Wo steht die Möbelindustrie im Bezug auf KI?
Lange Zeit war der Weg, um an Informationen im Internet zu gelangen, ganz klar: Ein Begriff wurde in Google eingegeben und man erhielt ein Ergebnis. Spätestens seit ChatGPT läuft das anders. KI verändert die Welt und auch die Möbelbranche muss sich auf die neue Situation einstellen. Genau aus diesem Grund veranstaltete The Wild Goose gestern den ersten Interior KI Summit in Bielefeld in der Founders Foundation. Knapp 100 Teilnehmer:innen bekamen ein vielfältiges Programm geboten, bei dem 12 Expert:innen das Thema Künstliche Intelligenz aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.

Den Start machte Neurowissenschaftler Dr. Henning Beck, der den Titel seines Vortrags pointiert formulierte: „Gehirn vs. KI – Wer behält die Oberhand?“. Es werde oft gesagt, dass Daten das Gold des 21. Jahrhunderts seien, doch Daten haben noch nie die Welt verändert, sondern konzeptionelles Denken, sagte Beck. Auch wenn es für die KI Limits gebe, weil diese bei unbekannten Daten versage, Ursache und Wirkung nicht kenne und kein semantisches Verständnis habe, eröffne sie doch unendliche Möglichkeiten. „Jeder wird die gleiche KI kaufen können, aber Sie können sie für Ihre Zwecke maßschneidern“, lautete die Botschaft des Wissenschaftlers.

Niels Ophey, Microsoft Deutschland, machte deutlich, in welchem Tempo das Thema KI gerade um sich greift. 1956 wurde erstmals über Artificial Intelligence gesprochen, Machine Learning gibt es seit 1997, Deep Learning seit 2017 und Generative AI seit 2021. Während das Internet sieben Jahre benötigte und das Mobil Phone 16 Jahre, um 100 Mio. User zu generieren, brauchte Chat GPT dafür nur ein Jahr. Das Interesse dafür ist also groß, weil die individuellen Möglichkeiten, das eigene Businessmodell nach außen zu verändern und den Kundenservice zu erhöhen, nicht minder gewaltig sind.
Dr. Olaf Plümer, Daten Competence Center, und Patrick Sönke, Integrated Worlds/Iwofurn, betonten, dass Daten – und damit sind standardisierte und repräsentative Daten gemeint – der Treibstoff für den KI-Motor sind. Ihr Ratschlag: „Gucken Sie, auf welchem Datenschatz Sie sitzen.“

An diesem Punkt hakte Arne Stock, Geschäftsführer Moebel.de, ein. „Wenn die Grunddatenqualität nicht stimmt, kann man nichts aufsetzen.“ Was nicht bedeute, damit das Thema ad acta zu legen. Denn KI werde das Konsumverhalten massiv verändern. Seine Botschaft: Operativ Mitarbeitende müssten KI-Tools einsetzen und strategische Leitende sollten KI Potenziale kennen und gleichzeitig nutzen Konsumenten KI bereits. Es machen also schon andere!“
Intensive Best Practice-Beispiele lieferten Sebastian Batton, Dr. Wieselhuber & Partner, und Dr. Kamil Braschke, Codecentric AG. Während Batton die Vorzüge des „Process Mining“ auf die Effizienzsteigerung von Prozessen darstellte, erklärte Braschke, wie ChatGPT Plug-ins / CustomGPTs funktionieren und wie diese für die Erstberatung von Küchen und Möbeln genutzt werden können.
„Digitalisierung und KI Zukunft in der Holz- und Möbelbranche“ lautete der Vortrag von Marcel Hinger und Pascal Inauen von Lignum Consulting. Anhand von zahlreichen, konkreten Beispielen, die von der Raumplanung der Student:innenbude, über digitale Herkunftsnachweise für Holz bis hin zur Verschnittoptimierung reichten, verdeutlichten sie, die enorme Bandbreite von KI für die Branche, die im Prinzip erst in den Kinderschuhen steckt.

Last but not least veranschaulichten Johannes Sommer, Retresco, sowie Meike Bendel und Daniel Heitkamp von der Agentur Republic of Yes, wie KI das Marketing revolutioniert. „KI ermöglicht eine neue Ära der Hyperpersonalisierung“, sagte Johannes Sommer und verwies darauf, dass aus der ursprünglichen Suche im Netz nun ein Dialog entstehe, der Neues hervorbringt. Für all dies seien Regelwerke wichtig. Wie faszinierend genau inzwischen die Ergebnisse bei der zielgerichteten Suche nach Bildern durch den kombinierten Einsatz von verschiedenen Tools wie zum Beipiel Midjourney/Discord sein kann, machte Republic of Yes mit vier unterschiedlichen Fotos deutlich, nach denen die Agentur vor einem Jahr, vor einem halben Jahr, vor zwei Monaten und aktuell gesucht hat. Ein Learning aus der Praxis: „KI trifft die Sache nie zu 100 Prozent, aber die Umwege sind interessant.“

Fazit des ersten Interior KI Summits: Der Einsatz von KI kann den Deckungsbeitrag erhöhen und/oder Fixkosten senken; KI öffnet mehr Chancen, als sie Risiken birgt, allerdings sind dafür Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Versäumnisse des KI-Einsatzes werden langfristig zu Preis- und Wettbewerbsnachteilen führen – also nicht warten, sondern damit starten.
Der nächste Interior KI Summit ist für den 19. Februar 2025 terminiert.















