Montag, 22.11.2021, 07:00 Uhr VDMA

Gemeinsam gegen Cybercrime und Cybertäter

Das Bundeskriminalamt (BKA) und der VDMA haben eine vertiefte Zusammenarbeit vereinbart. Durch gegenseitigen Erfahrungs- und Informationsaustausch soll erreicht werden, dass Cybercrime in den Unternehmen mehr beachtet und die Verfolgung von Cybertätern durch deutsche Sicherheitsbehörden gefördert werden.

Das Gefährdungspotenzial für Unternehmen durch Cybercrime steigt seit Jahren kontinuierlich an und hat ein bedenklich hohes Niveau erreicht. Das Geschäftsmodell der Cyberkriminellen heißt „Cybercrime-as-a-Service“ und hat bereits zur Herausbildung einer globalen kriminellen Dienstleitungsindustrie im Internet geführt, die immer neue Vorgehensweisen und teils maßgeschneiderte Malware hervorbringt. „Quantität und Qualität von Cyber-Angriffen steigen kontinuierlich an. Dabei steht die Wirtschaft im besonderen Fokus der Cyberkriminellen", sagt Martina Link, Vizepräsidentin des BKA. Die fortschreitende Digitalisierung, eine weltweite Vernetzung und moderne Arbeitswelten bieten in diesem Zusammenhang zusätzliche Tatgelegenheiten für kriminelle Akteure. Dieser Entwicklung stellen sich VDMA und Bundeskriminalamt durch einen vertieften Erfahrungsaustausch entgegen. Martina Link, Vizepräsidentin des BKA, und VDMA-Präsident Karl Haeusgen haben dazu auf dem 12. Deutschen Maschinenbau-Gipfel in Berlin ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. „Cyberkriminelle machen nicht vor Landesgrenzen Halt, deshalb werden wir nur erfolgreich sein, wenn wir gemeinsam mit Organisationen wie dem BKA die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit von Behörden und Wirtschaft erreichen. Die Kriminellen dürfen nicht gewinnen", sagt VDMA-Präsident Karl Haeusgen.

Der Maschinen- und Anlagenbau steht für Digitalisierung und Innovation sowohl in seinen Produkten als auch in seinen Produktionsprozessen. Eine zunehmende Vernetzung dieser Produktionsprozesse führt auch zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Cyberangriffs zu werden. "Deswegen sind Kooperationen der Sicherheitsbehörden mit Unternehmen und Fachverbänden von hoher Bedeutung“, sagt Link. In den vergangenen zwei Jahren konnte der VDMA eine Vervielfachung von Cybercrime-Vorfällen unter den mehr als 3300 Mitgliedsunternehmen im Maschinen- und Anlagenbau beobachten. Insbesondere Ransomware-Angriffe richteten dabei einen enormen Schaden an, was die Produktionsunternehmen bis an den Rand des Ruins bringen kann. So berichten bereits 30 Prozent der vom VDMA befragten Mitgliedsunternehmen von Produktionsausfällen durch Cyberangriffe. Das kann einen Schaden von 1 Million Euro pro Tag bedeuten.

Es reicht jedoch nicht aus, sich nur auf den Schutz vor Cyber-Angriffen zu fokussieren. Unternehmen sollten immer damit rechnen, dass ein Angriff auch erfolgreich sein kann. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sind bedroht, denn oft fehlen ihnen die notwendigen Notfallvorsorgekonzepte, Krisenpläne und Kontakte, um im Schadenfall mit den richtigen Maßnahmen zu starten. Neben der Verschlüsselung von Systemen durch Ransomware werden regelmäßig massenhaft Daten abgezogen und Interessenten zum Kauf angeboten. Auf diese Weise droht der Abfluss von Know-how in unbekannte Richtung, häufig auch an Wettbewerber. Der digitale Verlust von Expertise führt zu einer Schwächung der deutschen Wirtschaft gegenüber globaler Konkurrenz.

Ein effektiver Schutz der Wirtschaft bedarf angesichts dieser Bedrohungslage im Bereich der Cybercrime der engen Kooperation von Staat und Industrie. Vertrauen und gegenseitige Information sind der Kern einer funktionierenden Zusammenarbeit. Das Bundeskriminalamt und der VDMA beabsichtigen daher, den gegenseitigen Erfahrungs- und Informationsaustausch auszubauen, mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit für Cybercrime in den Unternehmen zu stärken und die Verfolgung von Cybertätern durch die deutschen Sicherheitsbehörden zu fördern. „Mit dem nun unterzeichneten Memorandum stärkt das BKA seine guten Kontakte zwischen dem VDMA und dessen Mitgliedern. Unser Ziel dabei ist, für Gefahren von Cybercrime zu sensibilisieren und Unternehmen zu ermutigen, im Schadensfall sofort die Polizei einzuschalten. Nur so kann es uns gelingen, mehr Straftäter zu ermitteln und Cybercrime effektiv zu bekämpfen.“, sagt BKA-Vizepräsidentin Link.

Die bisher schon vorhandenen Kontakte und Erfahrungen im VDMA bei der Sensibilisierung von Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus für das Thema Cybercrime werden in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt ausgebaut und verstetigt. Hierzu beabsichtigen VDMA und das Bundeskriminalamt, zielgruppengerechte Sensibilisierungs- und Informationsangebote rund um das Thema Cybercrime zu entwickeln und durch gemeinsame Aktivitäten zu begleiten. Ferner sollen weitere konkrete Maßnahmen und Formate der Zusammenarbeit im regelmäßigen Austausch festgelegt und umgesetzt werden.

Der VDMA unterstützt seine Mitgliedsunternehmen im Kampf gegen Cybercrime auf vielfältige Weise. Das VDMA Competence Center Industrial Security ist dabei der zentrale Ansprechpartner für Mitglieder, Forschung, Behörden und Politik. Neben der Zusammenarbeit in diversen Arbeitskreisen wird auch die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden auf- und ausgebaut. Zudem bietet der VDMA direkte Unterstützungsangebote im Bereich Cyberversicherung (VDMA Cyber Police) sowie der Aus- und Fortbildung nach IEC 62443 an. In Europa setzt sich der VDMA für eine kohärente horizontale Cybersecurity-Regulierung ein und in internationalen Kooperationen, zum Beispiel mit Japan, werden harmonisierte Standards zur Stärkung der Resilienz vernetzter Industrieanlagen vorangetrieben.

Das Bundeskriminalamt (BKA) ist wesentlicher Pfeiler der Cyber-Sicherheitsarchitektur in Deutschland und hierbei eng vernetzt mit weiteren (Bundes-) Sicherheitsbehörden. Neben den klassischen polizeilichen Zentralstellenaufgaben gehören Auswertungen auf operativer und strategischer Ebene genauso wie Ermittlungen zu den Kernaufgaben des BKA im Phänomenbereich Cybercrime.

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