Donnerstag, 08.04.2021, 10:00 Uhr Homag- & Dürr-CEO Ralf W. Dieter im Interview

„40 Prozent Marktanteil ist das Mindestziel – 2023 wollen wir bei neun Prozent EBIT-Marge sein“

Seit Januar führt Dürr-CEO Ralf W. Dieter als Vorstandsvorsitzender operativ auch die Homag Group. Erste Eckpfeiler sind gesetzt: Er hat klarere Strukturen geschaffen und beispielsweise Komplexität im Vertrieb reduziert. Zudem treibt Ralf W. Dieter die Digitalisierung des Unternehmens voran. Seine ­Erfahrung als Beirats-Vorsitzender der IIoT-Plattform „­Adamos“ dürfte der Homag Group dabei zu Gute kommen...

Dies ist Teil 2 des Interviews mit Ralf W. Dieter. Teil 1 ist gestern auf moebelfertigung.com erschienen. HIER geht es zum ersten Teil.

möbelfertigung: Die Homag Group ist sehr aktiv beim Thema OPC UA – im Zuge der Zusammenarbeit im VDMA geht damit eine viel engere Zusammenarbeit auch mit großen ausländischen Marktbegleitern einher. Ist das nur eine reine Zweckgemeinschaft oder müssen Unternehmen in Zukunft stärker Schulter an Schulter arbeiten?
Ralf W. Dieter:
Der Maschinenbau ist leider nicht für großen Willen zu Kooperationen bekannt. Dabei kann jedes einzelne Unternehmen enorm viel Geld sparen, wenn man sich zumindest auf Schnittstellen einigt und nicht jeder etwas Eigenes entwickeln muss. 2017 hat Dürr die Plattform „Adamos“ mit gegründet, eine strategische Allianz für die Zukunftsthemen Industrie 4.0 und Industrial Internet of Things, die viele wichtige Partner im Maschinen- und Anlagenbau gefunden hat. In Zukunft, denke ich, wird Kooperation noch wichtiger werden. Dafür ist auch der VDMA als neutrale Plattform wichtig.
Dabei können die Erfahrungen von Homag mit „Tapio“ sehr wertvoll sein und es wird große Schritte nach vorne geben. Bislang konnten wir viele Wettbewerber noch nicht davon überzeugen, mit einzusteigen, aber letztlich sind wir so sehr in Vorleistung gegangen, dass es vernünftig wäre, sich anzuschließen.
Aber auch bei „Adamos“ hat es ein paar Jahre gedauert, bevor alle erkannt hatten, dass eine gemeinsame Plattform für jeden Vorteile bringt. Nicht zuletzt für unsere gemeinsamen Kunden.
Die Marktbegleiter von Homag kenne ich noch nicht gut genug, aber mit der Zeit wird man sich annähern.

möbelfertigung: Verstehen Sie denn die Bedenken der Marktbegleiter?
Ralf W. Dieter:
Ja natürlich. „Tapio“ wurde zwar bewusst außerhalb von Homag gegründet, um eben nicht den Eindruck zu erwecken „Die große Homag will jetzt alles an sich reißen“, aber im Markt kam es anscheinend trotzdem so an. „Tapio“ ist aber wirklich genauso neutral wie „Adamos“ und irgendwoher muss die Anfangsinvestition ja kommen. Heute würden wir es sicher anders machen und von Anfang an direkt mit Wettbewerbern zusammenarbeiten, um die Plattform neutraler zu halten. Aber hinterher ist man immer schlauer.

möbelfertigung: Sie sprachen vorhin das Wachstumsfeld „Bauen mit Holz“ bereits an. Vor Kurzem haben Sie das dänische Unternehmen System TM gekauft. Was folgt als Nächstes?
Ralf W. Dieter:
Der richtige Boom dieses Marktes kommt erst noch. Das Thema wird aus der Richtung Nachhaltigkeit ja sehr getrieben, beispielsweise durch die gute CO2-Bilanz. System TM haben wir gekauft, weil wir perspektivisch das strategische Ziel haben, vom Stamm bis zum fertigen Holz-Haus mehr Wertschöpfungsstufen abzudecken. Da fehlt aktuell noch das Thema CLT-Herstellung. Das wäre der nächste Schritt.

möbelfertigung: Wie entscheiden Sie, ob eine Kooperation oder ein Zukauf das richtige Mittel ist?
Ralf W. Dieter:
Na ja, wie lange ist man befreundet, bis man heiratet? Und dann müssen auch noch beide Ja sagen. Bei System TM bot sich die Gelegenheit der 80-prozentigen Beteiligung, die für beide Seiten sinnvoll ist.
Wir wollen im Holzhausbau weiter wachsen und mehr Wertschöpfungsstufen abdecken. Deshalb müssen wir kooperieren, wollen aber auch akquirieren. Dieser Markt ist aktuell in Bewegung. Es gibt viel Gesprächsbedarf und zahlreiche Optionen.

möbelfertigung: Wie kann Homag von der Dürr-Expertise im Bereich Lackieranlagen bezogen auf Holzoberflächen profitieren?
Ralf W. Dieter:
Homag kann auf die Applikationstechnik und das zugehörige Know-how von Dürr zurückgreifen. Das ist eine interessante Nische, mehr nicht. Wir haben nicht vor, komplette Lackieranlagen für Möbel zu bauen.

möbelfertigung: Im Service werden langfristige Kundenbeziehungen entschieden. Zudem ist das Geschäft margenträchtig. Was ist dort geplant?
Ralf W. Dieter:
Der Service kann so viele Stellen schaffen, wie es das Geschäft hergibt. Dort existieren keinerlei Begrenzungen.
Was die Kundenabdeckung angeht sind wir gut, können aber besser werden. Es gibt noch Potenzial. Wir schauen uns genau an, in welchen Märkten wir eine Unterdeckung haben. Dafür stehen uns sehr gute Tools zur Verfügung. Und in manchen Märkten gibt es Nachholbedarf.
Aktuell haben wir 50 Stellen für Europa freigegeben. In China prüfen wir aktuell, sind aber gut aufgestellt. In den USA mit Stiles sowieso, denn Stiles ist in dem Bereich die absolute Benchmark.
Service ist für mich einfach eine Key-Komponente für den langfristigen Erfolg.

möbelfertigung: Homag veröffentlicht in etwa einen Marktanteil um die 30 Prozent. Sind Sie damit zufrieden?
Ralf W. Dieter:
Nein. Für die Größe unseres Unternehmens ist der Marktanteil zu gering. Wir geben Gas, wollen Anteile dazu gewinnen. Das geht nur, wenn wir guten Service, gute Produkte und eine gute Digitalstrategie haben.

möbelfertigung: Trauen Sie sich eine Prognose für das Geschäftsjahr 2021 zu?
Ralf W. Dieter:
Wir peilen einen Auftragseingang von 1,17 bis 1,27 Mrd. Euro an, einen Umsatz von 1,12 bis 1,22 Mrd. Euro und beim EBIT vor Sondereffekten rechnen wir mit einer Marge von vier bis fünf Prozent.
Aktuell deuten die Trends in die richtige Richtung.

möbelfertigung: Als Ziel für die Homag ist mittelfristig ein EBIT von neun Prozent bei einem Marktanteil von 40 Prozent kommuniziert. Wie realistisch ist das?
Ralf W. Dieter:
2023 wollen wir bei neun Prozent EBIT-Marge sein. Beim Marktanteil sind wir je nach Produktreihe sehr unterschiedlich aufgestellt. Ich schaue gerade sehr genau auf die Bereiche, in denen wir nicht so gut dastehen und analysiere, warum das so ist. 40 Prozent Marktanteil ist das Mindestziel. Da werden wir Gas geben. Und wir haben als Dürr-Konzern auch den Atem und die Liquidität um diese Ziele zu erreichen.

möbelfertigung: Das Jahr beinhaltet möglicherweise noch viele Unwägbarkeiten. Die Branche hofft unter anderem, dass die „Ligna“ stattfinden kann. Wie sehen Sie die Entwicklung rund um Messen aus Homag-Sicht?
Ralf W. Dieter:
Man muss das Thema Messen neu denken. Ein Hybrid-Format, wie wir es jetzt planen, mit einem kleineren Stand und mehr Zusatzangeboten im digitalen Format ist die Zukunft. Eine „Ligna“ ist für die Kundenbindung wichtig, insbesondere für kleinere Kunden.
Die meisten Aufträge, die auf einer Messe abgeschlossen werden, wären nach meiner Erfahrung sowieso gekommen. Dies trifft vor allem auf Systemaufträge zu. Wir müssen keine 80-Meter-Anlage ausstellen. Dass wir das können, wissen die Kunden.

möbelfertigung: Eine persönliche Frage: Werden Sie zwischen Bietigheim und Schopfloch pendeln?
Ralf W. Dieter:
Unbedingt: Ich versuche möglichst viel in Schopfloch, aber auch in Herzebrock und an anderen Homag-Standorten zu sein.

Das komplette Interview lesen Sie in der gedruckten „möbelfertigung 3/2021“, die am 28.04. erscheint.

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