Trübe Aussichten für 2025 – „Effizienzwende“ gefordert
Deutliche Worte findet der Verband der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI e.V. zum Auftakt seiner Jahrespressekonferenz: Die Branche leide unter „gravierenden Rückgängen“ bei allen relevanten Kennzahlen, die hohe Bürokratielast lähme den Wirtschaftsstandort Deutschland. Hinsichtlich KI und Digitalisierung verliere Europa den Anschluss an Amerika und China aufgrund übermäßiger Regularien – und die eigene Forschung und Entwicklung wandere ebenfalls zunehmend durch fehlende Investitionen ab. Es fehle an Mut, Kapital und Leistungsbereitschaft. Das aktuell noch robuste Beschäftigungsverhältnis dürfte sich, sofern es keinen politischen Gestaltungswillen gebe, in den kommenden Jahren drastisch verschlechtern. Die Stimmung sei düster. Und: Aktuell sei keine Trendumkehr für 2025 in Sicht.
Konkrete Zahlen: Produktion, Exporte
„Das vergangene Jahr war für die deutsche Elektro- und Digitalindustrie sehr schwierig“, erklärte ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel. Konkret sei die preisbereinigte Produktion von Januar bis einschließlich November 2024 um über neun Prozent (- 9,3 %) eingebrochen. Gerechnet hatte der Verband noch im Herbst 2024 mit minus sieben Prozent.
Bei den nominalen Erlösen (einschließlich Dienstleistungen) verzeichnete die deutsche Elektro- und Digitalindustrie im gleichen Zeitraum ein Minus von 6,5 Prozent. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2024 ergibt sich daraus ein Umsatz von etwa 223 Milliarden Euro – nach 238 Milliarden Euro im Jahr davor.
Die Elektro-Exporte gaben von Januar bis November 2024 um vier Prozent nach. Hier drehten alle wichtigen Absatzmärkte ins Minus, inklusive der beiden größten Märkte in China und den USA. Dennoch seien diese beiden Länder „unverzichtbar“.
Konkrete Zahlen: Beschäftigung
Fast schon überraschend sei für den Verband ZVEI, dass die Beschäftigung in der Branche mit rund zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr nur leicht zurückgegangen sei. Gut 892.000 Menschen seien in Deutschland in dem Sektor tätig. Aber: Viele Unternehmen hätten sich Mitte 2024 einen konjunkturellen Aufschwung erwartet und „nach dem Prinzip Hoffnung“ ihre Angestellten behalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das habe sich nun zerschlagen. Für 2025 und die darauffolgenden Jahre sei daher damit zu rechnen, dass es weitere Entlassungswellen gebe. Obschon betriebsbedingte Kündigungen, laut Kegel, „das Dümmste [seien], was man machen könnte, nämlich das Kinde mit dem Bade ausschütten“, kämen einige Unternehmen aufgrund der harten finanziellen Einschnitte nicht mehr darum herum.
Trotzdem bleibe der Fachkräftemangel offenkundig. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass im Bereich Elektrotechnik rund 30% weniger Einschreibungen an Hochschulen und in Ausbildungsberufen vorgenommen würden. Der Verband ZVEI spricht sich daher deutlich für eine offene, demokratische Gesellschaft aus: „Wir brauchen Migration.“ Im Zuge dessen appellierte der Verband einmal mehr, zur Bundestagswahl zu gehen und Parteien der demokratischen Mitte zu wählen, die Deutschlands Wirtschaft entscheidend stärken und gestalten könnten – „nicht aber die AfD“.
Bürokratie: „Regulierungs-Tsunami“
„Immer deutlicher tritt zutage, dass die Probleme nicht nur konjunktureller, sondern auch struktureller Art sind“, hebt der ZVEI-Präsident hervor. „Der Industriestandort Deutschland ist überreguliert und zu teuer. Er behindert unternehmerische Initiative und hat an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren.“ Kegel spricht sogar von einem „Regulierungs-Tsunami“, der Europa im Wettbewerb ersticke. Er warnt vor der drohenden „Verzwergung“ des hiesigen Wirtschaftsstandorts und kritisiert, Deutschland sei „zu behäbig, zu kompliziert, zu antriebslos“.
Passend zur Energiewende, die ebenfalls Gegenstand der Jahrespressekonferenz ist, fordert ZVEI auch eine Effizienzwende: „Nicht nur technologisch, sondern insbesondere auch politisch und regulatorisch. Weniger Bürokratie, mehr Freiheit für Unternehmergeist, mehr Raum für Innovationen“, fordert Kegel. Für 2025 geht der ZVEI davon aus, dass die reale Produktion weiter leicht um minus zwei Prozent nachgeben wird. „Um ein weiteres Rezessionsjahr zu vermeiden, muss die kommende Bundesregierung dringend handeln.“
Regierungskritik
Die Politik der Ampelparteien kritisieren Präsident Kegel und der vorsitzende Geschäftsführer Dr. Wolfgang Weber deutlich: So seien viele Probleme „politisch hausgemacht“; zunehmend träten nicht nur konjunkturelle, sondern auch strukturelle Schwächen zutage. Die Wahlprogramme seien fantasielos, der Industriestandort Deutschland gerate ins Rutschen.
Der Verband setzt auf frische und unmittelbare Impulse der neuen Bundesregierung, „am besten direkt morgen“. Weber ergänzt, die politische Regulatorik sei aus dem Ruder gelaufen. 13.000 neue EU-Regulierungen seien in den zurückliegenden fünf Jahren dazugekommen – in den USA im selben Zeitraum gerade einmal 3.000. Laut Normenkontrollrat liegen die Bürokratiekosten für die deutsche Wirtschaft bei über 65 Milliarden Euro jährlich: Geld, das für Investitionen und damit neue Wertschöpfung fehle.
Abschließende Worte
Versöhnliche Töne findet der Elektro- und Digitalindustrie-Verband am Ende doch noch: So stecke ungeheuer viel Potenzial in den drei Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung. Elementar für neues wirtschaftliches Wachstum sei, das Investitionsklima zu verbessern, die Unternehmenssteuerbelastung auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau abzusenken und die Stromsteuer auf den europäischen Mindestsatz zu minimieren.








