Donnerstag, 10.01.2019, 15:12 Uhr Wellemöbel

Erneute Insolvenz – wie geht es weiter?

Es kehrt einfach keine Ruhe ein: Nachdem die Welle-Unternehmensgruppe bereits im Frühjahr 2015 ein planmäßig eröffnetes Insolvenzverfahren im Zuge einer Sanierung durchlaufen hatte, blieb Ende Dezember keine andere Möglichkeit, als diesen Gang erneut zu gehen. Kurz vor Weihnachten hat Wellemöbel beim Amtsgericht Paderborn für die Gesellschaften Wellemöbel Beteiligungs GmbH & Co. KG, Wellemöbel Verwaltungs GmbH, Wellemöbel GmbH, MF Bad Lippspringe GmbH und Howelpa Logistik GmbH einen Antrag auf Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Der Fachanwalt für Insolvenzrecht Dr. Frank Kebekus aus Düsseldorf wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Derzeit prüft er die Fortführung- und Sanierungsmöglichkeiten der Unternehmensgruppe.

Betroffen sind rund 530 Mitarbeiter, die an den zwei Standorten Bad Lippspringe und Alsfeld Schlaf-, Büro-, Jugend- und Babyzimmermöbel produzieren. Die Gründe sind vielfältig. Der Umsatzrückgang, der Importdruck durch osteuropäische Lieferanten, die aufgrund von Lohnkostenvorteilen und Steuerentlastungen preiswerter fertigen können. Dass die EU Investitionen in Immobilien und Maschinen mit über 70 Prozent subventioniert, kommt verschärfend hinzu.

Alle Mitarbeiter, auch die vom Paderborner Logistikunternehmen Howelpa, das den Möbelfachhandel beliefert, sind über den Insolvenz-Antrag informiert worden.

Heute berichtet die „Neue Westfälische“ umfangreich über den Status quo und vermeldet, dass viele Beschäftigte im vorläufigen Insolvenzverfahren der Unternehmen Wellemöbel und MF Bad Lippspringe für eine wichtige Weichenstellung gesorgt haben: „Aus der Belegschaft sind rund 200 Arbeitskräfte bereit, unter der Regie von Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus die Fortführung der Möbelproduktion in der Badestadt anzugehen“, heißt es seitens der Tageszeitung. „Es werden noch mehr werden, wenn andere sehen, dass es weitergeht“, äußerte sich Kebekus im Gespräch mit „nw.de“ zur Wiederaufnahme der Arbeit nach Ende der ohnehin zum Jahreswechsel geplanten Betriebsferien.

„Die Auftragslage ist ziemlich gut“, so Kebekus, Rechtsanwalt für Spezialthemen in Düsseldorf, weiter zur aktuellen Situation im Verfahren. Der Name Wellemöbel stehe im deutschen Möbelmarkt und darüber hinaus offenbar nach wie vor für Qualität. „In gewissen Segmenten, zum Beispiel bei bestimmten Büromöbeln, ist das Unternehmen sogar Marktführer“, entgegnet der Insolvenzverwalter auf die Nachfrage der Zeitung.

Der Insolvenzverwalter aus Düsseldorf sucht mittlerweile vor allem nach Investoren, um dem zahlungsunfähig gewordenen Bad Lippspringer Unternehmen neues Geld zuzuführen. Kebekus setzt dabei auf die Kunden des Möbelherstellers, die zum Erhalt des etablierten Traditionsnamens finanzielle Beiträge leisten könnten. „Vier, fünf Verträge sind bereits unterschrieben und ich habe noch keine negative Rückmeldung erhalten“, so Kebekus zu den Aktivitäten seiner Kanzlei: „Und wir haben erst mal nur bei den großen Kunden nachgefragt.“

Für die Beschäftigten scheinen die Bemühungen um eine Zukunft der Unternehmen mehr als eine Art Hoffnungsschimmer. „Die Situation ist alles andere als aussichtslos“, so Kebekus' Einschätzung. Wer in den Unternehmen weiterarbeitet, musste allerdings eine so genannte Abtretungserklärung unterzeichnen. Sie bedeutete den Verzicht auf in 2018 nicht gezahlte Lohn-Summen. Auf diesem Wege stellt der Insolvenzverwalter die Zahlung des so genannten Insolvenzgeldes für die Monate Dezember, Januar und Februar sicher. Anfang Dezember hatte Geschäftsführerin Anna Sommermeyer-Rickert die Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Paderborn angemeldet.

Sollte der Insolvenzverwalter in den kommenden Wochen weitere Geldgeber für die Unternehmen finden, steigen die Chancen auf ein ordentliches Verfahren. „Ich habe heute mit einem potenziellen Investor gesprochen“, so Kebekus zu „nw.de“, „und führe ein weiteres Gespräch am Freitag.“ Für eine Perspektive zum Erhalt der Unternehmen müsse eine finanzielle Lösung in Sicht sein, so der Verantwortliche. Zur eventuellen Höhe des Investitionsbedarf konnte oder mochte der Düsseldorfer keine Angabe machen.

Auch beim Logistik-Betrieb für Wellemöbel, der Howelpa GmbH in Paderborn, wird laut Kebekus wieder „in kleinem Rahmen gearbeitet“. Dort hatte eine sehr große Zahl der Beschäftigten aufgrund der Probleme zum Jahresende gekündigt. In Mönkeloh solle aber nicht nur das Lager weitergeführt, sondern auch die Auslieferung der Möbel neu aufgenommen werden, so der Insolvenzverwalter.

Als Stichtag für einen Sanierungsplan steht der 1. März im Hintergrund. Zu diesem Termin müssten die zukünftigen Strukturen möglichst in Sicht sein, so Kebekus. Die neuen Strukturen würden von den Vorstellungen der zukünftigen Geldgeber bestimmt – so schreibt es die „Neue Westfälische“.





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