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Europäische Laubholzindustrie  | 

Langfristige Herausforderungen und dennoch Chancen

Am 7. und 8. November fand die 10. Internationale Laubholzkonferenz im Hilton Vienna Park in der österreichischen Hauptstadt statt. Gastgeber der Konferenz war der Fachverband der Holzindustrie Österreichs, der die Veranstaltung gemeinsam mit den beiden üblichen Partnern, der Europäischen Organisation der Sägeindustrie (EOS) und der European Timber Trade Federation (ETTF), organisierte.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht, rund 150 Personen aus 26 Ländern der Welt kamen zu der Konferenz. Am 7. Juni hatten die Teilnehmer außerdem die Möglichkeit, eine Studienreise zu machen – die Gruppe besuchte drei Unternehmen, darunter das Parkettunternehmen Weitzer Parkett, den Holzhändler Mühlbauer Holz undd den Massivholzmöbelhersteller TEAM 7.

Am 8. Mai wurde die Konferenz mit einem wirtschaftlichen Überblick von Christoph Schneider vom Economica Institut eröffnet. Schneider zeigte auf, dass sich die zunehmenden globalen Spannungen negativ auf die Stabilität auswirken. Die Unternehmen werden sich in einem zunehmend schwierigeren Umfeld bewegen, aber es werden sich auch Chancen ergeben, wie zum Beispiel die Verbreitung der künstlichen Intelligenz. Silvio Schüler vom Österreichischen Forschungszentrum für Wald hielt einen aufschlussreichen Vortrag über europäische Laubwälder. Der Anteil der Laubwälder nimmt in ganz Europa zu, und mit dem Klimawandel wachsen die Bäume schneller. Die Gesundheit der Wälder ist der Schlüssel für eine stabile Versorgung der Laubholzindustrie mit Rohstoffen. Der Klimawandel und Schädlinge bedrohen jedoch die Vitalität der Wälder. Die Anpassung der Waldbewirtschaftung an diese veränderten Bedingungen ist sehr wichtig, ebenso wie die Steigerung der stofflichen Nutzung von Laubholz.

In der zweiten Sitzung der Konferenz wurden Präsentationen über die Marktsituation in der ganzen Welt gehalten. In ihren einleitenden Bemerkungen wiesen Maria Kiefer-Polz, EOS-Vizepräsidentin für Laubholz, und Ad Wesselink, ETTF-Präsident, darauf hin, dass die letzten Jahre in Europa für die Laubholzunternehmen eine große Herausforderung darstellten. Das große Fragezeichen für die Marktteilnehmer ist, ob der Markt die Talsohle erreicht hat und ob 2025 wirklich das Jahr der Erholung werden kann. Die Laubholzunternehmen müssen sich auch auf eine neue Kostenstruktur einstellen, da die Kosten für Energie, Personal, Ausrüstung uund so weiter gestiegen sind.

Michael Snow vom American Hardwood Export Council zeigte, dass 2024 auch auf der anderen Seite des Atlantiks ein recht schwieriges Jahr ist. Die Produktion in den Vereinigten Staaten befindet sich aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage für praktisch alle Laubholzanwendungen in einem langfristigen Abwärtstrend. Die Exporte nach Übersee sind schleppend, aber insgesamt etwas besser als die Nachfrage in den USA. Die gedämpfte chinesische Nachfrage fordert jedoch ihren Tribut. In seinem Vortrag über den chinesischen Markt betonte James Xu von Shanghai AM Forest Products, wie wichtig es ist, neue Vertriebskanäle wie die lokalen sozialen Medien zu nutzen, um den Marktanteil in dem schwierigen Land zu halten. Innovative Verkaufsmethoden gewinnen in China wirklich an Fahrt.

Jean-Christophe Claudon von der International Timber Trade Organization hielt einen Vortrag über Tropenholz. Der Anteil der Tropenholzproduktion an der gesamten weltweiten Schnittholzproduktion ist in den letzten 30 Jahren mit etwa 13 bis 15 Prozent relativ stabil geblieben. Ein für die Laubholzindustrie sehr wichtiger Markt – der Parkettmarkt – durchläuft ebenfalls eine schwierige Phase, wie Isabelle Brose in ihrem Vortrag über Trends in der europäischen Parkettindustrie zeigte. Die Branche konzentriert sich auf inkrementelle Innovationen, wie beispielsweise wasserbeständige, akustische und intelligente Holzböden.

In der Fragerunde wurde von den Referenten des Vormittags eine bessere Produktwerbung als entscheidend für die Zukunft des Sektors angesehen, zumal jüngere Verbraucher zunehmend auf umweltfreundliche Produkte wie nachhaltig erzeugtes Hartholz achten. Am Nachmittag hielt Harald Mauser vom Europäischen Forstinstitut einen übergreifenden Vortrag über die Auswirkungen der EU-Gesetzgebung auf den Forstwirtschaftssektor. Leider fehlt eine Folgenabschätzung, in der die Kosten der EU-Gesetzgebung für den Sektor berechnet werden, auch in Anbetracht der Tatsache, dass die politischen Maßnahmen, die den Sektor betreffen, immer mehr zunehmen. Die Verringerung des Verwaltungsaufwands ist zwar eines der Ziele der neuen Europäischen Kommission, aber es bleibt abzuwarten, wie dies in der Praxis umgesetzt werden wird. Die verstärkte Betonung einer Kreislaufwirtschaft bietet dem Sektor Chancen, aber der politische Rahmen muss kohärent sein. Der Dialog mit Entscheidungsträgern und der breiten Öffentlichkeit wird für die holzverarbeitende Industrie, auch für die Laubholzindustrie, von entscheidender Bedeutung sein. Anschließend wurden die Zuhörer mit zwei einschlägigen Podiumsdiskussionen konfrontiert.

Ein zentrales Thema der Konferenz, die EU-Verordnung zur Vermeidung von Entwaldung (EUDR), wurde in der ersten Podiumsdiskussion behandelt, der ein umfassender Einführungsvortrag von Franz-Xaver Kraft vom GD Holz vorausging. Die angekündigte Verzögerung des Inkrafttretens, die in Kürze von den EU-Institutionen genehmigt werden soll, wurde von der internationalen Holzindustrie, die hart an der Umsetzung der anspruchsvollen Anforderungen der EUDR arbeitet, zweifelsohne begrüßt. Zertifizierungssysteme wie PEFC und FSC, die ebenfalls auf der Bühne standen, bieten Unternehmen, die die EUDR einhalten wollen, wertvolle Unterstützung, indem sie Rückverfolgbarkeitsrahmen, Risikobewertungsinstrumente, entwaldungsfreie Standards und Dokumentation bereitstellen, die sich eng an die Anforderungen der Verordnung anlehnen. Auch wenn Unternehmen unter Umständen zusätzliche Sorgfaltsmaßnahmen ergreifen müssen, bieten Zertifizierungssysteme eine wirksame Grundlage, um die Einhaltung der EUDR zu gewährleisten und die administrativen, rechtlichen und logistischen Herausforderungen im Zusammenhang mit der neuen Verordnung zu verringern.

Die zweite Diskussion war sehr anregend und konzentrierte sich auf die Innovation im Laubholzsektor. Die Beiträge der Redner konzentrierten sich auf Innovationen im Bereich der Laubholzmöbel und des Bauwesens, sowohl auf die Verwendungsmöglichkeiten von Laubholz im Bauwesen als auch auf das Potenzial von Hybridkonstruktionen auf Holzbasis. Die letzte Sitzung wurde mit einer übergreifenden Präsentation über mögliche neue Materialkonzepte für den Laubholzsektor eröffnet.

Weitere Informationen über die Internationale Laubholzkonferenz 2024 gibt es auf der Website https://ihc2024.at/. Details zur Ausgabe 2026 der Konferenz, die ebenfalls von einem ETTF-Mitgliedsverband ausgerichtet wird, soll es in Kürze geben.

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