Mittwoch, 04.12.2019, 12:49 Uhr Zeyko

Erneut insolvent

Vor zwei Jahren hatte Dr. Christian Hilz Zeyko nach der Insolvenz als Unternehmen der la-Cour-Gruppe quasi aus dem Nichts wieder aufgebaut – jetzt schlitterte die Schwarzwälder Küchenmanufaktur wiederum in die Zahlungsunfähigkeit. Bereits am Donnerstag musste er beim Amtsgericht Villingen-Schwenningen Antrag auf Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenregie für die BES Zeyko Küchenmanufaktur stellen. Die Bearbeitung übernimmt der Stuttgarter Anwaltskanzlei von Philipp Grub.

„Zeyko wird es weiter geben“, erklärte Geschäftsführer Dr. Christian Hilz gegenüber der „möbelfertigung.com“-Schwesterplattform „kuechenprofi.de“. Für den Insolvenzplan habe ihm der zuständige Richter schon in wenigen Stunden grünes Licht gegeben. „Fast zu schnell“, wie Dr. Hilz meinte, denn so kam er mit den weiteren Pflichten kaum hinterher, musste in Windeseile Kunden und Mitarbeiter informieren, wie es nun weitergeht. In Kurzform: Die Produktion soll auf drei Werke verteilt werden, wobei neben einem neuen Standort in Mönchweiler die Fertigungskapazitäten der beiden Schwesterunternehmen mit herangezogen werden. Zugleich wird Zeyko mit einem reduzierten Sortiment und gegebenenfalls verringertem Personal neu durchstarten.

Wobei die Umstände, die zur aktuellen Zahlungsunfähigkeit geführt haben, zunächst alles andere als günstig klingen. Den Auslöser gaben die Vermieter am Standort Mönchweiler, die die Immobilie an andere Investoren verkauft hatte, sodass entgegen vorheriger Vereinbarungen im Zuge der aktuellen Neu- bzw. Umbaumaßnahmen der bestehenden Gewerbefläche kein ausreichender Platz mehr für Zeyko zur Verfügung stand. „Wir hatten alles geräumt, die neuen Maschinen konnten nicht installiert werden und wir hätten eine halbe Million Euro allein für die Gebäude-Infrastruktur investieren müssen, um weiterzumachen“, beschreibt Dr. Hilz das Dilemma. Er selbst hatte im Juli einen schweren Verkehrsunfall, deren Folgen ihn für drei Monate extrem beeinträchtigt haben, was gerade in der schweren Phase besonders unglücklich war. Neben erheblichen Qualitätsmängel wurden Umsatzausfälle zum Fallstrick. So waren schließlich bei ausstehenden Forderungen von zwei Millionen Euro etwa 100.000 Euro nicht mehr zu bezahlen.

Nun gilt es, schnellstmöglich eine neue Immobilie im Raum Mönchweiler zu finden. Denn die Verankerung in der Region bedeutet für die Schwarzwälder Manufaktur nicht nur einen Teil des Markenkerns. „Wir brauchen auch das Know-how der Mitarbeiter“, wie Dr. Hilz betont. Die fränkischen Standorte der Schwesterfirmen Trendstore shop creation in Greding und BES Brunold Holz & Design Manufaktur in Schwandorf sollen nach ihren Möglichkeiten Teile und Vorprodukte liefern, doch alles, was letztlich die Manufaktur Zeyko ausmacht, soll in Mönchweiler verbleiben. Programme mit geringen Verkaufsquoten werden künftig aus dem Sortiment gestrichen. Die neuen Konzepte wie das „ZeykoRack“, das erst auf der „Area30“ gut geordert wurde, sollen erhalten bleiben. Der Vertrieb werde sich auf Deutschland und einige Märkte Europas fokussieren (insbesondere DACH und Großbritannien). Bislang lag der Exportanteil bei 30 Prozent von rund 10 Millionen Euro Umsatz.

Dr. Hilz selbst, Geschäftsführer aller drei Unternehmen, wird von den Mitgesellschaftern des Firmenverbunds insoweit unterstützt, dass er sich nun zu hundert Prozent um Zeyko kümmern kann. Das Vertrauen der bestehenden Handelspartner zu erhalten bzw. wiederzugewinnen, wird eine schwere Aufgabe. Zumindest der Elan, den Hilz persönlich durch seine Visionen und neuen Konzepte eingebracht hat, scheint ungebrochen. „Wohlwissend, dass wir Kunden verlieren werden, haben wir bei unserem Zukunftskonzept sehr vorsichtig kalkuliert“, sieht der Manager den Tatsachen ins Auge.

Nach der Übernahme durch Trendstore/Brunold startete das Unternehmen 2017 mit 85 Mitarbeitern neu durch. In diesem Jahr hatte sich Zeyko sowohl auf der Kölner „Livingkitchen“ und „Küchenwohntrends“ in Salzburg, als auch im September an der Küchenmeile im „Kitchen Center Löhne“ gezeigt. Neben bewährten Programmen sollten unter anderem modulare Lösungen für den urbanen Lifestyle, die mit den Schwesterfirmen aus dem Ladenbau und Innenausbau umgesetzt wurden, die Einzigartigkeit im Wettbewerb manifestieren. Die Produktion indes musste nach Auslaufen des Mietvertrags in Mönchweiler ausziehen. Auf dem Areal der ehemaligen Büros und Werkshallen entstehen derzeit neue Gebäude, in die laut Regionalpresse auch Zeyko in verkleinerter Form einziehen wollte.

„Mit Hilfe der Eigenverwaltung werden wir die Marke Zeyko sanieren und neu aufstellen“, stellt nun Dr. Hilz einen weiteren Neuanfang in Aussicht.

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