Mehr Häuser und deutlicher Renovierungswille
In Zeiten eines schwächelnden Marktes in Deutschland rücken immer wieder Auslandsmärkte stärker in den Fokus. Auch Nordamerika ist regelmäßig dabei im Gespräch – aber wie sieht es wirklich aktuell in den U.S.A. aus, wo steht der Immobilien- und Renovierungssektor?
Wertvolle Impulse dafür, wo die Reise hingehen könnte, liefert regelmäßig die Zillow Group, ein US-amerikanisches Unternehmen aus Seattle. Zillow ist der nach eigenen Angaben führende Online-Immobilienmarktplatz in den Vereinigten Staaten und hat damit Daten an der Hand, die regelmäßig einen Überblick über Angebot und Nachfrage und dementsprechend auch eine Entwicklung über Monate und Jahre darstellen können. Im März veröffentlichte das Unternehmen beispielsweise, dass es einen großen Zustrom neuer Verkaufsangebote gibt. Was dazu führt, dass Eigenheime in den Staaten weniger stark an Wert zulegen: Ein größeres Angebot ohne vermehrte Nachfrage lässt Immobilienpreise sinken. Zillow reduzierte mittlerweile die eigene Prognose der Wertsteigerung von 4 auf 0,5 Prozent in 2024. Auch in den U.S.A. drücken hohe Hypothekenzinsen auf die Nachfrage nach Wohnraum, dementsprechend ist das Verkaufsvolumen begrenzt und es gibt aktuell keinen „Käufermarkt“. Die Zillow-Prognose geht von 4,06 Millionen Verkäufen bestehender Eigenheime im Jahr 2024 aus, was leicht unter dem Niveau von 4,09 Millionen im Jahr 2023 und unter unserer früheren Prognose von 4,14 Millionen Verkäufen bestehender Eigenheime in diesem Jahr liegt.
Die deutliche Beschleunigung der im Februar auf den Markt gekommenen neuen Angebote hat bisher noch nicht zu einem vergleichbaren Anstieg der Verkaufsaktivitäten geführt, obwohl dies in den kommenden Wochen und Monaten noch der Fall sein könnte. Dennoch lässt sich mit diesen Zahlen arbeiten: Denn Hausverkauf heißt in der Regel auch an vielen Stellen neue Einrichtung.
Belebter US-Wohnungsbau
Und: Auch der zuletzt in den USA stockende Wohnungsbau kommt wieder ins Rollen. GTAI Germany Trade & Invest fasst zusammen: „Die Wende ist geschafft: Nachdem die Tätigkeit im Wohnungsbau im ersten Halbjahr 2023 vor allem wegen der stark gestiegenen Zinsen eingebrochen war, erholte sie sich anschließend stetig. Zum Herbst standen die Zeichen sogar wieder auf Wachstum. Und es gibt gute Gründe dafür, von einem längerfristigen Aufwärtstrend auszugehen. Die Zeiten der rasanten Zinssteigerungen sind definitiv vorbei. Die amerikanische Notenbank Fed ließ im Dezember 2023 verlautbaren, dass sie für 2024 drei Senkungsschritte anvisiere. Die Märkte reagierten umgehend. Lagen die Zinsen für 30-jährige Hypothekenkredite Ende Oktober 2023 im Durchschnitt bei 7,8 Prozent, fielen sie zum Jahresende auf 6,6 Prozent. Dies geht aus Zahlen des staatlich geförderten Baufinanzierers Freddie Mac hervor.
Zwar soll sich die allgemeine Konjunktur 2024 – insbesondere im ersten Halbjahr – deutlich abkühlen. Allerdings erwarten Ökonomen eine ,weiche Landung‘, denn bereits ab dem Sommer soll es wieder aufwärts gehen, und für 2025 wird ein solides Wirtschaftswachstum erwartet. Da sich die Zinssenkungspolitik laut einhelliger Einschätzung von Finanzanalysten ebenfalls fortsetzen wird, spricht wenig gegen eine dauerhafte Belebung der privaten Bautätigkeit.“ Also auch hier positive Signale für die Möbelindustrie. GTAI recherchierte weiter: „Laut dem Dodge Construction Network könnte der Wert der neu begonnenen Projekte im Wohnungsbau 2024 um 11 Prozent auf knapp 406 Milliarden US-Dollar (US$) wachsen, nach einem Minus von 13 Prozent im Jahr 2023. Andere Institute geben sich deutlich vorsichtiger. Es ist in den USA aber nicht ungewöhnlich, dass die Marktanalysen verschiedener Anbieter stark voneinander abweichen. Ein Wachstum im höheren einstelligen Bereich und darüber hinaus erscheint angesichts der Rahmenbedingungen plausibel.“
Wachstumsmotor Renovierungen
Fehlt noch eine dritte Säule, um die Chancen auszuloten, in den USA Möbel zu verkaufen. Hausrenovierungen. Hier hilft die Umfrage von G&S Communications aus New York aus dem Februar 2024. Mehr als 350 US-Eigenheimbesitzern wurden zu ihren Vorhaben befragt, um Einblicke in Renovierungsmotivationen, Budgets sowie Design- und Produktpräferenzen in den nächsten fünf Jahren zu gewinnen. Laut der G&S-Umfrage plant mehr als die Hälfte der befragten Hausbesitzer – 58 Prozent – in den nächsten fünf Jahren Renovierungsarbeiten an ihrem derzeitigen Haus, wobei die größten Budgets zwischen 10.000 und 25.000 US-Dollar (26 %) und zwischen 25.000 und 50.000 US-Dollar (21 %) liegen.
Die drei wichtigsten Räume oder Teile der Wohnung, die die Befragten in den nächsten fünf Jahren renovieren wollen, sind die Küche (32 %), das Badezimmer (20 %) und der Hauptwohnbereich (14 %). Ergänzend zu diesen Ergebnissen sind die drei wichtigsten Produktkategorien, die die Hausbesitzer in Betracht ziehen, Arbeitsplatten (54 %), Bodenbeläge (48 %) und Schränke (45 %).
Das Alter der Häuser variiert zwischen sehr alten Häusern, die zwischen 1700 und 1899 gebaut wurden, und sehr neuen Häusern, die zwischen 2020 und 2024 entstanden sind. Aber am häufigsten zeigte sich der Renovierungswille bei Häusern, die zwischen 2000 und 2009 (19 %) und 2010 und 2019 (14 %) errichtet wurden.
Diese Kombination aus Renovierungen in naher Zukunft und größeren Projekten bei Häusern, die wahrscheinlich bereits erste Abnutzungserscheinungen und ein veraltetes Design aufweisen, sind vielversprechende Daten für professionelle Renovierungsfirmen, Architektur- und Designbüros, Produktmarken, die längerfristige Kommunikationsstrategien planen und natürlich Möbelhersteller. Jetzt ist es an der Zeit, das Bewusstsein der Hausbesitzer zu schärfen und die Beziehungen über die nächsten Jahre zu stärken, wenn diejenigen, die ein Projekt in Betracht ziehen, in die Entscheidungsphase eintreten.
Überblick über den Küchen- und Badmöbelbereich
Auch die National Kitchen and Bath Association (NKBA), Veranstalter der jährlichen Küchen- und Badmöbelmesse „KBIS“ ermittelt Daten zur Branche und erstellt Prognosen. Aus dem „NKBA K&B Market Outlook Report“ geht hervor, dass Küchen- und Bad-Professionals eine Umsatzsteigerung von rund 7 Prozent im Jahr 2024 erwarten. Dabei vorerst als „Gewinner“ wurden Hersteller ausgemacht, das Konsumersegment „Luxus/Haushalte mit hohem Einkommen“. Und auch im Bericht des NKBA sind Renovierungen der Schlüsselfaktor für steigende Umsätze. Todd Tomalak, Direktor im Bereich Bauproduktberatung beim US-Unternehmen Zonda wird folgendermaßen zitiert: „Der fundamentale Rückenwind auf dem Markt lässt vermuten, dass das Jahrzehnt von 2020-2030 als ,das goldene Zeitalter des Umbaus“ bekannt werden könnte.“ Davon könnten deutsche Hersteller gleichermaßen profitieren.
Natürlich gibt es in den USA, wie auch vielen anderen Märkten, Besonderheiten. Und auch hier spielen einigen Entwicklungen deutschen Herstellern, die traditionell vielfach eine erstklassige Qualität bieten, in die Karten. Mehr darüber lässt sich im Podcast #35 „Indiawood & KBIS“ erfahren, in denen frisch in Amerika gewonnene Eindrücke wiedergegeben werden. Am besten gleich reinhören! Hier geht es zu den Podcasts: https://moebelfertigungpodcast.libsyn.com/
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