Der Cutterbereich ist extrem dynamisch
Welche Technologietrends gibt es bei den Maschinenanbietern für stoff- und lederverarbeitende Branchen? Und was sind besondere Herausforderungen? Die möbelfertigung hat mit Elgar Straub, Geschäftsführer des VDMA Bayern und Fachverband VDMA Textile Care, Fabric and Leather Technologies (TFL), gesprochen.
möbelfertigung: Herr Straub, vor Kurzem hat sich die Branche in Frankfurt anlässlich der „Texprocess“ getroffen. Können Sie die Messe noch einmal Revue passieren?
Elgar Straub: Die Stimmung in der Branche sowie in den meisten Abnehmerbranchen ist momentan etwas verhalten, dementsprechend waren auch die Erwartungen an die Messe zurückhaltend. Die Lager beispielsweise der Bekleidungs- oder Möbelhersteller sind voll und da wird eher weniger in neue Technologien investiert. Allerdings stehen auch die Kundenbranchen vor neuen Herausforderungen wie stetig neue Anforderungen an Nachhaltigkeit oder dem Arbeitskräftemangel. Diese können sie nur mit Investitionen in neue Technologien, Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung lösen. Das war auf der „Texprocess“ zu spüren. Die meisten unserer Mitgliedsfirmen waren rundum zufrieden mit der Messe, ihre Erwartungen wurden auf jeden Fall übertroffen.
möbelfertigung: Offiziell wurde von einem Ausstelleranstieg gesprochen. Rein flächenmäßig war es bei der „Texprocess“ aber ein Rückgang und vor allem verschwinden immer mehr „große“ Namen. Wie ist Ihre Einschätzung?
Elgar Straub: Die „Texprocess“ ist nach wie vor die beste Plattform für die Anbieter von Technologien zur Verarbeitung textiler und flexibler Materialien. Nur hier können sie ihre neuesten Technologien den internationalen Besuchern präsentieren. Auch die Internationalität der „Texprocess“ kann momentan keine andere Messe in dieser Branche bieten. Die Branche, sowohl auf Technologieherstellerseite als auch auf Kundenseite, braucht solch eine Plattform in Europa mit dem weltweiten Blick auf die Zukunft der Produktion.
möbelfertigung: Bei der „Texprocess“ war Künstliche Intelligenz ein wichtiger Fokus. Inwiefern kann KI Maschinenanbietern helfen, Produktionen ihrer Kunden zu verbessern?
Elgar Straub: KI kann helfen, Produktionsprozesse zu optimieren und sich wiederholende Aufgaben zu automatisieren und somit die Effizienz in der Produktion steigern. Des Weiteren kann KI große Datenmengen analysieren, Korrelationen erkennen und Prozesse optimieren, die Kunden erhalten bessere Leistung und Ergebnisse.
Ebenso kann der Zustand von Maschinen mit KI überwacht werden und Wartungsanforderungen vorhersagt werden. Dadurch werden Ausfallzeiten minimiert und die Produktionsanlagen effizienter genutzt. KI kann auch Betriebsdaten analysieren, um Engpässe und Ineffizienzen zu ermitteln. Durch die Optimierung von Produktionsprozessen können Hersteller ihre Gesamtproduktion steigern. Auch bei der Optimierung der Lieferkette, der Bestandsverwaltung und der Bedarfsprognose kann KI helfen und trägt so zu einer besseren Ressourcenzuweisung und Kostensenkung bei.
möbelfertigung: Auch Ihre Mitglieder hatten, in Abhängigkeit von den Kunden, zweistellige Auftragsrückgänge. Ist schon wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen?
Elgar Straub: Nach den teilweise Rekordauftragseingängen von 2022 musste auch unsere Branche 2023 und 2024 Rückgänge verkraften, jedoch bei weitem nicht in dem Umfang wie andere Branchen. Langsam erholen sich die Auftragseingänge. Die „Texprocess“ hat viele positive Impulse gegeben, um den Investitionsstau zu lösen.
möbelfertigung: Sie sind lange in der Branche: Steht uns eine weitere „Konsolidierungsrunde“ bevor, eine weitere Abwanderung von Branchen und vor allem produzierender Unternehmen – oder ist eine konsequente Automatisierung die richtige Antwort?
Elgar Straub: Konsequente Automatisierung und Digitalisierung sind genau die Antwort, um einer weiteren Abwanderung der textilverarbeitenden Branchen vorzubeugen. Wenn die Unternehmen jetzt in neue Technologien investieren, können sie sich den aktuellen Herausforderungen wie Nachhaltigkeitsforderungen von politischer und Konsumentenseite, sich ständig verändernde Kundenerwartungen oder der Arbeitskräftemangel, stellen – Herausforderungen, die übrigens weltweit bestehen, nicht nur in Europa.
möbelfertigung: Mehr als viele andere Fachverbände im VDMA hat „Ihr“ Fachverband viele ausländische Mitglieder, ist bis hin zum Namen international angelegt. Wie wichtig ist Deutschland, wenn wir beispielsweise den Bereich Stoff- und Lederzuschnitt betrachten?
Elgar Straub: Wenn es um den Bereich Bekleidungsherstellung geht, wird in Deutschland in der Tat immer weniger produziert. Aber grundsätzlich ist die Textil- und Bekleidungsindustrie nach wie vor eine wichtige Branche in Deutschland. Insbesondere technische Textilien, die sich zum umsatzstärksten Bereich der Industrie entwickelt haben, spielen eine wichtige Rolle. Deutschland nimmt eine weltweit führende Position in der Herstellung und Verarbeitung technischer Textilien ein, die in immer mehr Branchen Verwendung finden, von der Medizintechnik über die Automobilindustrie und Bauindustrie bis hin zur Schutzkleidung und Filterindustrie.
möbelfertigung: Im Cutterbereich erlebten wir schon einige Übernahmen, genauso wie Hersteller, die auf Maschinen anderer aufbauen und sich dann durch die Software unterscheiden. Es gibt zudem verhältnismäßig viele „junge“ Branchenteilnehmer und immer wieder kommen ganz neue dazu. Wie sehen Sie diesen Bereich?
Elgar Straub: Der Cutting Bereich ist definitiv der Bereich, in dem im Augenblick in der Textilverarbeitung am meisten passiert. Hier gibt es richtungsweisende Innovationen, gerade hinsichtlich Automatisierung, Digitalisierung und KI-Nutzung. Auch der Datenfluss zu nachgelagerten Technologien wie beispielsweise dem Digitaldruck oder das Nähen wird immer breiter.
möbelfertigung: Wenn Sie mit Ihren Mitgliedern sprechen, gibt es welche, die nach wie vor ganz konkret die Möbelindustrie im Blick haben? Oder ist es aufgrund der Abwanderung von Polstermöbelproduktionsstätten einfacher, sich auf Automobiler und natürlich den Fashionsektor zu konzentrieren?
Elgar Straub: Für viele unserer Mitgliedsfirmen ist die Möbelindustrie eine wichtige Kundenindustrie und wird es auch bleiben. Es gibt ja nach wie vor hochwertige Möbelhersteller, die in Deutschland und Europa ansässig sind und gerade diese sind es, die an den neuesten Technologien interessiert sind.
möbelfertigung: Was ist das nächste Highlight für die Mitglieder des VDMA TFL?
Elgar Straub: Im VDMA TFL sind die Hersteller von Textile Care Technologien, Schuh- und Ledertechnik, Näh- und Bekleidungstechnik sowie Technologien zur Verarbeitung technischer Textilien vereint. Das nächste Highlight unserer Branche ist die Texcare, die Weltleitmesse für die Textilpflege, die vom 6. bis 9. November 2024 in Frankfurt stattfindet.
möbelfertigung: Gibt es etwas, was Sie sich für die Branchen – und auch Ihre Mitglieder – wünschen würden?
Elgar Straub: Mehr Vertrauen in unternehmerische Selbstverantwortung – auch beim Thema Nachhaltigkeit.
CAD/CAM, Elgar Straub/VDMA Textile Care, Fabric and Leather Technologies, VDMA, VDMA Textile Care, Fabric and Leather Technologies















