Dienstag, 28.01.2020, 16:15 Uhr Schock Metallwerk

Insolvenz in Eigenverwaltung

Das Jahr 2020 beginnt für den Zulieferer Schock Metallwerk GmbH aus Urbach weniger schön: Der Spezialist für lineare Kugelführungen und Spezialprofile hat beim Amtsgericht Stuttgart einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, dem das Gericht am Freitag, 17. Januar 2020 gefolgt ist. Mit dem Eigenverwaltungsverfahren sollen die 2018 begonnenen Restrukturierungmaßnahmen abgeschlossen werden. Es ist geplant, den Geschäftsbetrieb während des gesamten Verfahrens in vollem Umfang fortzuführen – so vermeldet es das „Insolvenzportal“ der STP Business Information GmbH.

Die Eigenverwaltung bietet Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, bei laufendem Geschäftsbetrieb ihre Finanzierung in enger Abstimmung mit den Gläubigern zügig neu zu ordnen. Dabei bleibt die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung. Dieses im Rahmen des Insolvenzrechts etablierte Verfahren unterstützt Unternehmen, die bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig selbst tätig werden und über genügend Handlungsspielraum für eine Lösung verfügen. „Produktion, Vertrieb und Entwicklung der Schock Metallwerk GmbH gehen während der Eigenverwaltung ohne Einschränkungen weiter“, betonten die beiden Geschäftsführer Martin Schock und Helmut Fuchs von Schock Metallwerk, am Firmensitz des Unternehmens.

Für die Phase der Eigenverwaltung ist der Rechtsanwalt Jan Metzner von der renommierten deutschen Restrukturierungskanzlei Elsässer in die Geschäftsführung eingetreten und wird die geschäftsführenden Gesellschafter Martin Schock und Helmut Fuchs bei der Sanierung des Unternehmens unterstützen. „Schock Metallwerk ist ein im Kern gesundes und wettbewerbsfähiges Unternehmen mit einem erstklassigen Produktportfolio und hat in den letzten zwei Jahren wichtige und notwendige Schritte auf dem Weg zur Sanierung unternommen“, betont Metzner: „Die Eigenverwaltung bietet uns den geeigneten rechtlichen Rahmen, um die Sanierung in enger Abstimmung mit den Gläubigern zu Ende zu bringen und Schock Metallwerk langfristig wieder auf eine solide finanzielle Basis zu stellen.“ Dr. Tibor Braun von der Kanzlei Illig, Braun, Kirschnek aus Stuttgart wurde vom zuständigen Amtsgericht zum Sachverwalter bestellt.

Den Antrag gestellt hat nur die Schock Metallwerk GmbH. Nicht betroffen sind die USA-Tochter Schock Metal America, Inc. und das lettische Schwesterunternehmen FTS Baltic SIA. Die Löhne und Gehälter der rund 190 Mitarbeiter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert.

Die Liquiditätskrise beim Schock Metallwerk ausgelöst haben soll die zunehmende Instabilität eines ehemaligen, langjährigen Hauptlieferanten für Pulverbeschichtung und Montage in der Tschechischen Republik – mit resultierendem Lieferstopp: „Dadurch wurde es erforderlich, die planmäßig erst Ende des ersten Quartals 2020 vorgesehene Inbetriebnahme des neuen Produktionsstandortes in Lettland auf August 2019 vorzuziehen. Innerhalb weniger Wochen mussten alle notwendigen Betriebsmittel und Werkzeuge sichergestellt und sieben Monate früher als geplant in das im Juni 2019 neu gegründete Schwesterwerk FTS Baltic SIA überführt werden.“, erläutert Martin Schock. Letztlich konnten trotz erheblicher Anstrengungen Kundenaufträge über Monate nicht vollständig erfüllt werden. Der hierdurch verursachte Umsatzeinbruch führte innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Trotz der Lieferprobleme haben wichtige Kunden und Partner dem Unternehmen bereits ihre Unterstützung für die anstehende Restrukturierung zugesagt.

Die Firma Schock Metallwerk GmbH in Urbach zählt nach eigenen Angaben zu den führenden Herstellern von Kugelführungen und Spezialprofilen. Das Unternehmen fertigt seit mehr als 40 Jahren lineare Führungssysteme und Baugruppen auf Basis der eigenentwickelten Rollformtechnik. Mit Standorten in Deutschland, Lettland und den USA sowie einem internationalen Netz von Vertriebspartnern ist Schock Metallwerk in allen wichtigen internationalen Märkten aktiv. Im Jahr 2019 bewies das Unternehmen seine Innovationskraft mit der Einführung einer neuen Linearführungs-Baugruppe für verstellbare Mittelarmlehnen im Automobil. Neben der Möbelindustrie und den Herstellern von Hausgeräten zählt die Automobilindustrie zählt zu den wichtigsten Abnehmerbranchen. Der Gruppenumsatz lag 2018 bei rund 45 Mio. Euro.





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