Montag, 14.11.2022, 14:23 Uhr VDMA

Brasilien bleibt im Fokus der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer

Brasilien bleibt für die Maschinen- und Anlagenbauer aus Deutschland auch nach der jüngsten Präsidentenwahl ein attraktiver Standort. Laut einer aktuellen Konjunkturumfrage des VDMA, an der sich knapp 80 Mitgliedsfirmen in Brasilien beteiligt haben, erwartet die Hälfte der Befragten einen steigenden Auftragseingang im nächsten Quartal. Lediglich 12 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Für das laufende Jahr rechnen die Firmen im Durchschnitt mit einem Umsatzplus von 17 Prozent, 2023 wird dann ein Wachstum von sechs Prozent erwartet. „Probleme bereiten allerdings die Knappheit an Rohstoffen und Vormaterialeien und der Mangel an Fachkräften. Corona-Restriktionen spielen dagegen kaum noch eine Rolle“, erläutert Thomas Ulbrich, Geschäftsführer des VDMA in Brasilien. „Die Unternehmen sind sehr optimistisch, dass Europa seinen Blick wieder verstärkt nach Südamerika richten wird und den Reichtum dieses Teils des Kontinents erkennt”, ergänzt er.

Positiv bewerten die Unternehmen auch ihre Auftragslage: 41 Prozent der befragten Firmen melden einen Auftragsbestand, der über dem Normalwert liegt, 42 Prozent haben einen normalen Auftragsbestand. Lediglich 17 Prozent verbuchen derzeit einen unterdurchschnittlichen Wert. Bei den Aufträgen, die speziell von außerhalb Brasiliens kommen, sieht das Bild etwas getrübter aus. Hier gaben 26 Prozent an, dass sie unter den Erwartungen liegen, lediglich 18 Prozent meldeten über den Erwartungen liegende Bestellvolumen.

Grundsätzlich sehen die Maschinenbauer in Brasilien politische Veränderungen aus Erfahrung mit einer gewissen Gelassenheit, erläutert Ulbrich. „Jenseits aller Bekenntnisse der Politiker wissen die VDMA-Mitglieder hier aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass das Land moderne Maschinen und Anlagen braucht, um seinen enormen Reichtum zu nutzen.12 Prozent der Wasserreserven der Erde sind hier, das Potential an Solarstrom ist fast unendlich, Brasilien ist einer der führenden Nahrungsmittelerzeuger der Erde“, erläutert der VDMA-Geschäftsführer.

Die große Herausforderung bleibt indes die Logistik. „Obwohl Brasilien mit 11 von 13 Ländern in Südamerika eine gemeinsame Landesgrenze hat, erschweren viele Faktoren, vor allem die Logistik, den Verkauf in die Nachbarländer. Oft ist es für die Kunden dort einfacher und preiswerter, die Maschine aus Deutschland zu bestellen als in Brasilien” erklärt Ulbrich.

Auf ihrer Mitgliederversammlung in São Bernado diskutierten die brasilianischen Mitgliedsfirmen des VDMA auch die möglichen Auswirkungen des anstehenden Präsidentenwechsels in Brasilien. Die Wahlversprechen von Lula da Silva umfassen enorme Ausgaben für Sozialprogramme. Die bis jetzt geltende Maximalausgabensperre soll beseitigt werden, was zu einer weiteren Erhöhung der Inflation – aktuell sieben Prozent – führen könnte. Die notwendige Steuerreform könnte nicht die gewünschte Vereinfachung und Entbürokratisierung bringen, sondern eine weitere Belastung der Unternehmen. Auch die Hoffnung, dass das Mercosur-Freihandelsabkommen durch Abschluss einer umweltfreundlichen Zusatzvereinbarung ratifiziert werden kann, hat einen Dämpfer erhalten: Präsident Lula verlangt Nachbesserungen im bereits unterzeichneten Abkommen.

„Noch offen ist, wie es mit den Investitionen weitergehen wird. Auf der einen Seite scheinen ausländische Investoren wieder Geld ins Land zu bringen. Auf der anderen Seite befürchten viele Beobachter, dass die Privatisierung von Staatsbetrieben unter Lula nicht vorangetrieben, ja sogar rückgängig gemacht werden könnte“, resümiert VDMA-Geschäftsführer Ulbrich.

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