Kreislaufwirtschaft ist kein Fernziel
Nehmen, verbrauchen, wegschmeißen. Seit Jahrzehnten wird die Matratze nach diesem Prinzip designt, gefertigt, entsorgt. Am Ende ihres Lebens landet sie meist auf der Deponie oder wird verbrannt. Höchste Zeit für ein Umdenken in der Branche, finden Inga Arling, Category Manager bei Auping, Ronja Zoppke, Senior International Product Manager Matresses bei Recticel, Job Dröge, Managing Director bei Innofa und Uli Hammer, Group Sales Direktor Technical Textiles der Müller Textil GmbH. Im Gespräch mit „möbelfertigung“-Chefredakteur Tino Eggert skizzieren sie die Zukunft der Matratze.
möbelfertigung: Was ist Kreislaufwirtschaft und warum reicht Recycling nicht aus?
Inga Arling: Recycling ist wohl jedem klar. Aber die überwältigende Mehrzahl an Produkten kann nur zu einem qualitativ schlechteren Produkt oder Material wiederverwertet werden. In der Kreislaufwirtschaft sollen die verwendeten Materialien aber immer wieder für Produkte gleicher Qualität genutzt werden. Es darf also keinen Wertverlust geben. Das ist die große Herausforderung, mit der wir uns alle gemeinsam befassen müssen.
Ronja Zoppke: Das ist bei Matratzen eben auch besonders schwierig, weil eine Vielzahl von Materialien eingesetzt wird. Recycling bei einer Plastikflasche versteht jedes Kind aber bei einer Matratze sind allein schon die Stoffe so miteinander verwoben, dass sie Stand jetzt nicht recycelt werden können. Man muss sich also ganz neu überlegen, wie Matratzen designt und hergestellt werden müssen, damit sie in einzelne Materialströme unterteilt werden können.
Wir bei Schlaraffia, beziehungsweise Rec-ticel, verteufeln aber downcycling nicht, denn wir haben zuletzt sehr viel darüber gelernt. In Frankreich haben wir einen Partner aus der Verwertung, mit dem wir alte Matratzen zurücknehmen und zu Isolierung verwerten können. Die Matratzenkerne werden dabei geschreddert und zu Thermoverbundschaum gemacht. Das ist natürlich nicht die gleichwertige Zirkularität, die wir anstreben doch wir haben dabei gelernt, wie Matratzen zur Verwertung aufgebaut werden müssen und wie man die richtigen Partner findet. Wir müssen aber eben noch weitergehen. Allerdings einen Schritt nach dem anderen, denn anders kann die jetzt noch komplett fehlende Infrastruktur nicht entstehen.
Inga Arling: Richtig. Der logistische Hintergrund fehlt noch. Daher empfehle ich einen mehrgleisigen Ansatz: Die Matratzen, die jetzt im Umlauf sind müssen noch über viele Jahre mit downcycling wie in dem eben genannten Beispiel verwertet werden. Wir müssen aber eben auch die zukunftsfähigen Alternativen im Auge behalten, damit schon bei der Produktion der Halbfabrikate
an die Verwertbarkeit gedacht wird. Und auch das muss gemeinschaftlich entstehen.
Uli Hammer: Das ist einfach ein langer Prozess. Das Ziel soll ja sein, dass man aus einer alten Matratze eine neue Matratze herstellen kann. Wir bei Müller Textil arbeiten seit sechs oder sieben Jahren an dem Thema. Aber eine Matratze besteht aus sehr vielen Materialien und die Hersteller dieser Materialien werden alle zusammenarbeiten müssen.
Job Dröge: Bei uns werden Textilien schon lange wiederverwendet. Kleidung kann ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft auch wieder zu Kleidung werden. Selbst Baumwolle kann mittlerweile komplett auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden. Materialien wie Polyester sind viel komplizierter. Und ein zusätzliches „Problem“ ist, dass neues Polyester so günstig ist, dass es bisher eigentlich keinen Anreiz zur Wiederverwertung gab.
Den kompletten Bericht lesen Sie in der Ausgabe 4/2021 der „möbelfertigung“, die Mitte Juli erscheint.
Außerdem in der Ausgabe: Philipp Blum über Rohstoffe und Lieferketten, Leitz und Hunger erklären das Quattrofügen, Besuch in Continentals Technologie-Zentrum bei Freiburg, Kommentar der F&E-Profis von Adler Lacke über antibakterielle Oberflächen, Sascha Kostros und Dieter Baumanns von Impress über aktuelle Veränderungen im Unternehmen, Daniele Merla über die Deutschland-Pläne von Mauro Saviola, Claudia Küchen und Sabrina Wieland von Schattdecor über Designtrends, Max Betzler und Wolfgang Moyses von Surteco über neue Strategien, wie Frisia-Möbelteile besonders Oberflächenschonende Roboter nutzt, warum Kraft Maschinenbau Becker Sondermaschinenbau übernommen hat und noch viel viel mehr.
Außerdem: Die große Übersicht der Dekor-Spezialisten und die große Übersicht der Werkstoff-Spezialisten.















