Freitag, 23.08.2019, 11:47 Uhr Drei Fragen an Pirjo Kiefer, Head of Interior Design Services, Vitra

„Räume beeinflussen unser Denken und Handeln“

Vitra – ein Unternehmen ­von internationalem ­Rang, dessen Kult-­Möbel auf der ganzen Welt zuhause sind. Am 27. September 2019 laden „arcade“ und Vitra ­­zum ­Besuch nach Weil am Rhein ein. Neben einer Führung durch das ­Citizen Office sowie über den Vitra-Campus mit seinem einmaligen Ensemble zeitgenössischer Architektur, können sich die Teilnehmer zudem über inspirierende ­Vor­träge zum Thema „New Work“ freuen. Mit dabei ist auch Pirjo Kiefer, Head of Interior Design Services, Vitra. Wir haben die Innenarchitektin gefragt, welche Auswirkungen die derzeitigen Umwälzungen in der Arbeitswelt auf die Büro-Interiors der Zukunft haben und warum ein Office in einer digitalisierten Welt auch Anker und Heimat sein kann.

Frau Kiefer, unsere Arbeitswelt befindet sich gewaltig im Umbruch. Die Planung und Gestaltung von Offices hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Welches sind aktuell die größten Herausforderungen?
Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Firmen flexibel ihre Strukturen und Arbeitsweisen an die neuen Anforderungen anpassen. Prozesse müssen schneller werden. Das heißt mitunter agile Methoden einzuführen, klassische Teamstrukturen aufzubrechen, cross-funktional zu denken und langfristig flachere Hierarchien zu etablieren. Dies verändert nicht nur die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens, sondern auch die Anforderungen an den Raum. Klassische Settings in geschlossenen Büros mit Besprechungsräumen genügen diesen Anforderungen nicht mehr, hinzu kommt der Bedarf an Flexibilität, Räume müssen einfach veränderbar sein.
Die größte Herausforderung ist aktuell diese notwendige Flexibilität in einer Immobilie abzubilden, die noch immer nach den Prinzipien des Taylorismus als Zweispänner gebaut werden, und nach Richtlinien und Normen, die bereits von der Realität überholt wurden.

Arbeiten können wir längst überall. Warum ist es dennoch wichtig ein Büro als Anker zu haben? Und was muss uns das Office heute bieten?
Vor allem in einer digitalisierten Welt braucht der Mensch einen Ort und eine Gruppe, der er sich zugehörig fühlt. Gut gestaltete Büros können als Heimat fungieren. Gleichzeitig beeinflusst Raum unser Verhalten und unser Denken. Firmen können somit die eigenen Werte subtil intern und extern übermitteln. Neben hoher Funktionalität muss das Büro also auch Kultur vermitteln. Ganz nach dem Motto von Chris Flink‘s d.school „Space is the «body language» of an organisation.

Speziell bei Umstrukturierungen, also weg von Einzel- oder Zweierbüros hin zum Open Space-Konzept, gibt es bei Mitarbeitern oft viele Vorbehalte. Wie begegnen Sie diesen in der Praxis?
Wir nehmen die Mitarbeiter mit auf eine Reise, sensibilisieren und entwickeln die neuen Konzepte zusammen, damit schaffen wir Verständnis und das Gefühl mitgestaltet zu haben. Am Ende ist es nur die Angst vor Neuem und die Macht der Gewohnheit. Letztendlich ist es eine Befreiung aus einem über Jahrzehnte kultiviertem Korsett, geboren aus dem Taylorismus. Dank der Digitalisierung gibt es kaum noch Routinearbeit im Büro, weshalb Kollaboration und Kreativität für alle immer wichtiger wird. Die meisten spüren diese Auswirkungen der alten Bürostrukturen und sind froh, bereichernde Alternativen kennenzulernen und mit gestalten zu können.

Die Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) erkennt die Teilnahme an arcade @ Vitra als Fortbildung (2,5 Unterrichtsstunden) an.

Sie möchten beim Vitra-Tag dabei sein? Hier gehts zur Anmeldung: https://www.holzmann-events.de/arcade-vitra/

 

 

 













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