Mittwoch, 21.07.2021, 07:10 Uhr Tischler Schreiner Deutschland

Kam zur Sommermitgliederversammlung zusammen

Das Tischler- und Schreinerhandwerk hat die Corona-Pandemie bis heute vergleichsweise gut durchgestanden. Jetzt treten zunehmend wieder andere Themen auf die Tagesordnung.

Bei der virtuellen TSD-Sommermitgliederversammlung standen vor allem zwei Ereignisse im Mittelpunkt: Sowohl die Lieferengpässe und Materialpreissteigerungen beim Holz als auch die anstehende Bundestagswahl haben in den vergangenen Wochen und Monaten viel Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Politisch hatte sich Tischler Schreiner Deutschland bereits früh positioniert und Wahlforderungen formuliert, die auf konjunkturfördernde Investitionen und Entlastungen für den Mittelstand abzielen, damit dieser sein volles Potenzial zum zukünftigen Wirtschaftswachstum beitragen kann: www.tischler-schreiner.de/wahlforderungen-2021

In Sachen Lieferengpässe und Materialpreissteigerungen ist die Innungsorganisation ebenfalls unverzüglich tätig geworden und hat erreicht, dass das Thema bei den höchsten politischen Entscheidungsgremien angekommen ist. Zudem unterstützten die Verbände die politische Arbeit und halfen dabei, Lösungswege zu entwickeln (www.tischler-schreiner.de/preissteigerungen). „Dass die Politik jetzt unsere Vorschläge aus dem Positionspapier nahezu vollständig übernommen hat und außerdem eine eigene Arbeitsgruppe der Staatssekretäre in den beteiligten Ministerien eingerichtet wurde, bedeutet für unsere Branche, dass wir zukünftig noch direkter und schneller Gehör finden werden“, erklärt TSD-Präsident Thomas Radermacher.

Darüber hinaus standen noch eine Reihe von Projekten auf der Agenda, die inzwischen entweder abgeschlossen oder weiterentwickelt wurden. So konnte Tischler Schreiner Deutschland unter anderem die neue Born2bTischler/Schreiner-Kampagnenwebseite präsentieren, mit der im Nachwuchsmarketing der Branche eine neue Ära beginnt. „Der Zeitpunkt könnte kaum günstiger sein“, betont TSD-Hauptgeschäftsführer Martin Paukner, „denn viele qualifizierte junge Menschen müssen sich gerade jetzt nach Corona neu orientieren, da gibt das Tischler- und Schreinerhandwerk gern Anleitung und Perspektive.“

Mit dem TSD-Marktplatz wurde im ersten Halbjahr ein brancheninterner Kleinanzeigenmarkt ins Leben gerufen, der vor allem durch einfache Bedienbarkeit und zielgruppengenaue Verbreitung punktet. Ganz gleich ob Gebrauchtmaschinen, Kleinteile, Dienstleistungen oder ein ganzer Betrieb. Die Plattform bietet für Innungsmitglieder die kostenfreie Möglichkeit, Angebote oder Gesuche rund um das betriebliche Geschehen zu veröffentlichen.

In Sachen Holzstaub geht es weiterhin um die Übernahme des nun auf deutsches Niveau abgesenkten EU-Holzstaubgrenzwertes in das deutsche Gefahrstoffrecht, wobei der EU-Grenzwert (BOELV) inzwischen als AGW (E) 28 formal in deutsches Recht übernommen wurde. Im Sozialkonsens galt es dabei, in der TRGS 553 Holzstaub Lösungen für die Maschinen und Tätigkeiten zu finden, mit denen der Status quo beibehalten werden kann. So erscheint es derzeit durchaus realistisch, dass – obwohl sich einiges neu liest – vieles auf dem alten, hohen Niveau bleibt.

Obwohl Asbest seit Oktober 1993 in Deutschland verboten ist, können Hausbesitzer und Handwerker in älteren Gebäuden immer noch auf asbesthaltige Produkte stoßen. Das Bundesarbeitsministerium hatte daher seinerseits Ende letzten Jahres verbindliche neue Regeln aufgestellt. Neben den arbeitsschutztechnischen Maßnahmen setzt der Umgang mit Asbest zwingend entsprechende Qualifikationen voraus.

Und im Handwerk wird dabei in erster Linie der Unternehmer als verantwortliche Person gefordert, da er beispielsweise einen Lehrgang zum Erwerb der besonderen Sachkunde für Tätigkeiten mit Asbest zu absolvieren hat und für entsprechende Grundkenntnisse bei den Mit-arbeitern sorgen muss. Hierzu wurden im Auftrag von Tischler Schreiner Deutschland passende Lehrgangskonzepte erarbeitet und den Landesverbänden zur Umsetzung zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus steht in Teilen die Neufassung der TRGS 519 Asbest im Raum. Diskutiert wird unter anderem, wie emissionsarme Verfahren definiert und beschrieben werden können. Außerdem müssen für klassische Tätigkeiten wie Stemmarbeiten beim Tausch von Fenstern und Innentüren oder die Erneuerung von Treppen praktikable Lösungen gefunden werden.

Definition der Mitnahmemöbel problematisch: Mit der im vergangenen Herbst vorgelegten Definition zu Mitnahmemöbeln hatte Tischler Schreiner Deutschland sich nicht einverstanden erklärt und diese als zu unscharf kritisiert. „Die Absicht, klassische Handelshäuser und Möbelmärkte sytembeteiligungspflichtig zu machen, um Verpackungsmüll beim Endverbraucher zu vermeiden, greift im Tischler- und Schreinerhandwerk deutlich zu weit“, erklärt TSD-Normen-experte Ralf Spiekers. Im Handwerk spräche man eher von Einzelfällen wie einem einzelnen Beistelltischchen aus der Ausstellung, das dem Kunden direkt mitgegeben werden soll. „Das mitzuregeln würde wahrscheinlich mehr Papier verbrauchen als der zu erwartende Aufwand an Verpackungsmaterial.“ Das stehe in keinem Verhältnis, so Spiekers weiter.

Nachdem zu Jahresbeginn bereits das Regelwerk zur visuellen Beurteilung von Innentüren auf den Markt gekommen ist, folgt im Laufe des Jahres ein zweites mit ausführlichen Beschreibungen technischer Details, das jedem Tischler- und Schreinerbetrieb bei der Produktion und Montage von Innentüren fundierte Hilfe bietet. Ebenso gut kann es von Sachverständigen zur Leistungsbewertung und für die Ermittlung von Anforderungen zurate gezogen werden. Beide Werke zusammen bilden dann ein Kompendium, welches das Thema Innentüren übersichtlich sowie umfassend aufarbeitet und die TSD-Fachschriftenreihe weiter vervollständigt.

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