Freitag, 08.01.2021, 10:05 Uhr VDM/„Lehrfabrik Möbel“

In Ostwestfalen entsteht ein neuartiges Trainingscenter für die Möbelindustrie

Probleme bei der Gewinnung von Auszubildenden, Fachkräftemangel, Hürden zur Weiterbildung von Angestellten – auch in der Möbelindustrie sind das alles drängende Probleme. Deshalb beauftragten die Möbelverbände Anfang des Jahres 2020 die Beratungsfirma Zeus GmbH aus Paderborn, die schon diverse Trainingszentren und branchenorientierte Lehrfabriken gebaut hat, mit einer Marktstudie für ein innovatives Trainingscenter für die Möbelbranche – eine „Lehrfabrik Möbel“.

„Die Möbelindustrie ist ein wichtiger Arbeitsmarktmotor in Deutschland“, erklärt Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM) und der Herforder Möbelfachverbände. „Die Corona-Pandemie zeigt aktuell einmal mehr den hohen Stellenwert unserer Branche auf. Umso bedeutender ist es, langfristig die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich dieser Industriezweig erfolgreich entwickeln kann. Und das bezieht definitiv auch Personalthemen mit ein – insbesondere mit Blick auf den ab 2025 zu erwartenden rapiden Rückgang an Fachkräften.“

Im ersten Schritt ging es bei der Studie darum, die Machbarkeit zur Schaffung eines hochmodernen Trainingszentrums mit etwa 2.000 Quadratmetern in Ostwestfalen nahe der A2/A30 zu überprüfen. Hier sollen alle technischen Fähigkeiten in und nach der Ausbildung wie etwa Holzmechaniker, Mechatroniker und viele weitere Berufe der Möbelindustrie erlernt werden können. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Erhöhung der Attraktivität des Berufsbildes Holzmechaniker zu, der Fokus liegt zudem auf regelmäßigen Fortbildungen der gesamten Belegschaft eines Möbelherstellers. Darüber hinaus soll die Einrichtung interessierten Möbelherstellern beim Recruiting von Schülern und anderen Zielgruppen helfen.

Die Resonanz war enorm: „Die Idee, eine Trainingskapazität für industrielle Möbelfertigung zu schaffen, scheint vielen Unternehmen unter den Nägel zu brennen“, beschreibt Markus Kamann, Geschäftsführer der Zeus GmbH und Bang-Ausbildungsnetzwerke – und damit ein echter Profi in Sachen Personalausbildung und -vermittlung im Mittelstand. „Insofern bekamen wir sehr schnell viele positive Rückmeldungen.“

Nach einem allgemeinen Aufruf in der Fachpresse, haben Kamann und sein Team von Juli bis Ende November knapp 40 Unternehmen angesprochen. Nur sechs davon haben nach den Vorinformationen abgesagt, zum Beispiel weil sie in diese Richtung nicht ausbilden, ihr Standort zu weit entfernt von einer möglichen Lokation in Ostwestfalen ist, die Auftragslage für die kommenden Jahre nicht sicher bewertet werden kann oder aktuell andere Projekte zu viele Kapazitäten binden.

Hingegen war die Mehrheit der Unternehmen, die das Beratungsunternehmen Zeus im Auftrag des Möbelverbandes kontaktierte, Feuer und Flamme. 12 Küchenmöbelproduzenten, 7 Wohnraummöbel-, 5 Büromöbel-, 3 Schlafzimmermöbel- und 6 Badezimmerhersteller zeigen Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Zudem noch einige Non-Label-Produktionsallrounder, deren Interesse es ist, Mitarbeiter in der Breite des Spektrums und der Anlagen zu qualifizieren.

Und wo Möbelspezialisten mit an Bord sind, zeigen natürlich auch Maschinenproduzenten für die holzverarbeitende Industrie großes Interesse. 15 Top-Anlagenbauer haben bereits ihre Unterstützung als Technologiepartner bei Design, Planung, Bau und Verkettung der Anlagen in der künftigen „Lehrfabrik Möbel“ angeboten. Genauso verhält es sich mit den Werkstoff-Zulieferern: 11 namhafte Unternehmen wollen die Materialien stellen, die in der „Lehrfabrik Möbel“ verbaut werden. Das schafft einerseits realistische Voraussetzungen für die Schulungen, anderseits reduziert es die Betriebskosten der „Lehrfabrik Möbel“ deutlich. Die Technologiepartner sollen ergänzend die Chance bekommen, spezielle Seminare an ihren Anlagen anzubieten – und leisten so einen weiteren Beitrag zur Nutzung des entstehenden Maschinen- und Anlagenpotenzials.

Natürlich sind weitere Partner absolut willkommen. Unternehmen der Möbelindustrie aus Nordrhein-Westfalen, aber auch dem südlichen Niedersachsen und nördlichen Hessen, die sich für das Konzept interessieren, sollten sich mit dem Möbelverband in Herford in Verbindung setzen. Noch bis zum Februar ist es möglich, persönliche und unverbindliche Informationsgespräche zu vereinbaren. Kamann fasst seinen Auftrag noch einmal mit wenigen Worten zusammen: „Eines ist klar: Die Bedarfe der Möbelhersteller und ihrer Partner sind unser Pflichtenheft.“

Nächster Meilenstein wird im April 2021 die finale Entscheidung sein, ob aus der Studie eine reale Firma wird. Bis Ende März 2021 soll die Studie vollendet werden mit Modellrechnung, Rechtsform, Gründungspapieren, Standortvorschlag und letztlich der Vorstellung des Ganzen im Vorstand des Verbands der deutschen Möbelindustrie. Bis Ende April soll das Commitment der Technologiepartner und die Entscheidung der Nutzer, also der einzelnen Unternehmen, stehen. Im Mai könnte dann die Gründung erfolgen, im Juni das Überplanen der Fläche und die Ausschreibung der Halle.

Im vierten Quartal des kommenden Jahres soll Baubeginn sein, im zweiten Quartal 2022 die Installation von Maschinen und Anlagen. Im darauffolgenden Quartal die Projektierung und im vierten Quartal 2022 stünde dann bereits die Eröffnung und der Beginn des Lehrbetriebs mit ersten Seminaren an den Anlagen an. Der reguläre Betrieb der „Lehrfabrik Möbel“ wird für das dritte Quartal 2023 angestrebt.

Weitere Informationen rund um die Lehrfabrik gibt es in der „möbelfertigung“, Ausgabe 1/2021.

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