Kundenherausforderungen als Entwicklungstreiber
Achim Homeier steuert auf 25 Jahre Betriebszugehörigkeit bei der Homag Group zu. Einst Senior Product Manager CNC Technology, verantwortet er heute als Senior Director das komplette Marketing und Produktmanagement des Maschinenbaukonzerns aus Schopfloch. Im Rahmen unseres Trendpanels stellte er einige Thesen zu zukünftigen Entwicklungen auf. Im Folgenden O-Ton:
Nicht nur auf die Möbelhersteller, sondern auch auf uns als Maschinenhersteller kommen neue Verordnungen zu. Ob das Lieferantenkettengesetz, Kreislaufwirtschaftsgesetz oder European Data Act, die Aufwände zur Umsetzung müssen möglichst schlank gehalten werden. Wir als Homag müssen zum Beispiel über Jahre hinweg Updates bereitstellen, um die Cyber Security sicherzustellen. Nur wenn wir gemeinsam mit den Kunden Lösungen entwickeln, um beispielsweise die notwendigen Daten für einen „Möbelpass“ (ESP: Ecodesign for Sustainable Products Regulation) effizient zu generieren, können die Kostensteigerungen und Wettbewerbsnachteile abgewendet werden. Auch hier spielen durchgängige Datenmodelle und vernetzte Prozesse eine große Rolle.
In der Vergangenheit war der Service in vielen Maschinenbauunternehmen lediglich die Konsequenz des Neumaschinengeschäftes. Heute ist es unerlässlich, den Kunden auch einen erweiterten After-Sales-Service zu bieten. Als Ergänzung zur Lieferung von Ersatzteilen, Angeboten zu Dienstleistungen wie Inspektionen und Wartungen, Reparaturen oder Trouble-Shooting spielen Modernisierungen, Nachrüstungen und Software-Upgrades eine immer wichtigere Rolle im Portfolio.
Ein gutes Beispiel ist „Function+“, das heißt die Nachrüstung von Funktionen zu einem späteren Zeitpunkt. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von über 17 Jahren und das bei sich ständig wechselnden Anforderungen, ist dieses auch ein wichtiger Baustein für die Investitionssicherheit.
Ein Trend geht eindeutig zur effizienteren Gestaltung von Produktionen – sowohl im Handwerk, als auch in der Industrie. Triebfedern dabei sind unter anderem steigende Lohnkosten und fehlende Mitarbeiter. Das Werkstückhandling wird nicht nur kostengünstiger, sondern entlastet auch die Maschinenbediener, welche sich anderen Aufgaben – beispielsweise der optimierten Organisation des Maschinenumfeldes – widmen können. Ein automatisiertes Werkstückhandling bringt zusätzlich eine Minimierung von Schäden am Werkstück mit sich, was eine Erhöhung der Qualität der Endprodukte zur Folge hat bzw. die Ausschusskosten reduziert.
Um auch nur annähernd den Wohnungsbedarf in vielen Ländern ökologisch abdecken zu können, ist eine deutliche Steigerung der Industrialisierung und Automatisierung im Wohnungsbau notwendig. Der Holzhausbau, mit einen hohem Indoor Vorfertigungsgrad, dürfte dabei eine sehr bedeutende Rolle spielen. Die hohe Präzision in der Vorfertigung bringt auch Chancen für den Möbelbau. Das Aufnehmen von Maßen nach Fertigstellung des Rohbaus ist nicht mehr zwingend notwendig und mit dem BIM Datenmodell lassen sich frühzeitig Informationen austauschen. Küchen- und Innenausbauer können zum Beispiel eine Wohnung mit Hilfe eines digitalen Zwillings des Gebäudes planen, dem Kunden visualisieren und früher mit der Fertigung beginnen. Der Zimmermann oder Fertighausbauer kann somit als Vertriebskanal mit genutzt werden.
Der Facharbeitermangel führt vermehrt zum Einsatz angelernter Kräfte, die über keine oder wenige Verfahrens- und Maschinenkenntnisse verfügen. Trotz allem müssen die Maschinen und Anlagen bei steigendem Funktionsumfang beherrschbarer bleiben. Die Maschinenbedienung entscheidet, als Bindeglied zwischen Mensch und Maschine, ob alle Funktionen optimal genutzt werden. Deshalb muss die Bedienung leicht und verständlich aufzeigen, was die Maschine kann oder als nächstes notwendig ist.
Eine weitere Herausforderung in den Betrieben ist, dass die Mitarbeiter immer häufiger ihre Jobs wechseln und die Betriebszugehörigkeit sinkt. Deshalb steigt die Bedeutung neue Mitarbeiter schnell und effizient einzulernen. Dazu bieten wir Online-Kurse an und veröffentlichen Quick Tipps zu den Maschinen. Zudem können Kunden in der Maschinensteuerung firmenspezifisches Wissen hinterlegen, welches auch zukünftigen Bedienern zugutekommt, um effizienter zu arbeiten.
Klar ist, dass der Trend zum individuellen Wohnraum weiter an Bedeutung zunehmen wird. So müssen Möbelhersteller ihre Produktion dazu noch stärker an den Bedürfnissen der Endkunden ausrichten und ihre Produkte differenzieren. Dabei bietet eine vernetzte Produktion entscheidende Vorteile: Die komplette Vernetzung von der Kaufentscheidung im Webshop inklusive AR-Visualisierung, über die technische Konfiguration, Fertigungsdatenerzeugung bis hin zur Routenplanung und Bezahlung ermöglicht eine hohe Individualität der Endprodukte bei wettbewerbsfähigen Kosten. Der Einsatz von KI, wie heute bereits in der Qualitätssicherung, bietet weitere Chancen zur Effizienzsteigerung.
Die Leistungsdaten einer einzelnen Maschine, Funktionen einer Software oder einer Serviceleistung sind nicht entscheidend, sondern das Zusammenspiel, um die Stückkosten zu reduzieren. Durch digital unterstützte Wertstromoptimierungen, geführte Bedien- und Montageprozesse und hohe Verfügbarkeiten bei geringem Ausschuss sinken die Kosten pro Bauteil, Lieferzeiten und Lagerbestände.
Homag „Your Solution“ ist nicht nur ein Claim, sondern unser Ansporn. Nur wenn wir den Kunden eine passende Lösung anbieten können, können wir gemeinsam erfolgreich sein. Die Herausforderungen unserer Kunden sind sicherlich je nach Segment unterschiedlich, abhängig davon, ob in Losgröße 1 oder Serie gefertigt wird, oder ob es sich um Küchen-, Bad, Wohnmöbel oder Innenausbau handelt. Alle Segmente kämpfen jedoch mit einem hohen Kostendruck, der leider durch die aktuelle Marktsituation noch weiter befeuert wird. Dieses führt übergreifend zum Ausbau der Automatisierung, Ausschussreduzierung, Steigerung der Material- und Energieeffizienz, Optimierung der Wertströme und Anlagen.









