Die Marke Wesco in die „Naber-Welt“ integrieren
Der Nordhorner Küchenzubehör-Vollsortimenter Naber hat aus der Insolvenzmasse der M. Westermann & Co. GmbH und deren Tochterunternehmen eine Reihe von Vermögensgegenständen an Wesco erworben. Geschäftsführer Lasse Naber erläutert die Zukunftspläne mit der renommierten Marke.
Das Arnsberger Traditionsunternehmen M. Westermann & Co. GmbH, vor allem bekannt durch die Produkte, die mit der Marke Wesco am Markt vertrieben wurden, musste Ende November 2023 Insolvenz anmelden. Auch wenn das Unternehmen mittlerweile „Geschichte“ ist, gibt es eine Erfolgsstory, denn für die Marke Wesco und einige bewährte und am Markt beliebte Produkte geht es weiter.
Wie war der Ablauf? Wie viele andere Unternehmen in der Möbelzulieferbranche führte die Verkettung externer Einflüsse bei der M. Westermann & Co. GmbH letztlich zum Gang zum zuständigen Amtsgericht in Arnsberg für einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Gericht stellte der einstigen Geschäftsführung, damals gesetzlich vertreten durch Egbert Neuheus, Rechtsanwalt Prof. Dr. Dirk Andres, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht aus der Kanzlei AndresPartner, zur Seite. Schon damals hieß es: „Kunden sollen zunächst keine Auswirkungen der Wesco-Insolvenz zu spüren bekommen, weil der Geschäftsbetrieb in der Eigenverwaltung fortgeführt werden sollte.“
Wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnete Andres am 1. März 2024 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der M. Westermann & Co. GmbH. Sachverwalter Dr. Jan Janßen aus Köln, aus der Kanzlei Görg Rechtsanwälte Insolvenzverwalter, zeigte noch am gleichen Tag eine Masseunzulänglichkeit an. Was bedeutet, dass die Insolvenzmasse zwar zur Kostendeckung, nicht aber zur Erfüllung der Masseverbindlichkeiten ausreicht. Aus insolvenzrechtlichen Gründen kam es zur Kündigung aller rund 80 Mitarbeitenden, bis auf ein Abwicklungsteam von rund 30 Mitarbeitenden waren die Beschäftigten bereits freigestellt. Der operative Geschäftsbetrieb wurde eingestellt.
Unmittelbar danach durfte AndresPartner vermelden, dass die immateriellen Vermögensgegenstände der Westermann UG & Co. KG (ehemals Westermann KG) sowie der M. Westermann & Co. GmbH an die Naber GmbH aus Nordhorn veräußert werden konnten. Das umfasste insbesondere die Wortmarke und die Markenrechte, die Rechte an den Websites und Domains sowie den Online-Shop von Wesco. Laut des Insolvenzverwalters hatte sich Naber „mit dem höchsten Gebot in einem intensiv über mehrere Wochen laufenden Verfahren durchgesetzt“.
Aus Zusammenarbeit wurde Übernahme
Für Naber war es nach der Insolvenzmeldung schnell klar, sich mit dieser Kaufoption zu beschäftigen: „Wir führen seit vielen Jahren Wesco-Produkte im Sortiment – vor allem im Bereich der Einbau-Abfallsammler – und es gab eine gute Geschäftsbeziehung“, erklärt Lasse Naber, Geschäftsführer in dem Familienunternehmen. Und fährt fort: „Um diese Produkte auch künftig anbieten zu können, haben wir uns dazu entschlossen, die entsprechenden Bereiche aus der Insolvenzmasse zu erwerben. Die sogenannten Wesco Haushaltswaren waren Bestandteil des ,Pakets‘ und werden jetzt im Naber Sortiment eine eigene neue Warengruppe bilden.“
Die Vorteile sind schnell gefunden: „Wir können durch den Zukauf weiterhin die etablierten Produkte, die wir seit Jahren führen, unserem Kundenkreis anbieten“, erklärt Lasse Naber, der als dritte Generation im Unternehmen tätig ist. „Zudem haben wir mit diesem Schritt neue Kunden im Industriebereich sowohl im In-, als auch Ausland hinzugewonnen.“ Was aber vielleicht noch viel entscheidender ist: Mit den Wesco Haushaltswaren hat Naber eine komplett neue Zielgruppe und einen neuen Vertriebsbereich gewonnen. Diesen gilt es zu festigen, auszubauen, beziehungsweise was das Endkundengeschäft betrifft, wieder zu beleben.
„Wir haben es mittlerweile geschafft, die Wesco Haushaltswaren Produkte über einen Partner auf der Amazon Plattform wieder verfügbar zu machen. Weitere Plattformen werden folgen und auch der Webshop www.wesco.de wird in den nächsten Monaten reaktiviert“, erklärt Naber.
Produktionsstätten waren nicht Inhalt der Übernahme-Vereinbarung. Aber natürlich müssen die Produkte irgendwo entstehen. „Wir kooperieren sehr eng mit den bisherigen Fertigungsunternehmen von Wesco“, so Lasse Naber, der das Unternehmen gemeinsam mit seinen Eltern Ingrid und Hans-Joachim Naber führt. Diese zweite Generation war einst dafür verantwortlich, dass seit 1975 ein Sortiment mit Küchenzubehör aufgebaut wurde, nachdem Gründer Hermann Naber ab 1948 mit einem Großhandel für Tischlereibedarf und Möbelbeschläge startete.

Die Marke Wesco soll auf jeden Fall bei Naber weiter bestehen – immerhin gibt es sie seit 1867 und ist weltweit bekannt. Darauf will Familie Naber aufbauen. „Derzeit sind wir noch stark mit der Integration und Prozessbildung beschäftigt“, sagt Lasse Naber. „Dies fängt bei der Beschaffung an und streckt sich über den Vertrieb und das Marketing, bis hin zu den logistischen Prozessen. In allen Bereichen müssen Ressourcen geschaffen werden. Wir haben das Wesco Sortiment zunächst etwas gestrafft. Mit diesem etwas kleineren Sortiment starten wir. Im Zuge der Produktsortimentspflege werden wir dann nach und nach Anpassungen und Erweiterungen vornehmen. Selbstverständlich denken wir auch über neue Produkte nach. Die Naber DNA gleicht diesbezüglich dem bisherigen Vorgehen bei der M. Westermann & Co. GmbH und passt darum sehr gut zu den Wesco Produkten. Wir freuen uns schon sehr darauf, die Produkte und das Sortiment zu erweitern – Ideen sind bereits reichlich vorhanden. Wir legen den Fokus auch bei Naber immer wieder auf Innovationen und Weiter- beziehungsweise Neuentwicklungen. Hierzu arbeiten wir eng mit renommierten Desigern und Hochschulen zusammen. Das werden wir auf die Marke Wesco ausdehnen.“
Fachhandel und Endverbraucher im Visier
Bei der Nachfrage, wofür Naber und Wesco künftig am Markt stehen sollen, antwortet Lasse Naber: „Naber ist und bleibt der Marktführer in Sachen Küchenzubehör. Unter dem Slogan ,Mit Naber zur perfekten Küche‘ bieten wir unseren Kunden das umfangreichste Küchenzubehör-Sortiment an, welches am Markt zu finden ist. Wesco werden wir, wie bereits angedeutet, in das Produktportfolio von Naber integrieren und ebenfalls der Hauptzielgruppe von Naber, den küchenverkaufenden Fachhandel, anbieten. Sowohl die Einbausammler, als auch die Haushaltswaren.
Zusätzlich wollen wir die Marke Wesco verstärkt im Endkonsumentenbereich platzieren. Insbesondere sehen wir hier – wie bisher auch – die Wesco Haushaltswaren. Wir werden den Spirit der Marke weitertragen und ausbauen. Gepaart mit Einflüssen aus der ,Naber Welt‘. Wobei sich einiges ähnelt: Wesco und Naber stehen für attraktive Produkte, für Farbe und für das Besondere in der Küche. Es existieren viele Parallelen, weshalb wir auch davon überzeugt sind, dass es die richtige Entscheidung war, die Marke Wesco zu übernehmen.“

Mit der Sortimentserweiterung sieht sich Naber gut aufgestellt für die Zukunft. „Natürlich merken auch wir die Kaufzurückhaltung in einigen Bereichen. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, Innovationen voranzutreiben – dafür steht Naber. Der Erwerb von Wesco wird sicherlich dazu beitragen, dass Naber weiterhin gut und gestärkt durch die Wirtschaftskrise kommt. Wir stellen Weichen aber auch an anderer Stelle, beispielsweise durch Digitalisierung und die Nutzung von KI. Hier lassen sich große Potenziale heben, entsprechend passen wir unsere Prozesse an.“
Auch wenn offiziell in der Branche vermeldet wurde, dass die Talsohle anscheinend durchschritten sei, sieht Familie Naber die Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Aufschwung noch als sehr volatil. Und rechnet erst ab 2025 mit einer deutlich spürbar ansteigenden Nachfrage. Um sich stabil aufzustellen, behält Naber auch alle Exportmärkte im Blick. „Wir sind seit vielen Jahren in ganz Europa und auch weltweit aktiv. Neben dem deutschen Markt haben wir einen eigenen Außendienst in Österreich, den Niederlanden und Belgien. Den französischen Markt bauen wir derzeit gezielt aus. In anderen Ländern, sowohl in Europa, als auch über die Grenzen Europas hinaus, kooperieren wir mit langjährigen Vertriebspartnern. Wir sind davon überzeugt, dass die Menschen in anderen Ländern ebenfalls ,Mit Naber zu ihrer perfekten Küche‘ kommen können.“

Natürlich hat Familie Naber Wünsche für die Zukunft: „Vorrangig ist, dass unsere Kunden erfolgreich sind. Hierzu unterstützen wir sie nach bestem Wissen mit einem breiten Sortiment, Innovationen, attraktiven Produkten, Verkaufsunterstützung und vielem mehr. Denn nur wenn unsere Kunden wirtschaftlich erfolgreich sind, sind wir es am Ende auch“, resümiert Lasse Naber.









