Freitag, 11.10.2019, 16:30 Uhr 3. Kongress der „möbelfertigung“ – Franz Barthold Gockel, Geschäftsführer Ulrich Rotte Anlagenbau und Fördertechnik GmbH

Die Vernetzung löst die Verkettung ab

Beim ersten Kongress „Effiziente Möbelfertigung in der Praxis“ der „möbelfertigung“ im Jahr 2017 war es bereits Thema: Wie sehen Produktionen in der Zukunft aus? Professor Andreas Heinzmann von der Fakultät für Holztechnik und Bau der FH Rosenheim malte damals ein Bild mit vielen flexiblen Inseln in den Fertigungen. Auch 2019 wird dies Thema sein: Franz Barthold Gockel, Geschäftsführer bei der Ulrich Rotte Anlagenbau und Fördertechnik GmbH in Salzkotten, ist in seinem Unternehmen zudem verantwortlich für die Produktkonzeption, digitale Innovation sowie Forschungsförderung – und setzt sich seit Jahren mit veränderten Ansprüchen der Möbelindustrie auseinander und versucht mit seinem Team, dies in Einklang zu bringen mit allem, was an Automatisierung die Produktionen revolutioniert.

Gockel spricht im Rahmen des dritten Kongress „Effiziente Möbelfertigung in der Praxis“ am 28. November in Düsseldorf. Und dürfte mit seinem Vortrag „Smarte Logistik- und Handlinglösungen für die Möbelindustrie im Zeitalter Industrie 4.0 – Die Herausforderungen von „just in sequence“ und Losgröße eins“ absolut den Nerv der Zeit treffen.

„möbelfertigung“: Digitalisierung ist eines der wichtigsten Schlagworte in der Möbelindustrie derzeit. Was hat sich in den letzten Jahren am gravierendsten verändert?
Franz Barthold Gockel:
Gravierend verändert haben sich das Bewusstsein für die Digitalisierung beziehungsweise die Verfügbarkeit von Digitalisierung und der Wunsch oder der Bedarf nach flexibler Fertigung, und das nicht nur in der Möbelproduktion, sondern branchenübergreifend. Diese beiden Veränderungen bauen aufeinander auf und bedingen einander. Mit der Digitalisierung ist die Interaktion zwischen Kunden und Produkt entstanden.
Diese Interaktion weckt den Bedarf an freier Gestaltung und eröffnet mit den für jedermann verfügbaren Konfigurationswerkzeugen auch die Möglichkeit der freieren Gestaltung in Form, Design und Zeit. Sind diese Bedarfe gleich in der digitalen Welt erfasst, so liegt es natürlich nahe, diese auch gleich in der Produktion anzuwenden. Die Produktion wiederum benötigt dazu flexible Fertigungs- und Logistikstrukturen, die mit der freien Gestaltung des Kunden umgehen können und der sich daraus auch ergebenden freien Reihenfolge „kunterbunter“ Produkte, just in Time und just in Sequenz. Ein Trend, der gerade so richtig zu greifen beginnt und nach neuen Lösungen sucht.

„möbelfertigung“: Verkettete Durchlaufanlagen versus hochflexible Fertigungszellen mit Robotern und Fahrerlosen Transportsystemen: Wo geht die Reise hin?
Franz Barthold Gockel:
Verkettung wird in Zukunft nicht mehr eine feste Folge der Glieder hintereinander bedeuten, da sonst der aus der Digitalisierung rührende Anspruch der Individualisierung der Produkte von heute und morgen nicht mehr zu erfüllen ist.
Verkettung wird durch Vernetzung ersetzt werden, was zur Folge hat, dass verstärkt flexible Roboterzellen mit den verschiedensten verbindenden Transportsystemen zum Einsatz kommen. Das sind auch weiterhin klassische Transportstrecken mit zunehmenden Verzweigungen, aber auch in zunehmendem Maß Fahrerlose Transportsysteme in verschiedensten Ausprägungen der Ladungsträger und Kombinationen daraus.
Reihenfolgen werden sich im Rahmen der Möglichkeiten und der Auslastung einzelner Fertigungsstationen optimiert selber finden, so dass weniger Wartezeiten anfallen bzw. keine Leerlaufzeiten entstehen. Warenströme werden sich zunehmend dezentral selber organisieren und die zu bearbeitenden Werkstücke werden zunehmend die zu erledigenden Fertigungsaufträge mit sich führen, ob als Identifikationen, welche zentral abrufbar sind oder als Datensatz auf Microdatenträger.
Auch intelligente und aktive Warenträger werden Teil der Logistik und Fertigungsunterstützung sein, die sich dezentral mit ihren Werkstücken an Board ihren optimierten Weg durch die Fertigung suchen. Darüber hinaus ist in der Fabrikation der Zukunft die Kollaboration zwischen Mensch und Maschine ein nicht zu verachtendes Reiseziel, da sich nicht alle Prozesse sinnvoll und wirtschaftlich automatisieren lassen und es dazu auch keine generelle Notwendigkeit gibt, gerade da wo sich Vielfalt steigert und Losgrößen immer kleiner werden.

„möbelfertigung“: Was wird der Schwerpunkt Ihres Vortrages beim Branchenevent „Effiziente Möbelfertigung in der Praxis“ der „möbelfertigung“ sein?
Franz Barthold Gockel:
Schwerpunkte des Vortrags sind Voraussetzungen und Beispiele der flexiblen Fertigung und Logistik. Die flexible Fertigung und Logistik braucht lokalisierende Sensorik, Produktidentifikation und geeignete robotergeführte Aktorik, um auf andere Logistikstrategien reagieren und auf mehr Effizienz und Flexibilität ausweichen zu können. Beispiele dafür, deren Vorteile und Grenzen werden im Zusammenspiel mit verschiedenen mehr oder weniger digitalisierten Ladungsträgern thematisiert.
Der Ausblick richtet sich auf die weitere Wertschöpfung der flexiblen Fertigungsstrategie, welche sich durch numerische Regelkreisoptimierung weiter aufwerten lässt. Entscheidungen in Logistik, Reihenfolge und Losgröße müssen in Zeiten von Digitalisierung, Simulation und Optimierung nicht immer gleich ausfallen, sondern variieren situationsbedingt und das kann man sich zunutze machen.

Unter www.holzmann-events.de/effiziente-moebelfertigung/ können Sie mehr über das Programm und die Referenten erfahren und sich bis zum 23. Oktober zum Frühbucherpreis für unseren Kongress anmelden. Angesprochen sind Möbelproduzenten jeder Sparte, aber genauso Zulieferer und Maschinenhersteller rund um das Thema Möbelproduktion. Wir freuen uns sehr darauf, Sie am 27. November im Düsseldorfer Hotel „Nikko“ begrüßen zu können.

Erstmalig wird es eine Simultan-Übersetzung während des kompletten Kongress-Programms geben, damit öffnet sich die Veranstaltung mehr denn je auch allen internationalen Interessierten. Zudem gibt es eine weitere Neuerung: Am ersten Kongresstag gibt es vor dem Vortragsprogramm im Nikko Hotel einen Intensiv-Workshop „Welche Chancen bietet Prozessvernetzung“ mit Marc Wenzl von Lignum Consulting, der optional besucht werden kann. Alle Infos hierzu finden Sie ebenfalls auf der Microsite des Events.

Für interessierte Unternehmen gibt es die Möglichkeit, sich über ein Sponsoring am Kongress zu beteiligen. Über die zur Verfügung stehenden Pakete informiert Sie der möbelfertigungs-Mediaberater Hans-Christian Hahn. Sie erreichen ihn wahlweise per Mail unter hans-christian.hahn@holzmann.de oder telefonisch unter 040/63201843.




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