Montag, 18.03.2019, 09:45 Uhr Daten Competence Center-Fachbeirat Polster

3D, AR und VR „zum Greifen nah“

Am 7. März traf sich der DCC-Fachbeirat Polster auf Einladung des Mitgliedsunternehmens Willi Schillig im oberfränkischen Ebersdorf-Frohnlach zu seiner Frühjahrssitzung. Der Einladung von Dr. Olaf Plümer, Geschäftsführer der Branchenorganisation Daten Competence Center e.V. (Herford), waren über 30 Teilnehmer aus Industrie und Softwarehäusern gefolgt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Digitalisierung auf Seiten der Hersteller – mit dem besonderen Fokus auf die dreidimensionale Darstellung von Polstermöbeln bzw. -elementen. Hierbei nahmen temporär auch Vertreter des Möbelhandels an der Sitzung teil.

Anschaulich wird allen Beteiligten vor allem die Life-Präsentationen von W. Schillig sowie seines Dienstleisters Tabletdekor aus der Türkei und die der Handelskette XXXLutz aus Österreich in Erinnerung bleiben. Alle zeigten eindrucksvoll, was mit 3D, Augmented und Virtual Reality bei der digitalen Polstermöbeldarstellung möglich und geplant ist – auf Grundlage des nicht-proprietären Standardformats IDM Polster aus dem DCC.

Im Geschäftsbericht legte Dr. Plümer den Schwerpunkt auf die Vertiefung des Netzwerks des DCC und die intensive Kontaktpflege der Organisation im In- und Ausland. Im Mittelpunkt stand die potenzielle Zusammenarbeit mit dem Möbelhandelsverband in den Niederlanden, dem italienischen Möbelverband, der Schweizer Branchenvertretung „Möbelschweiz“ sowie der Otto-Gruppe und deren Dienstleister „Hmmh“ aus Hamburg.

Sehr zufrieden zeigten sich die Beiratsmitglieder über die von der Geschäftsstelle initiierte Projektförderung seitens des VDM: Im Projekt „Exportförderung durch E-Business-Standards“ erfährt so das DCC-Vorhaben, alle drei IDM-Standards in die englische Sprache zu übersetzen, eine erhebliche Unterstützung und Beschleunigung. Auch den stetigen Internationalisierungsbemühungen des gemeinsamen Datenstandards IDM dürfte diese Förderung deutlich Aufwind bescheren.

DCC-Mitarbeiterin Kerstin Richter informierte anschließend zu den Aktivitäten im Arbeitskreis IDM Polster. Neben vielen fachlichen Details springt vor allem der neue Daten-Standard für Polstermöbel in der Version 3.0.0 ins Auge – allein die Nummerierung macht deutlich, dass es hierbei einen deutlichen Entwicklungssprung geben wird.

Beispielsweise sei nunmehr die Klassifikation nach „ECl@ss“ integriert. Die Version wird noch in diesem Monat veröffentlicht und erhält im Juni Gültigkeit, so Kerstin Richter. Weitere Schwerpunkte im Arbeitskreis waren die Fortentwicklung der Multiherstellerkataloge sowie aufgesattelte „Daten-Rucksäcke“ mit Blick auf Preisbildung und Content-Informationen.

Dietmar Weber (Iwofurn, Holzgerlingen) berichtete zum Sachstand der EDI-Formate. Mit Nachdruck verwies er auf den hohen Realisierungsdruck für EDI: Jedes Unternehmen, das in dieser Entwicklung der Getriebene sei, bekäme schnell Kostenprobleme oder sei schlicht zu langsam in der Digitalisierung. So müsse sich jeder Unternehmer die Frage stellen, wo sein Unternehmen mit welchen eingebundenen Partnern in ein bis drei Jahren stehen will. Und welche sinnvollen Maßnahmen dafür umgesetzt werden müssen.

Weber versicherte den Polstermöbelunternehmen die Unterstützung seines Haues bei Partnervernetzung und Digitalisierungsstrategien. Für den von ihm geführten DCC-Arbeitskreis EDI konnte er Vollzug per Sommer 2018 melden – mit dem kritischen Nachsatz, dass aus seiner Sicht die Branchendurchdringung mit EDI deutlichen Nachholbedarf hätte.

Gegen Mittag konzentrierte sich die Veranstaltung dann vollends auf 3D. Dr. Plümer informierte zuerst über Ergebnisse aus dem gleichnamigen Arbeitskreis. Die folgenden Life-Präsentationen beeindruckten alle Sitzungsteilnehmer mit Wort und Bild. Zuerst stellte sich das türkische Unternehmen Tabletdekor vor, mit deren Hilfe W. Schillig zur letzten Herbstmesse in Oberfranken seinen 3D-Polstermöbelkonfigurator auf IDM-Datenbasis der Fachöffentlichkeit vorgestellt hatte.

Jener greift auf standardisierte XML-Daten der Willi Schillig-Kollektionen zurück, die derzeit im IDM-Format 2.5.1 hinterlegt sind und ermöglicht, dass das gesamte Sortiment des Herstellers mit allen angebotenen Varianten in der „3D Sales & Marketing Platform“ konfiguriert werden kann.

Koray Kizilkaya und Melin Sarka berichteten zudem über die weiteren Geschäftsfelder des Istanbuler Digitalisierungsdienstleisters, wie die Bereitstellung virtueller Showrooms, AR, den 360° Room oder das Flooring Display System. Momentan sei das Unternehmen auf die Neuentwicklungen „Realtime Animated Realistic Clothings“ für die Konfektionsbranche und „Design New Sofa Models – Yours!“ konzentriert.

Letztgenannte zielt auf eine Ein-Stück-Polstermöbelgestaltung nach eigenen Wünschen bzw. auf die volle Individualisierung der Möbelproduktion. Ganz „realistisch“ hingegen waren die Erfahrungen der Beiratsmitglieder bei der angebotenen virtuellen Polstermöbelkonfiguration mittels VR-Brille – life im Ausstellungszentrum und mit erheblichem Unterhaltungswert für die Umstehenden…

Pius Wolf präsentierte dann im Detail, wie W. Schillig-Modelle digital konfiguriert werden. Das Unternehmen greife weiterhin ausschließlich auf IDM-Daten zurück, nach und nach wird jetzt die gesamte Modellpalette eingepflegt. In einem nächsten Schritt wird die Konfiguration von Polstermöbeln des Unternehmens komplett Web-basiert erfolgen können.

Mit Spannung erwartet schließlich die „XXXLutz Digitalstrategie“, präsentiert von den Unternehmensmitarbeitern Christian Schellhorn und Wolfgang Süß. Beide hielten die Zuhörer mit ihrer Demonstration gefangen – die dreidimensionale Darstellung und Konfiguration einfacher Polstermöbel aus dem Mömax-Sortiment überzeugte.

Anschließend zog die AR-Vorführung zur Konfiguration am POS (Object Tracking) uneingeschränkte Aufmerksamkeit auf sich – nicht nur durch die DCC-Beiratsmitglieder, sondern auch durch die nach der Mittagspause hinzu gekommenen Unternehmensvertreter des Gastgebers mit Seniorchef Rolf Stammberger an der Spitze.

Das österreichische Handelshaus bekannte sich eindeutig zur Nutzung der IDM-Datenbasis – die Benchmark, so Schellhorn, sei immer die Nutzbarkeit der Daten. Noch seien nicht alle Anforderungen abgedeckt, zudem sei die Daten-Erfassung für eine 3D-Konfiguration extrem aufwändig. Schellhorn appellierte daher an die industrieseitige Unterstützung – insbesondere mit Fokus auf Geometrie- und Texturdaten.

Im Konsens aller Teilnehmer der Fachbeiratssitzung Polster wurde dem DCC-Arbeitskreis 3D volle Unterstützung versichert und eine zügige Aufgabenerledigung aufgetragen. Ziel müsse sein, einen 3D-Standard zu etablieren, der eine hoch vernetzte Datenkommunikation ermöglicht und die Aufwände je Unternehmen senkt.




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