„Werre-Quartier Bordinghouse Löhne“ eröffnet – 9 Mio. Euro Invest gegen Fachkräftemangel
Mit einer feierlichen Eröffnung ist heute das „Werre-Quartier Boardinghouse Löhne“ in Betrieb genommen worden. Die neue Einrichtung auf dem Gelände der Lehrfabrik Möbelindustrie verbindet Wohnen auf Zeit mit Qualifizierung, Integration und beruflichem Onboarding. Nach knapp einjähriger Bauzeit wurde das Gebäude im Beisein der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerin Mona Neubaur offiziell eröffnet.
„Fachkräftesicherung beginnt nicht erst am ersten Arbeitstag. Sie beginnt bei der Frage: Wie kommen Menschen hier an – beruflich und ganz persönlich? Das Boardinghouse in Löhne gibt darauf eine überzeugende Antwort. Es zeigt, wie moderne Strukturpolitik gelingt: Ein Ort, an dem Fachkräfte lernen, arbeiten, Kontakte knüpfen und sich zu Hause fühlen können“, sagte Neubaur in ihrer Eröffnungsrede. Das Boardinghouse wurde im Rahmen des Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramms Infrastruktur vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen mit 8,1 Mio. Euro gefördert. Insgesamt belaufen sich die Kosten für Bau und Inbetriebnahme auf rund 9 Mio. Euro. Die Einrichtung soll dem Fachkräftemangel vor Ort entgegenwirken und neue Möglichkeiten für die Aus- und Weiterbildung sowie für ein branchenübergreifendes Onboarding in Ostwestfalen-Lippe schaffen.
Mirco Schmidt, Landrat des Kreises Herford, sieht in dem neuen Angebot einen großen Standortvorteil: „Die Zukunftsfähigkeit unserer Region hängt ganz wesentlich davon ab, ob es uns gelingt, Arbeitskräfte für unsere Unternehmen zu gewinnen und ihnen gleichzeitig gute Bedingungen zum Leben und Arbeiten zu bieten. Ein Boardinghouse ist mehr als eine Unterkunft – es wird zu einem nachhaltigen Instrument der Wirtschaftsförderung, das allen Unternehmen der Region zu Verfügung steht.“

Mit dem Boardinghouse wird Auszubildenden und Fachkräften aus dem In- und Ausland während ihrer beruflichen Qualifikation eine attraktive und bezahlbare Unterkunft sowie umfassende Unterstützung geboten. Das zweigeschossige Gebäude ist nach neusten ökologischen und technologischen Standards konzipiert und verfügt über 30 helle, modern eingerichtete Zimmer sowie eine Dachterrasse mit Blick auf die Werre. Dazu kommen ein Fitnessraum und eine Calisthenics-Fitness-Anlage, eine Chill-Lounge sowie zahlreiche Betreuungsangebote.
Für die Lehrfabrik Möbelindustrie stellt das „Werre-Quartier“ einen weiteren Baustein auf dem Weg zu einem bundesweiten Kompetenzzentrum für die Qualifizierung der Branche dar. „Viele Möbelhersteller aus anderen Teilen Deutschlands haben großes Interesse an den Aus- und Weiterbildungsangeboten der Lehrfabrik“, so Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der Deutschen Möbelindustrie und Vorstand der Lehrfabrik. In dem hochmodernen Ausbildungszentrum können Aus- und Weiterzubildende ihre Fertigkeiten unter realistischen Produktionsbedingungen an neuesten Maschinen weiterentwickeln – ohne Angst vor Fehlern und dem Druck im Produktionsalltag eines Unternehmens. „Mit der Eröffnung des Werre-Quartiers schließen wir eine wichtige Lücke. Wer zur Qualifizierung nach Löhne kommt, findet nun nicht nur moderne Lernbedingungen, sondern auch ein attraktives Zuhause auf Zeit.“ Das „Werre-Quartier Boardinghouse Löhne“ werde beste Voraussetzungen für einen gelungenen Start in der Region bieten.
Dabei versteht sich das Boardinghouse nicht nur als reine Unterkunft: „Es soll ein Ort sein, an dem Kontakte entstehen, Orientierung gegeben wird und Gemeinschaft wächst“, erklärt Lehrfabrik-Geschäftsführer Markus Kamann. Maximal sechs Monate können Schulungsteilnehmende oder Fachkräfte in der Einrichtung wohnen. In dieser Zeit besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an Onboarding- und Schulungsangeboten. Dazu zählen Sprachkurse, interkulturelle Begleitung, Freizeitangebote, Karriere-Coachings und Netzwerk-Events. Das Boardinghouse steht ausdrücklich Personen und Unternehmen aus allen Branchen der Region offen. Der Fokus liegt dabei auf dem Onboarding von Fachkräften und der beruflichen Qualifikation.
Als Betreiber des „Werre-Quartiers“ konnte mit Friedrich Kirchner ein lokaler Gastronom gefunden werden. Träger ist die Genossenschaft der Lehrfabrik Möbelindustrie. Begleitet wird das Projekt durch einen Fachbeirat aus Wirtschaft und Institutionen. Der laufende Betrieb wird durch Unternehmensbeiträge und Mieteinnahmen gesichert. Die Zimmervermietung an Unternehmen, die ihre Auszubildenden und Fachkräfte aus dem In- und Ausland während der Qualifizierungsphase unterbringen, bildet dabei die wirtschaftliche Grundlage.
Das Projekt der Lehrfabrik Möbelindustrie haben die Möbelverbände unter Federführung des VHK Westfalen-Lippe gemeinsam mit dem Dienstleistungspartner Zeus GmbH entwickelt. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus der Möbelindustrie und den beteiligten Kommunen wurde im Juli 2021 die gemeinnützige Genossenschaft Lehrfabrik Möbelindustrie eG gegründet. Sie fungiert als Trägerin des Projekts und zählt heute 18 Mitglieder, darunter den Kreis Herford, die Stadt Löhne, die Möbelverbände sowie zahlreiche Möbelhersteller der Region.
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