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Hecht AG und Fraunhofer ITWM
Hecht AG und Fraunhofer ITWM  | 

55 Jahre Messtechnik trifft auf KI-Expertise

Die Anforderungen an die Qualitätskontrolle in der Möbel­industrie verändern sich rasant. Losgröße 1, steigende ­Qualitätsansprüche und der zunehmende Fachkräftemangel ­verlangen nach neuen Lösungen. Gleichzeitig eröffnet Künstliche Intelligenz der industriellen Bildverarbeitung Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren kaum denkbar waren. Mit 55 Jahren ­Er­fahrung entwickelt die Hecht AG Mess- und Inspektionslösungen für die Möbelindustrie. Um neue Technologien gezielt in ­praxistaugliche Anwendungen zu überführen, arbeitet das ­Unternehmen seit vielen Jahren eng mit dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM zusammen. Über die gemeinsame Zusammenarbeit, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft der Qualitätskontrolle sprach die möbelfertigung mit Michael Hettich, Vorstand der Hecht AG, und Markus Rauhut, Leiter der Abteilung „Bildverarbeitung und Inspektionssysteme“ am Fraunhofer ITWM.

möbelfertigung: Herr Hettich, Herr Rauhut, Sie arbeiten bereits seit vielen Jahren zusammen. Was macht diese Partnerschaft so besonders?

Michael Hettich: Unsere erste gemeinsame Zusammenarbeit liegt mittlerweile über zehn Jahre zurück. Uns hat von Anfang an überzeugt, dass wir dieselbe Sicht auf Innovation haben. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, was technisch möglich ist, sondern welchen konkreten Nutzen der Kunde davon hat.

Seit mehreren Jahrzehnten beschäftigen wir uns mit den Anforderungen der ­Möbelindustrie. Wir kennen die Produktionsprozesse, die ­Abläufe und die Herausforderungen unserer Kunden sehr genau. Dieses Branchenverständnis bildet bis heute die Grundlage jeder neuen Entwicklung. Genau deshalb verfolgen wir gemeinsam mit dem Fraunhofer ITWM einen sehr praxis­orientierten Ansatz: Neue Technologien müssen den Produktionsalltag verbessern und unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten.

Markus Rauhut: Das beruht auf Gegenseitigkeit. Hecht bringt ein außergewöhnlich tiefes Verständnis für die Möbelindustrie mit. ­Dieses Wissen ist für uns als Forschungsinstitut enorm wertvoll.

Wir verstehen uns deshalb nicht als klassischer Forschungsdienstleister. Beide Teams arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Hecht kennt die Anwendung und die An­forderungen der Möbelhersteller bis ins Detail. Wir er­gänzen dieses Wissen durch unsere Expertise in Bildverarbeitung, Künstlicher Intelligenz und mathematischen Methoden. Erst ­diese Kombination ermöglicht Lösungen, die wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig industriell einsetzbar sind.

möbelfertigung: Die Hecht AG entwickelt seit über fünf Jahrzehnten Lösungen für die Möbelindustrie. Welche Rolle spielt diese Erfahrung heute – gerade vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz?

Michael Hettich: Unsere größte Stärke ist das Verständnis für die Branche. Die Möbel­fertigung gehört heute zu den anspruchsvollsten Produktionsumgebungen überhaupt. Unterschiedlichste Bauteile, Materialien, ­Dekore und Bearbeitungen laufen in ­kürzester Zeit über dieselben Fertigungslinien. Kaum ein Werkstück gleicht dem anderen.

Natürlich entwickelt sich die Technologie permanent weiter. Gerade Künstliche Intelligenz eröffnet heute Möglichkeiten, die wir vor einigen Jahren noch nicht hatten. Trotzdem bleibt unser Grundsatz unverändert: Technologie muss den Menschen unterstützen und darf niemals Selbstzweck sein.

Wir könnten immer mehr Sensoren, ­Kameras und Funktionen integrieren. Entscheidend ist aber, dass eine Anlage für den Anwender beherrschbar bleibt. Die beste Techno­logie nützt nichts, wenn sie im Produktionsalltag nicht genutzt wird. Deshalb suchen wir bewusst nach Lösungen, die einen möglichst großen Nutzen bieten, ohne un­nötige Komplexität zu schaffen. Genau an diesem Punkt ergänzt uns das Fraunhofer ITWM ideal.

möbelfertigung: Herr Rauhut, wo liegt aus Ihrer Sicht die besondere Stärke dieser Zusammenarbeit?

Markus Rauhut: Forschung allein löst noch kein Problem in der Produktion. Genauso reicht Branchenwissen allein nicht aus, wenn neue Technologien hinzukommen. Deshalb profitieren beide Seiten voneinander.

Bei uns arbeiten Spezialisten für Künstliche Intelligenz, Bildverarbeitung und mathe­matische Verfahren. Gleichzeitig lernen wir durch die enge Zusammenarbeit mit Hecht die Anforderungen der Möbelindustrie bis ins Detail kennen. Dieses Zusammenspiel sorgt dafür, dass wir Methoden entwickeln, die nicht nur im Labor funktionieren, sondern sich ­später auch in einer realen Fertigung bewähren.

Für uns ist genau das erfolgreiche An­wendungsforschung.

Das komplette Interview lesen Sie in der möbelfertigung 3/26, sofort HIER als E-Magazin verfügbar.

Top-Themen der Ausgabe: Branchentreff „Möbler Meilen“, Yacht-Interieur als „schwimmende Architektur“ von Lissoni & Partners, Kreislaufwirtschaft für Büromöbel, neue Designansätze von Schattdecor zwischen Individualisierung und Klarheit, KI trifft Messtechnik bei Hecht und Fraunhofer ITWM, Wachstumsperspektiven in Asien mit Sesa, Qualität und Nachhaltigkeit beim Rehau-Kantensymposium, innovative Materialien wie Baumrindenvlies von Europlac/Bark Cloth, lückenlose Flächen- und Kantenveredelung von Hymmen, neue Interior-Trends von Egger, Interprint und Impress, Gesundheit und Wohnlichkeit im Objektbereich mit Häfele und Himacs, Produktionsoptimierung für Losgröße 1, ambitionierte Wachstumsziele bei Heesemann sowie Ausblicke auf die IWF Atlanta und weitere internationale Branchenmessen.

Fraunhofer ITWM, Hecht AG, Messtechnik, Möbelfertigung