„Ein digitaler Mitarbeiter für die Werkstatt“
Digitalisierung muss weder teuer noch kompliziert sein. Marco Kner von COISS erklärt im Gespräch, wie Holzverarbeiter ihren Maschinenpark – egal ob neu oder 80 Jahre alt – in wenigen Minuten smart machen, warum WhatsApp dabei eine zentrale Rolle spielt und wie Sensorik sogar bei Versicherungsproblemen hilft.
möbelfertigung: Herr Kner, was ist die Mission von COISS?
Marco Kner: Unsere Mission ist es, Holzverarbeitern zu helfen, einfache Systeme zu schaffen und diese schnell zu implementieren, ohne die Produktion aufzuhalten. Wir wollen der regionale Ansprechpartner sein, der Lösungen integriert, während die Maschinen weiterlaufen. Unser Produkt ist genau darauf ausgelegt: In einem Tischler- oder Schreinerbetrieb haben wir die Maschinen oft innerhalb von 20 Minuten ausgerüstet und digital angebunden. Es geht um einfache, kostengünstige Lösungen.
möbelfertigung: Das Stichwort „kostengünstig“ ist für viele Betriebe entscheidend. Was zeichnet COISS da aus?
Marco Kner: Die Frage ist immer, welche Daten der Betrieb wirklich braucht. Meistens will man wissen: Läuft die Maschine? Ist sie produktiv? Gibt es eine Hitzequelle? Ich kann nicht immer zum Maschinenhersteller gehen, der für eine Schnittstelle 5.000 Euro verlangt, plus ein System für 43.000 Euro. Und das für jeden Maschinensatz.
Durch unsere Sensoren kostet die Digitalisierung einer Maschine nur etwa 300 Euro. Zudem haben wir gelernt, dass viele Kunden kein Abo-Modell wollen. Davon haben alle ohnehin schon zu viele. Deshalb bieten wir neben einer Mietvariante auch den Kauf an. Wir vermeiden bewusst teure Cloud-Lösungen wie AWS oder Azure, die immense monatliche Kosten verursachen können. Bei uns hat jeder Kunde eine eigene Serverinstanz.
möbelfertigung: Sie setzen auf eigene Sensorik. Was genau wird gemessen?
Marco Kner: Wir entwickeln und fertigen unsere Sensoren selbst mitten in Linz. Die Platinen kaufen wir natürlich ein, werden aber auch extra für unsere Anforderungen speziell hergestellt. Wir nutzen aktive Sensoren, die einfach an die Maschine angedrückt werden und Thermalkameras. Ein einziger Sensor misst Aktivität, Temperatur, Vibration und Lage. Wir erkennen sofort: Steht die Maschine? Gibt es Vibrationen, Crashs oder Metallkontakt? Das sieht einfach aus und ist auch einfach in der Anwendung, aber im Inneren sind die Sensoren sehr komplex. Im Grunde muss man nur einschalten und dann läuft es. Dann muss nur alle fünf Jahre die Batterie gewechselt werden.
möbelfertigung: Wie kommen diese Daten dann zum Anwender?
Marco Kner: Neben einer zentralen Plattform setzen wir stark auf eine Chat-Integration, etwa per WhatsApp oder anderen Messenger-Diensten. Der Bot meldet sich proaktiv, wie ein digitaler Mitarbeiter. Er schreibt zum Beispiel: „Maschine 5 hat seit drei Stunden wiederkehrende Hitze. Noch nicht kritisch, aber bitte ansehen.“ Oder er meldet Crashs. Ziel ist eine „blinde Fertigungsüberwachung“: Der Betreiber muss nicht ständig auf einen Monitor schauen, sondern wird benachrichtigt, wenn Handlungsbedarf besteht. Dazu gibt es automatische Wochenreports über Produktivität und Auffälligkeiten. Mit der genauen Uhrzeit von Auffälligkeiten.
möbelfertigung: Muss man das System aufwendig anlernen?
Marco Kner: Nein. Der Algorithmus arbeitet sofort und erreicht spätestens nach 48 Stunden eine Genauigkeit von 98 Prozent. Das funktioniert auch bei Sondermaschinen. Wir geben bei der Montage lediglich Tipps für den idealen Sitz des Sensors.
möbelfertigung: Funktioniert das auch bei sehr alten Maschinen, wie sie im Handwerk oft noch stehen?
Marco Kner: Gerade dort funktioniert es hervorragend. Wir haben Maschinen digitalisiert, die 80 oder 100 Jahre alt sind. Je älter die Maschine, desto robuster und eindeutiger ist oft das Vibrationsmuster. Wir sind bisher noch auf keine einzige Maschine gestoßen, bei der unsere Sensoren nicht funktioniert haben.
möbelfertigung: Sie thematisieren auch Vorteile beim Versicherungsschutz. Was hat Sensorik damit zu tun?
Marco Kner: In der Holzbranche gibt es derzeit massive Versicherungskündigungen. Versicherer identifizieren Gefahrenquellen und wenn es zu viele gibt,, ist ein Betrieb nicht mehr versicherbar. Genau an diesen Gefahrenquellen können wir Sensoren platzieren, um Risiken – etwa durch Hitzeentwicklung – zu minimieren. Das kann Kündigungen verhindern, wenn man sich mit seinem Versicherer mal ernsthaft auseinandersetzt. Unser System kann zudem Alarmanrufe an bis zu fünf Personen auslösen, was oft effektiver ist als manche Brandschutzanlage.
möbelfertigung: Haben Sie ein konkretes Beispiel, was die Überwachung in der Praxis bringt?
Marco Kner: In einem Sägewerk konnten wir bei einem Förderband durch drei Sensoren und einen Strommesser einen potenziellen Stillstandsschaden von ca. 23.000 Euro verhindern. Wir haben erkannt, wann das Band rutscht oder nachgespannt werden muss. Viele Kunden berichten uns zudem, dass unser Planungstool ihnen im Alltag quasi einen Mitarbeiter einspart, weil unnötige Wege wegfallen.
möbelfertigung: Wo seht ihr euren Kernmarkt?
Marco Kner: Unser Fokus liegt auf der DACH-Region. Das System kann aber weltweit eingesetzt werden und in jeder Sprache gesteuert werden. Wir konzentrieren uns bewusst auf die Holzbranche vom mittelgroßen Handwerksbetrieb bis zum großen Betrieb mit alten Maschinen. Die Branche ist sehr persönlich, man arbeitet von Mensch zu Mensch. Das gefällt uns.
Marco Knerr wird sein System am 12. März um 13.30 Uhr auf der MIKO Connect in Bielefeld präsentieren. Außerdem am 24. März, 14 Uhr im Zukunftsraum auf der Holz-Handwerk in Nürnberg.















