Donnerstag, 26.11.2020, 10:12 Uhr Deutsche Messe AG

250 Stellen sollen abgebaut werden – Aufsichtsrat stimmt Konzept zu – Arbeitnehmervertreter dagegen – Heute und morgen wird verhandelt

In der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Deutschen Messe AG hat der Vorstand dem Aufsichtsrat das Zukunftskonzept „Deutsche Messe 2027“ vorgestellt. Mit dem Konzept reagiert die Messegesellschaft auf die gravierenden Umsatz- und Ergebnisrückgänge infolge der Corona-Krise, heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: Das Unternehmen fokussiert künftig noch stärker auf Vertrieb, Neugeschäft und hybride Messeformate. Gleichzeitig sind erhebliche Einsparungen bei Sach- und Personalkosten vorgesehen und notwendig. Mit Ausnahme der Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter haben alle Aufsichtsratsmitglieder dem Vorschlag des Vorstandes zur Neuausrichtung des Unternehmens zugestimmt.

„Wir sind inmitten der größten Krise der Messe- und Eventbranche“, sagt Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes, Deutsche Messe AG. „Sowohl die Nachfrage nach Messebeteiligungen als auch die Geschäftsreisetätigkeit wird voraussichtlich noch auf Jahre unter dem Vor-Corona-Niveau liegen. Daher müssen wir verstärkt auf neue Messeformate setzen und unsere Kosten zwingend an die geringeren Umsätze anpassen.“

Nach Unternehmensangaben wird für dieses Jahr ein Minus von 103 Mio. Euro erwartet – bei einem Umsatz in Höhe von 95 Mio. Euro. 2019 lag der Umsatz noch bei knapp 350 Mio. Euro.

Das vom Vorstand vorgelegte Paket sieht unter anderem den Einsatz von Kurzarbeit in 2021, die Reduktion der Wochenarbeitszeit in 2022, Einschnitte bei Führungskräften und die Reduzierung von tariflichen und übertariflichen Leistungen vor. Auch eine Reduktion der Mitarbeiterzahl von 730 auf 480 Mitarbeiter bis 2027 ist vorgesehen – sozialverträglich durch Fluktuation und Freiwilligenprogramme. „Alle Ebenen des Unternehmens werden ihren Anteil leisten müssen: Vorstände, Führungskräfte und Mitarbeiter. Die Zugeständnisse sind hart, aber zumutbar“, erklärt Köckler und versichert: „Wir haben ein tragfähiges und sozialverträgliches Konzept für die Zukunft.“

Im Rahmen eines Spitzengesprächs der Anteilseigner, des Messe-Vorstands, der IG Metall und dem Messe-Betriebsrat am Dienstag wurden die unterschiedlichen Positionen des Vorstands und der Arbeitnehmervertreter gegenübergestellt. Die Anteilseigner haben beide Seiten aufgefordert, am Donnerstag und Freitag ganztägig zu verhandeln, um eine Lösung zu erarbeiten, die die Lücke zwischen den beiden Positionen schließt und damit die Basis für die zu verbürgende Finanzierung schafft. Köckler: „Wir begrüßen ausdrücklich, dass wir nun in konkrete Verhandlungen eintreten und sind zuversichtlich, eine Lösung im Sinne des Unternehmens und aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erarbeiten.“

Laut NDR hatte Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) Anfang der Woche eine Senkung der Personalkosten gefordert. Im Gegenzug stellte er eine Bürgschaft des Landes in Aussicht, mit der die Messe leichter an neue Kredite kommen könnte. Das Land hält rund die Hälfte der Anteile an der Messe AG.

Am Rande der Aufsichtsratssitzung haben Wirtschaftsvertreter im Aufsichtsrat die Bedeutung des Zukunftskonzepts für die Messe AG hervorgehoben:

BDI-Präsident Dieter Kempf: „Das Zukunftskonzept der Deutschen Messe ist die richtige Reaktion auf die Herausforderungen der Corona-Krise. Die Inhalte des Konzeptes bilden die Basis für den Fortbestand des Unternehmens und stehen für eine solide Perspektive der Messebranche mit und nach Corona.“

Pekka Paasivaara, Vorstandsvorsitzender Homag (größter Aussteller der „Ligna“): „Die Corona-Pandemie ist auch für uns ein Transformationsbeschleuniger. Wir haben in den vergangenen Monaten zahlreiche neue digitale Möglichkeiten entwickelt, um mit unseren Kunden in Kontakt zu treten. Mit dem Fokus auf hybride Messeformate geht die Deutsche Messe AG daher genau den richtigen Weg. Die ,Ligna‘ bleibt unsere wichtigste Messe. In Zukunft werden wir bei unseren Messeauftritten aber verstärkt auch auf hybride Produkte und Services zugreifen.“

Die Fachausstellungen Heckmann GmbH (FH) als auch die Deutsche Messe Technology Academy GmbH (DMTA) werden rückwirkend zum 01.01.2020 mit der Muttergesellschaft Deutsche Messe AG (jeweils 100 Prozent) verschmolzen werden.

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