie die Lage der Büros momentan einschätzen?
Nicole Eggert: Für Büromöbelhersteller ist der Markt angespannt. Es ist zu spüren, dass Unternehmen momentan sehr vorsichtig mit Investments umgehen oder schlicht die Mittel fehlen. Das heißt: Die etablierten Büromöbelhersteller kämpfen um weniger werdende Aufträge. Das erkennt man auch an Preiskämpfen, die intensiver ausgetragen werden. Und mündet mancherorts leider in einer sinkenden Service- und Produktqualität.
inperspective snacks: Man hört von vielen Unternehmen gerade sehr lautstark politische Forderungen. PALMBERG reiht sich nicht wirklich in diesen Kanon ein. Warum?
Nicole Eggert: Auch wir ärgern uns über Entscheidungen. Diesen Ärger wollen wir aber auf einer Sachebene austragen. Ohne ins Detail zu gehen, möchte ich an einer wesentlichen Stelle trotzdem an die Politik appellieren. Diese wünscht sich – genauso wie ich – sichere Arbeitsplätze für hart arbeitende Menschen in Deutschland. Was ich dann nicht verstehen kann? Dass staatliche Behörden nicht bei deutschen Unternehmen einkaufen, sondern viel günstiger bei unseren europäischen Nachbarn. Das sind Vorgänge, die uns verärgern. Die auch Misstrauen bei Unternehmen und Menschen stiften können.
inperspective snacks: Nicht nur tun sich Büromöbelhersteller schwer, ihre Lösungen zu verkaufen. Auch kämpfen Unternehmen um die Rückkehr der Mitarbeitenden ins Büro. Erste Konzerne – darunter Amazon in den USA – wollen alle Beschäftigten zurückbeordern.
Nicole Eggert: Ich bin – wie auch in der politischen Gesellschaft – ein Gegner aller Extreme. Momentan habe ich bei vielen Themen das Gefühl, dass wir die Mitte des Sinnvollen verlassen. Die einen sagen, alle sollen ins Büro kommen. Die anderen möchten, dass sich alle aussuchen, wo, wann und wie sie arbeiten. Die einen fordern, dass alle Mitarbeitenden auf einen Sockel gestellt und – mit Verlaub – mit Wertschätzung hofiert werden. Andere verlangen die Auflockerung von wichtigen Regeln im Arbeitnehmerschutz. Ich finde keine dieser extremen Positionen gut, sondern sehe Maß und Mitte als sinnvoll.
Zur Frage: Die Mitarbeitenden, die Homeoffice machen können, sollen das flexibel an ein paar Tagen in der Woche tun können. Aber die Begegnung im Büro ist mindestens genauso wichtig. Außerdem kommt mir in der Debatte eine Sache zu kurz: Was ist mit den Menschen, die kein Homeoffice machen können?
inperspective snacks: Auch bei PALMBERG arbeitet ein Großteil der Belegschaft in der Fertigung. Wie beantworten Sie die von Ihnen gestellte Frage?
Nicole Eggert: Wir bei PALMBERG möchten, dass New Work bei allen arbeitenden Menschen ankommt. Auch bei denen, die an der Maschine stehen oder einen Lkw fahren. Das heißt: Bei uns gibt es für die Produktionsbeschäftigten einen verkürzten Freitag. Dieser soll kompensieren, dass diese Menschen eben nie im Homeoffice arbeiten können. Auch erhalten die Kolleginnen und Kollegen aus dem Werk einen zusätzlichen Urlaubstag. Diesen betrachten wir als eine Art Ausgleich für die Herausforderungen der Schichtarbeit. Wir arbeiten daran, dass auch die Menschen in der Produktion flexibler arbeiten können.
inperspective snacks: Trotzdem: Ein Unternehmen kann nur Privilegien ermöglichen, wenn es Produkte verkauft. Was ist der Mehrwert, mit dem sich PALMBERG im umkämpften Markt behaupten will?
Nicole Eggert: Die beste Qualität aus Deutschland. Jedes Bauteil wird bei uns in einheimischen Werken montiert. Von fair bezahlten Fachkräften. Nur so ist unsere bekannte Qualität möglich. Mein Ziel ist es, dass der Name PALMBERG deutschlandweit vor allem für das bestmögliche Produkt steht. Und dass diese unter den bestmöglichen sozialen Bedingungen hierzulande gefertigt werden. Da werden wir uns künftig noch viel stärker positionieren.
inperspective snacks: Zum Abschluss für diese Ausgabe: Seit sieben Jahren sind Sie Geschäftsführerin. Sie erleben also nach 2018 und 2022 die nächste ORGATEC als Geschäftsführerin. Kann man auf dem Messestand sehen, wie sich PALMBERG verändert hat?
Nicole Eggert: Wir sind bunter geworden und kreativer. Zwar verkaufen wir klassische Möbel immer noch mit Abstand am besten. Die Schreibtische – unsere Erfolgsprodukte – dominieren beispielsweise im Markt der mittelständischen Unternehmen. Aber wir spüren auch ein wachsendes Interesse an unseren innovativen Systemen für Mittelzonen und kommunikative Bereiche. Mir ist das besonders wichtig, weil wir darüber noch stärker unser Handwerk präsentieren können. PALMBERG ist nicht nur grau, sondern auf eine verlässliche Weise lebhaft.
Nicole Eggert (Jahrgang 1977) ist seit 2017 Geschäftsführerin bei PALMBERG. Zuvor verbrachte die Mecklenburgerin fast ihr ganzes Berufsleben beim Büromöbelhersteller. Von der Ausbildung über die Leitung der Planungsabteilung bis zur Führungsrolle des Familienunternehmens. Für PALMBERG arbeiten in mehreren Werken mehr als 650 Beschäftigte.








