Freitag, 27.09.2019, 12:38 Uhr PwC Möbelstudie

Die Zukunft des Möbelhandels

Vom „Zalando für Möbel“ ist in der deutschen Möbelbranche bereits die Rede. Branchenriesen wollen endlich den Onlinehandel in Schwung bringen, der sich bislang eher langsam bewegt hat. Um durchschnittlich 8,4 Prozent wird der Onlineumsatz im Möbelhandel bis 2023 voraussichtlich pro Jahr wachsen – mit 9,7 Milliarden Euro macht er dann ein Viertel des Gesamtumsatzes der Branche von 38,5 Milliarden Euro aus. Das ist das Ergebnis einer Marktstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zu Strukturen, Trends und Herausforderungen in der deutschen Möbelbranche.

„Der Vertriebsweg über Onlinekanäle birgt ein großes Wachstumspotenzial für die deutschen Möbelunternehmen“, sagt Dr. Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland. „Derzeit liegt der Fokus der Branche noch auf dem stationären Einzelhandel, doch immer mehr Online-Pure-Player und Omnichannel-Anbieter wagen sich auf den Markt. Dazu sind allerdings eine ausgereifte Onlinestrategie und erhebliche Investitionen nötig, vor allem in die Lieferkette.“

Der Onlinehandel im Möbelsegment liegt im Vergleich zu anderen Konsumgütern weit zurück. Während beim Spitzenreiter Unterhaltungselektronik bereits 61 Prozent der Kunden den Onlinekauf bevorzugen, sind es im Bereich Möbel und Haushaltswaren lediglich 34 Prozent. Die größten Hürden für den Online-Möbelvertrieb liegen im aufwändigen Zustell- und Retourenprozess und in den Vorlieben der Kunden – viele Verbraucher wollen die Produkte zunächst sehen und testen. „Die Unternehmen müssen diese Onlinehürden dringend überwinden. Einige Vorreiter zeigen bereits, wie das gelingen kann: durch verbraucherfreundliche Umtauschprozesse, Omnichannel-Modelle mit stationären Ausstellungsräumen und die Verwendung innovativer Technologien. Zum Beispiel ermöglichen Augmented Reality und Virtual Reality den Kunden, Möbel virtuell in ihren eigenen vier Wänden auszuprobieren“, so Christian Wulff.

Das Wachstumspotenzial im Onlinehandel liegt weit über der allgemeinen Umsatzentwicklung in Möbelproduktion und -handel. Für die kommenden Jahre rechnen die Hersteller mit einem leichten, aber stetigen Wachstum von 1,2 Prozent, die Händler gehen von 1,3 Prozent aus. Besonders umsatzstark sind die Segmente Küchenmöbel sowie Büro- und Ladenmöbel. „Die Branche, die stark konjunkturabhängig ist und Trends leicht zeitversetzt spürt, profitiert von dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre, der Expansion auf dem deutschen Wohnungsmarkt und einer hohen Konsumneigung der Verbraucher durch steigende Löhne und ein niedriges Zinsniveau“, kommentiert Christian Wulff. Mit einem Umsatz von 23,7 Milliarden Euro im Jahr 2017 ist Deutschland der umsatzstärkste europäische Markt für Möbelproduzenten, es folgen Italien (22,2 Milliarden Euro) und Polen (10,9 Milliarden Euro).

Rund zwei Drittel ihres Umsatzes (68 Prozent) erzielen die Hersteller und Händler innerhalb ihres Heimatlandes, 32 Prozent erwirtschaften sie im Ausland. Allerdings sind ihre Auslandsumsätze in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Auf dem deutschen Markt übersteigen die Möbelimporte die -exporte um rund 25 Prozent. Insbesondere preiswerte Möbel und Mitnahmeprodukte kommen verstärkt aus dem Ausland, vorwiegend aus Niedriglohnländern, während hochwertige Möbel ebenso wie Systemmöbel überwiegend in Deutschland produziert werden. „Die deutschen Hersteller können nicht mit den niedrigen Lohnkosten anderer Länder konkurrieren. Für sie ist es sinnvoll, auch im Exportgeschäft auf das hochpreisige Segment zu setzen“, sagt Patrick Ziechmann, Partner Transactions / Retail & Consumer Goods bei PwC Deutschland. "Darüber hinaus empfiehlt es sich, ein klares Alleinstellungsmerkmal zu schaffen, sei es durch Funktionalitäten, Design, Nachhaltigkeit oder Vertriebsmethoden."

Ein gesellschaftlicher Trend kommt den Unternehmen im oberen Preissegment entgegen: Das Umweltbewusstsein der Verbraucher steigt, viele Konsumenten legen Wert auf eine nachhaltige Produktion und die Verwendung von natürlichen, umweltfreundlichen Materialien. Dafür sind sie auch bereit, mehr Geld auszugeben. So bestätigen 73 Prozent der Verbraucher, dass ihnen der Aspekt Nachhaltigkeit beim Thema Einrichtung wichtig ist. Auch weitere gesellschaftliche Trends haben unmittelbaren Einfluss auf die Branche – insbesondere die Entwicklung zu einer zunehmenden Mobilität, Individualisierung und Urbanisierung. So lebt die Mehrheit der Konsumenten inzwischen in Mehrfamilienhäusern und zieht die Stadt dem Leben auf dem Land vor. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte steigt stetig. Auch Arbeitsmodelle verändern sich: Für 39 Prozent der Deutschen ist das Home Office bereits gelebte Realität. „Für den Möbelhandel ergeben sich daraus enorme Chancen, aber auch hohe Anforderungen. Multifunktionale und flexible Möbel, die zum modernen Lebens- und Arbeitsstil passen, wecken das Interesse von Verbrauchern. Darauf muss sich die Branche in den kommenden Jahren einstellen“, bilanziert Patrick Ziechmann.

Das könnte Sie auch interessieren...

Ähnliche News...

Freitag, 27.09.2019, 12:38 Uhr
PwC Möbelstudie

Die Zukunft des Möbelhandels

Vom „Zalando für Möbel“ ist in der deutschen Möbelbranche bereits die Rede. Branchenriesen wollen endlich den Onlinehandel in Schwung bringen, der sich bislang eher langsam bewegt hat. Um durchschn... weiter...

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet. Mehr Infos