Drei von vier Unternehmen wollen US-Geschäft ausweiten
Der VDMA hat im Vorfeld der Jahrespressekonferenz im Dezember einen Umfrage zum Exportmarkt USA erstellt. Mit dem Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump im Januar 2025 muss sich auch der Maschinen- und Anlagenbau im US-Geschäft auf neue Turbulenzen einstellen. „Die Ära Trump 2.0 wird mit einiger Sicherheit disruptiver als die erste Amtszeit. Wir sind auf mehr Störungen vorbereitet, glauben aber, dass der US-Markt nach wie vor Chancen für uns bieten wird“, sagte VDMA-Präsident Bertram Kawlath.

Er berief sich dabei auch auf eine aktuelle VDMA-Umfrage unter 560 Mitgliedsfirmen:
• Demnach wollen die meisten Unternehmen (72 Prozent) ihr USA-Geschäft ausweiten beziehungsweise ein solches aufnehmen. Dabei ausschlaggebend sind insbesondere drei Gründe: Marktgröße (89 Prozent), wachsender Markt (72 Prozent), Nähe zum Kunden (61 Prozent).
• Rund die Hälfte (51 Prozent) der Unternehmen, die eine Intensivierung ihres USA-Geschäfts planen, möchte dies in Form von Produktion oder Montage tun.
• US-Importzölle in Höhe von 10 bis 20 Prozent auf alle Importe hätten dabei einen starken (49 Prozent) oder sehr starken Einfluss (19 Prozent) auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen

„Wir müssen damit rechnen, dass Amerikas Konfrontation mit China in der zweiten Amtszeit von Donald Trump verschärft wird. Wir sehen hier einen harten Wettbewerb um die Vormachtstellung in der Welt, den China bis 2049 zu seinen Gunsten entschieden haben möchte. Auf diesen Schlagabtausch müssen sich die Maschinenbaufirmen in Deutschland und Europa unbedingt vorbereiten“, mahnte Kawlath. Allerdings: „Um die Reindustrialisierung Amerikas voranzutreiben, wird das Land weiterhin wichtige Investitionsgüter aus Europa und Asien benötigen. Langfristig sehen wir darin eine Chance“, ergänzte er.

Mit Blick auf China erwartet den Maschinen- und Anlagenbau eine zunehmend verschärfte Konkurrenz – auch auf Drittmärkten. Gestützt wird dies auch durch staatliche Eingriffe, die den Wettbewerb verzerren. „Generell bieten chinesische Unternehmen in vielen Sektoren ihre Produkte zu nicht nachvollziehbaren Preisen an. Mit unserer Wettbewerbsstudie zu China vom Juli 2024 haben wir belegt, dass es in China zahlreiche Subventionierungen der Maschinenbauunternehmen auf allen Ebenen gibt. Hier fordern wir ganz klar, dass die deutsche und europäische Politik nicht lockerlässt und auf Einhaltung der WTO-Regeln beharrt. Das heißt auch, dass chinesischen Wettbewerbsverstößen mit WTO-konformen Maßnahmen begegnet werden sollte“, betonte der VDMA-Präsident.

Die aggressive Handels- und Wettbewerbspolitik Chinas bedeute für die deutsche Industrie, dass eine De-Risking Strategie essenziell für den zukünftigen Geschäftserfolg wird. Deutsche und europäische Maschinenbauunternehmen bewerten Risiken aufgrund der aktuellen geopolitischen Gegebenheiten und Erfahrungen derzeit neu. Eine Blaupause für alle könne es dabei nicht geben, da der Maschinen- und Anlagenbau sehr unterschiedlich strukturiert ist und verschiedenste Geschäftsmodelle verfolgt, erläuterte Kawlath. „Es muss aber hinterfragt werden, inwieweit ein reines Exportmodell aus Deutschland beziehungsweise Europa heraus nach China noch tragen kann. In vielen Fällen wird das wohl nicht mehr reichen, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens auf dem chinesischen Markt zu sichern“, warnte er.
Auch wenn die Regierungskrisen in Europa und die Kriege in der Ukraine und in Nahost derzeit das politische Geschehen bestimmen – „die große Herausforderung, den Klimawandel in den Griff zu bekommen stellt sich mit unveränderter Dringlichkeit“, betonte der VDMA-Präsident. „Die Klima-Transformation ist und bleibt eine globale Schicksalsfrage – und bietet eine große Chance für den Maschinen- und vor allem Anlagenbau.“
Kawlath lobte dabei den Beschluss auf der gerade abgelaufenen Weltklimakonferenz (COP29) in Baku, die Grundlage für einen globalen Markt für Emissionsminderungen zu schaffen. Dies habe das Potential, den Klimaschutz weltweit kostengünstiger zu machen und Technologien schneller global auszurollen. „Das System braucht aber noch viel Arbeit. Deshalb auch hier unser klarer Appell: die neue Bundesregierung und die neue EU-Kommission müssen Klimaschutz und Energiewende vereinfachen und marktlicher organisieren“, sagte der VDMA-Präsident. „Globale Chancen zu nutzen und Wertschöpfung in Deutschland und Europa aufzubauen und zu halten, funktioniert aber nur, wenn man die EU nicht zum globalen Maßstab macht. Wir brauchen pragmatische Herangehensweisen und Lösungen auf allen Ebenen.“
Export Maschinen- und Anlagenbau VDMA









