Gemeinsam innovative PET-Produkte und höchste Liefersicherheit bieten
Diese Nachricht bewegt die Branche – und hat bei einigen Anbietern von Möbel-Folien für Aufregung gesorgt: Schattdecor ist bei Fine Decor ab sofort mit 50 Prozent beteiligt. Doch wie kam es zu dieser Partnerschaft und welche Ziele verfolgen die Unternehmen? Die „möbelfertigung“ sprach mit Roland Auer, Vorstandsvorsitzender von Schattdecor, und Hasan Sekmann, Geschäftsführer von Fine Decor.
möbelfertigung: Herr Auer, Herr Sekmann, warum haben sich Schattdecor und Fine Decor gleich für eine Beteiligung von 50 Prozent entschieden, statt erstmal „nur“ eine Kooperation einzugehen?
Hasan Sekmann: Aus unserer Sicht war das ein logischer Schritt. Natürlich hätten wir unseren Weg auch allein weitergehen können, denn Fine Decor ist gut im Markt positioniert. Doch mit einem starken Partner wie Schattdecor an unserer Seite können wir unsere Ziele deutlich schneller erreichen. So erweitert Schattdecor – seiner Vision konsequent folgend – das Produktportfolio stetig um neue zukunftsfähige Produkte. Gleichzeitig möchte Fine Europa eine schlagkräftige Produktion von nachhaltigen PET-Folien bieten. Hier ergänzen sich die Visionen beider Unternehmen: Dekorkompetenz trifft auf Innovation.
Roland Auer: Hinzu kommt, dass es zwischen den Unternehmen einfach „passt“. Sowohl menschlich mit Herrn Sekmann und seiner Mannschaft als auch hinsichtlich der Produktkompetenzen. Wir beschäftigen uns schon länger mit dem Thema Thermoplast als sinnvolle Ergänzung zu papierbasierenden Substraten. Mit dem Angebot an recyceltem PET erschließen wir einerseits ein neues bedruckbares Substrat, darüber hinaus gehen wir damit auch den konsequenten Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Wenn man sich mit so einer Produktgruppe beziehungsweise einem Werkstoff tiefgehender auseinandersetzt, stellt sich irgendwann die Frage, ob man sich das nötige Know-how selbst aneignet oder sich mit jemandem zusammentut, der die nötigen Kompetenzen bereits besitzt. Mit der Beteiligung haben wir uns für beides entschieden. Ein weiterer und sehr wichtiger Pluspunkt: Fine Decor ist ein absolut gesundes und erfolgreiches Unternehmen ohne Altlasten.
möbelfertigung: Wann haben Sie die Gespräche für die Kooperation begonnen?
Roland Auer: Im April dieses Jahres. Dabei kamen wir sehr schnell und konstruktiv voran. Schnell haben wir gemerkt, dass wir dieselbe Leidenschaft für Produkt und Kunde teilen und voll motiviert an Neuheiten für die Zukunft arbeiten. Zusammen bieten wir die perfekte Symbiose aus nachhaltigem Substrat und langjähriger Designexpertise.
möbelfertigung: Schon jetzt gibt es mit „Fineflex“ ein erstes gemeinsames Produkt. Welche Märkte möchten Sie mit dem, im Bereich der Finished Surfaces erweiterten Portfolios, angehen?
Roland Auer: Ganz klar Zentraleuropa. Hier hat Fine Decor mit seinem gut etablierten Lacklaminat bereits eine sehr starke Position, die wir weiter ausbauen wollen. In nächsten Steps möchten wir die Märkte in Osteuropa, Asien und Nordamerika bedienen.
Hasan Sekmann: Wir bieten der europäischen Möbelindustrie mehrere Vorteile, denn im Gegensatz zu unseren Produkten stammen viele PET-Angebote aus Asien. Mit unserer europäischen Produktion sorgen wir für größtmögliche Liefersicherheit. Ein Aspekt, der gerade in den letzten eineinhalb Jahren sehr in den Fokus vieler Unternehmen gerückt ist. Darüber hinaus ist Fine Decor für die hohe Recycling-Quote seiner Produkte bekannt. So verfügt das hier auf der „Sicam“ ausgestellte Produkt „Fineflex“ über einen Recycling-Anteil von 70 Prozent. Auch dieser Faktor spielt für immer mehr Unternehmen – allein aufgrund der wachsenden Nachfrage der Endverbraucher hinsichtlich nachhaltiger Produkte – eine große Rolle.
möbelfertigung: Wie sehen im Vergleich zu PET die Zukunft von PVC?
Hasan Sekmann: Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeits-Debatte verliert PVC immer mehr Marktanteile. Bei Fine Decor spielt das Material quasi keine Rolle mehr. Vielleicht macht PVC aktuell noch zwei bis drei Prozent unseres Portfolios aus. Bald wieder es ganz aus unserem Angebot verschwunden sein.
Roland Auer: Gerade die europäische Küchenmöbelindustrie geht stark in den PET-Bereich und pusht das Wachstum für die Produkte.
möbelfertigung: Soll es künftig eigene PET-Kollektionen mit Dekoren geben?
Roland Auer: Auf jeden Fall. Wir beschäftigen uns sehr stark mit dem Thema Weiterverarbeitung von PET-Folie und loten aus, mit welchen Farben und Lacksystemen sich die besten Ergebnisse erzielen lassen. Bislang ist das Angebot von Fine Decor mit 98 Prozent absolut von Unis dominiert. Natürlich bleibt der Uni-Anteil in Zukunft ebenfalls hoch, wird aber um eine signifikant steigende Menge an Dekoren ergänzt – selbstverständlich in der bewährten Schattdecor-Qualität, die Kunden zukünftig auch als PET erhalten können.
Hasan Sekmann: Fine Decor ist bereits für Produkte hoher Qualität bekannt, die sich hervorragend verarbeiten lassen. Nun wird die exzellente Optik der verschiedenen Lackoberflächen, die wir seit langem bieten, zusätzlich durch die starke Designexpertise von Schattdecor ergänzt.
möbelfertigung: Was bedeutet die Beteiligung an Fine Decor für die Hersteller von tiefziehfähiger Folie, wie Continental oder Renolit, mit denen Schattdecor bislang aktiv ist?
Roland Auer: Wir werden natürlich auch in Zukunft mit diesen Unternehmen partnerschaftlich zusammenarbeiten und sind mit diesen bereits in Gesprächen. Denn nichts liegt uns ferner, als diese guten Geschäftsbeziehungen, aus denen viele hervorragende Produkte hervorgegangen sind und noch hervorgehen sollen, zu gefährden.
Schattdecor/Fine Decor exklusiv: Roland Auer und Hasan Sekmann im Interview









