Dienstag, 30.11.2021, 17:05 Uhr Von Dekodur über Mafell bis Züblin Timber

Ranga Yogeshwar ehrt Top-Innovatoren

Virtuell, aber nicht weniger glanzvoll: Auf einer Onlinekonferenz würdigte Wissenschaftsjournalist und Top 100-Mentor Ranga Yogeshwar am 26. November die Leistungen der Preisträger des Innovationswettbewerbs Top 100. Ausgezeichnet wurden unter anderem auch Dekodur, Emma Sleep, Fluck Holzbau, Georg Reisch, Grohe, Hansgrohe, Hundegger Heinrich Meyer-Werke Breloh, J. Wagner, Mafell, MeisterWerke Schulte, Palette CAD, Safelog, Schock, Schuler Consulting, Teamplan Josef Meyer und Züblin Timber, die es als Mittelstandsunternehmen ins Top 100-Finale geschafft hatten. In diesem Jahr erhielten insgesamt 300 mittelständische Unternehmen das Top 100-Siegel 2021. Beworben hatten sich 435 Unternehmen.

Die Coronakrise sei nach wie vor eine große unternehmerische Herausforderung, machte Ranga Yogeshwar deutlich. „Wie reagieren Unternehmen, wenn plötzlich Selbstverständlichkeiten wegbrechen? Wenn sich das Umfeld radikal ändert?“, fragte er. „Wahre Innovatoren verändern sich ständig, erfinden sich neu und stoßen dabei auf überraschende Lösungen“, würdigte Yogeshwar die Leistungen der Top 100-Unternehmen. „Während der Coronakrise haben sie zum Beispiel Chancen erkannt und innovative Prozesse in Rekordzeit erarbeitet“, sagte er.

Das Top 100-Siegel wurde in drei Größenklassen vergeben: bis 50 Mitarbeiter, 51 bis 200 Mitarbeiter und mehr als 200 Mitarbeiter. Innovationsforscher Prof. Dr. Nikolaus Franke und sein Team analysierten die Bewerber vor der Vergabe des Siegels anhand von mehr als 100 Leistungsindikatoren in fünf Kategorien. So legten die Teilnehmer beispielsweise dar, wie innovativ das Top-Management die Prozesse im Unternehmen strukturiert oder auf welche Weise Mitarbeiter ihre innovativen Ideen einbringen können. In einer Sonderkategorie untersuchten die Forscher zudem, wie die Teilnehmer unternehmerisch auf die Coronakrise reagiert hatten.

Verschiedene Kennzahlen zeigen, dass Innovationen sich positiv auf den Unternehmenserfolg auswirken: So liegt das Umsatzwachstum der Top-Innovatoren 25,7 Prozentpunkte über dem Branchenschnitt. 36,3 Prozent ihres Umsatzes erzielten sie dabei mit Marktneuheiten oder innovativen Verbesserungen. Aufgrund neu entwickelter innovativer Prozesse waren die Mittelständler in der Lage, 8,4 Prozent der Gesamtkosten einzusparen.

Aus einem einfachen Sägewerk entstand die DI Dekodur International GmbH & Co. KG aus Hirschhorn, heute ein weltweiter Spezialist auf dem Gebiet von Hochdruckschichtstoffplatten (HPL) für den Innenausbau. Dank einer konsequenten innovativen Ausrichtung, intensiver Marktbeobachtung und einem regen Innovationsklima bietet das Unternehmen Architekten und anderen Kunden eine riesige Bandbreite an Metalloberflächen: kunstvoll bedruckt, magnetisch, verspiegelt, rutschhemmend, CO2-neutral und noch vieles mehr. Dass Geschäftsführer Rolf van den Berg und seinem Team die Ideen nicht ausgehen, bewiesen sie auch während der Coronakrise: Die Fachleute mit Metallerfahrung wussten bereits, dass unbeschichtetes Kupfer antiviral wirkt und entwickelten in nur drei Monaten eine antivirale Oberfläche aus Kupfernanopartikeln, auf der sich Coronaviren nur wenige Stunden halten können. Auch hier erwiesen sich also die Innovationsfreude, die Flexibilität und die schlanken Prozesse als die großen Vorteile dieses Mittelständlers.

Die Emma Sleep GmbH erlebt seit ihrer Gründung 2015 einen stetigen Höhenflug. Das verdankt dieser Frankfurter Hersteller neuer Matratzengenerationen vor allem einem Innovationsklima, in dem sich jeder der 800 Beschäftigten jeden Tag verwirklichen kann. Der Umsatz lag 2020 mit 405 Mio. Euro um 170 Prozent über dem des Vorjahres. Jeder Mitarbeiter kommt auf 52 Weiterbildungstage pro Jahr. Es gab 2020 insgesamt 4.500 Verbesserungsvorschläge. Ein herausragendes Beispiel für den Innovationsgeist der Mitarbeiter ist die jüngst entwickelte „Emma Motion“: Die smarte Matratze ist mit künstlicher Intelligenz ausgestattet und nimmt via Sensorik jede Veränderung der Schlafposition wahr. Sie passt sich dementsprechend an und führt somit zu einer permanent ausgerichteten Wirbelsäule.

Nach dem Geheimnis seines Erfolgs gefragt, antwortet der Zimmerermeister und staatlich geprüfte Betriebsmanager Florian Fluck ebenso prägnant wie treffend: „Ich bin von Haus aus innovativ.“ Dafür spricht das stete Wachstum der von ihm gegründeten und geleiteten Fluck Holzbau GmbH mit Sitz im badischen Blumberg. Das Unternehmen gilt im Schwarzwald und in der benachbarten Nordschweiz als führend beim ökologisch nachhaltigen Bau von Holzgebäuden mit Rohstoffen und Produkten aus der Region. In nur zwölf Jahren hat Florian Fluck sein Unternehmen von einer herkömmlichen Manufaktur mit einer Handvoll Mitarbeiter zu einem weitestgehend automatisiert fertigenden mittelständischen Handwerksbetrieb geformt. Für private Bauherren sowie für gewerbliche und kommunale Auftraggeber errichtet die Fluck Holzbau GmbH im Umkreis von ungefähr Hundert Kilometern schlüsselfertige Häuser jeglicher Größenordnung aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz.

Ein wesentlicher Grund für die Innovationserfolge der Georg Reisch GmbH & Co. KG liegt darin, dass sie wichtige Trends im Baugewerbe früh erkennt und für sich zu nutzen weiß. So konzentriert sich dieser Firmenverbund mit Sitz in Bad Saulgau derzeit vor allem auf energieeffizientes Bauen sowie auf komplett selbst geplante und realisierte Objekte. Ein zunehmend wichtiges Geschäftsfeld sind energieeffiziente Häuser, und dort wiederum steigt die Nachfrage nach dem Ökobaustoff Holz deutlich. „Früher beschränkte sich das auf Individualisten“, sagt der Geschäftsführer. „Inzwischen liegt die Zahl der aus Holz errichteten Eigenheime, Kitas oder Schulen aber weit höher als man denkt.“ Deshalb experimentiert man bei Georg Reisch derzeit mit innovativen Holzbauweisen und -baustoffen mit Blick auf eine ideale Schall- und Wärmedämmung mehrgeschossiger Immobilien.

Der Holzbau ist seit Jahren ein Wachstumsmarkt: Holz ist sinnlich und warm, es lässt sich fantastisch bearbeiten und ist vor allem nachhaltig. Die Hans Hundegger AG in Hawangen hat sich dank zahlreicher Innovationserfolge vom Ein-Mann-Betrieb zum Weltmarktführer beim Bau von Maschinen für die Holz verarbeitende Industrie entwickelt. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende Hans Hundegger setzte schon 1984 mit der Konzeption der ersten computergesteuerten Abbundmaschine einen Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Unter „Abbund“ versteht man das Vorbereiten von Holzkonstruktionen. Früher machte man das von Hand, heute erledigen dies die Maschinen von Hundegger. Und sie machen das sehr intelligent, denn mit der eigenen Software „Cambium“ hat dieser Maschinenbauer eine Lösung entwickelt, durch die der manuelle Programmieraufwand für die Maschinen entfällt. Hinzu kommt, dass nun alle Geräte mit nur einem Programm angesteuert werden können – ein Leuchtturmprojekt. Die Software bildet den gesamten Produktionsprozess ab: von der Konstruktion über die Arbeitsvorbereitung bis zum fertigen Bauteil.

Unternehmen in Familienhand agieren verantwortungsvoll, mit Weitblick und können sich deshalb auf dem Markt behaupten. Zu diesem Erfolg trägt nicht zuletzt die Fähigkeit bei, sich über Generationen hinweg immer wieder zu erneuern und technologische Innovation voranzutreiben. So auch bei der Heinrich Meyer-Werke Breloh GmbH und Co. KG im niedersächsischen Munster, einem Systemanbieter in Sachen Fenster, Türen und mehr, dessen Top-Management die Entstehung von Neuem konsequent fördert. Moritz Meyer leitet die HM-Werke in der siebten Generation gemeinsam mit seinem Vater. Der Mut zum Wandel war und ist ständige Maxime. Heute sind mehr als 200 Beschäftigte in dem Unternehmen tätig, zu dem acht Sparten gehören. Der Fokus liegt auf dem Bau von Fenstern und Türen. Das Portfolio wird ergänzt durch Carports und Terrassenüberdachungen sowie maßgefertigte Gartenschränke. „Ein hoher Qualitätsanspruch ist unser Motor für Innovationen“, erklärt der Geschäftsführer Volker Meyer.

Mit agiler Transformation, die gleichzeitig die Innovationskraft stärkt, punktet Grohe. Jeden einzelnen Mitarbeiter zu befähigen, sein Potenzial voll zu entfalten, dieses Erfolgsprinzip prägt das Innovationsklima. Grohe beschäftigt insgesamt mehr als 6.500 Mitarbeiter, davon 2.600 in Deutschland und ist Teil der internationalen Lixil Corporation. Im Fokus der aktuellen Innovationsprozesse stehen nachhaltige Produkte wie „Grohe Blue“, ein Wassersystem für die Küche, das Plastikflaschen unnötig macht.

Hansgrohe hält den Erfindergeist wach. Dafür stehen 15.000 aktive Schutzrechte. Der Armaturen- und Brausenhersteller aus Schiltach beschäftigt sich schon seit 120 Jahren mit der Kultivierung des Wassers, hüllt seine Ideen in außergewöhnlich schöne Formen und integriert gleichzeitig moderne Technik ins Design. Das Streben nach Innovation ist tief in der DNA von Hansgrohe und seinen 4.714 Beschäftigten verankert. Mensch, Wasser und Nachhaltigkeit prägen das Handeln der Gruppe. „Wir betreiben Innovationsmanagement, um die Lebensqualität des Einzelnen zu verbessern“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Hans Jürgen Kalmbach. Er sorgt dafür, dass im „Innovations Lab“ interdisziplinäre Teams große Freiheit in der Erarbeitung von Konzepten genießen.

Kann das gutgehen? Ein Unternehmen, das sich Meriten mit Technologien für das Beschichten von Oberflächen verdient, will auch in der Kosmetikbranche mitmischen. Im Fall der J. Wagner GmbH darf man zuversichtlich sein: Der Maschinenbauer mit Hauptsitz in Markdorf nahe dem Bodensee hat das Zeug dazu, sich dieses zusätzliche Geschäftsfeld zu erschließen. Das ist nur eines der ehrgeizigen Projekte, die derzeit gestemmt werden, auch dank innovativer Prozesse und Organisationsmethoden. Bekannt ist dieser Mittelständler als einer der führenden Hersteller von Geräten und Anlagen, mit denen Pulver, Lacke und Farben auf Oberflächen aufgebracht werden. Sein Portfolio reicht von der Heimwerker-Sprühpistole bis zum industriellen Beschichtungssystem. Von jeher zeichnet die bereits 1947 gegründete Firma Innovationsdrang aus, jetzt legt sie noch einige Schippen drauf: „Mit unserer Unternehmensstrategie ‚Winnovation 2025‘ streben wir auf dem Gebiet der Nass- und Pulverapplikationen nichts Geringeres an als die Technologieführerschaft“, sagt der Geschäftsführer Dr. Bruno Niemeyer.

Die 1899 gegründete und seit 1935 im Familienbesitz befindliche Mafell AG vereint Innovation und Kontinuität. Sie ist nah an den Wurzeln und bodenständig, richtet aber gleichzeitig den Blick immer nach vorn. Diese Experten entwickeln und produzieren professionelle handgeführte Elektrowerkzeuge für das Holzhandwerk – stets nach der Maxime „Creating Excellence“. Vor allem in der Außenorientierung gehen sie neue Wege.

Ob Parkett, Laminat oder Designboden – wenn Fachleute nach Hartbodenbelägen oder auch Wand- und Deckenverkleidungen suchen, werden sie bei der MeisterWerke Schulte GmbH fündig: Das Familienunternehmen aus dem Kreis Soest fertigt seine hochwertigen Produkte im eigenen Haus und vertreibt sie über den Fach- oder Großhandel in die ganze Welt. Der Seniorchef ist ganz vorn mit dabei, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte oder die Optimierung interner Prozesse geht.

Wenn es darum geht, Räume zu gestalten, können Tischler oder Schreiner, Innenarchitekt oder Badgestalter auf die Software der Palette CAD GmbH zugreifen. Als einzige Anbieterin auf dem Markt hat sie eine Software entwickelt, die von allen Branchen, die am Innenausbau beteiligt sind, verwendet werden kann. Über eine App kann sich der Endkunde dann die visualisierten Planungen anschauen. Für neue Ideen setzt die Geschäftsleitung auf viele Impulse von außen.

Beim Kommissionieren und Transportieren kommen zunehmend fahrerlose Transportsysteme zum Einsatz. Auf diesem Gebiet international führend ist die oberbayrische Safelog GmbH mit ihren intelligenten Transportrobotern. Der Erfolg dieser Innovation basiert auf 25 Jahren Erfahrung in der Sparte Logistiklösungen. Neue Ideen und Projekte entstehen bei diesen Intralogistikspezialisten oft in wissenschaftlichen Kooperationen oder in den Hackathons der Entwicklungsabteilung.

Erfindergeist und ein innovatives Marketing, die den Megatrend Individualität ebenso aufgreifen wie das wachsende Umweltbewusstsein in der Gesellschaft, zeichnen Schock aus. Der Mittelständler aus Bayern hat die Spüle zum Trendprodukt gemacht und ist ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit mit „Sink green“. Mit der Punklegende Iggy Pop gelingt es Emotionen zu wecken. „Wir gestalten unseren Marketingauftritt ganz bewusst positiv-irritierend“, so Geschäftsführer Sven-Michael Funck.

Einen Parkplatz hat wohl jedes Unternehmen, dazu verpflichtet die Bauordnung. Die Schuler Consulting GmbH hat darüber hinaus aber noch einen besonderen Parkplatz – nämlich einen für neue Ideen. Die besten von ihnen herauszugreifen, auszuprobieren und zu realisieren bringt diese Unternehmensberater nicht nur ökonomisch voran, sondern schafft auch ein Klima, in dem innovative Ideen und Prozesse gedeihen. Die Mitarbeiter bringen so viele Vorschläge ein, dass man sich jedes Jahr neu entscheiden muss, mit welchen man sich zuerst beschäftigt. Unternehmensberatung für Kunden aus der internationalen Holz- und Möbelindustrie – darin liegt die Kernkompetenz von Schuler. Die wichtigsten Themen ihrer Beratungsprojekte sind: Industrie 4.0, Controlling, Lean Production, kontinuierlicher Informationsfluss, technische Produktstandardisierung und strategische Produktionsentwicklung.

Kundenwünsche erfüllen, die Komplexität im Auge behalten und die Produktivität steigern – das sind die Leitlinien der Teamplan Josef Meyer GmbH. Damit ist der Hersteller zertifizierter Sicherheitsarchitektur für Banken und funktionaler Einrichtungen für internationale Unternehmenszentralen seit 125 Jahren erfolgreich. Hinzu kommt ein positives Innovationsklima, das von kontinuierlicher Weiterbildung geprägt ist. So entwickelt man im Team immer wieder neue kundenspezifische Konzepte rund um den Kernwerkstoff Holz.

Hohe interne Transparenz, eine hochwertige duale Ausbildung, eine Weiterbildungsakademie der Muttergesellschaft, enger Kontakt zu Forschungseinrichtungen und Hochschulen – die Züblin Timber GmbH tut viel dafür, Holzbau für Nachwuchskräfte attraktiv zu machen. Ihr Innovationsklima ist durch Freiräume gekennzeichnet: Die Mitarbeiter werden zu Unternehmern im Unternehmen. Zusätzlich bewirken systematische Prozesse, dass gute Ideen auch realisiert werden.


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