Freitag, 02.03.2018, 07:52 Uhr Ehring Markenmöbel

Ausbildung mit Alleinstellungsmerkmal

„Der Kampf um die Talente hat begonnen“, erklärt Rainer Kesper mit Blick auf den derzeitigen Ausbildungsmarkt. Die Ausbildungszahlen sind rückläufig, da sich immer mehr junge Menschen dazu entscheiden, weiterführende Schulen zu besuchen. Dabei seien gerade betriebliche Ausbildungen wirksame und dringend benötigte Mittel, um dem herrschenden Fachkräftemangel und dem demographischem Wandel entgegenzuwirken, verdeutlicht der Leiter des Geschäftsstellenverbundes Schwalm-Eder der Bundesagentur für Arbeit die Situation. Als „Königsweg“ sieht Kesper „Firmen mit Alleinstellungsmerkmalen“ in Sachen Ausbildungskonzept.

Eine solche Firma hat der Verbundsleiter nun für ihr „hervorragendes Engagement in der Ausbildung“ mit dem „Zertifikat für Nachwuchsförderung“ ausgezeichnet: Der Homberger Kindermöbelproduzenten Ehring GmbH setzt schon seit Jahren verstärkt auf ein außergewöhnliches Ausbildungskonzept. In dem 1869 gegründeten Unternehmen gehen traditionelle Tischlerarbeit und moderne computer- und maschinengesteuerte CNC-Technik Hand in Hand. „Die Digitalisierung hat auch in unserer Branche Einzug gehalten. Danach richtet sich auch die Ausbildung in unserem Hause“, erklärt Ralf Ehring. Aus diesem Grund macht die traditionelle Tischlerarbeit gerade einmal 60 Prozent der Ausbildungsinhalte aus. „Die weiteren 40 Prozent sind etwas vollkommen anderes als das, was man in kleinen Tischlerbetrieben lernt“, so der Geschäftsführer des Homberger Markenunternehmens.

Neben der Arbeit an modernsten Maschinen, lockt der Homberger Familienbetrieb schon während der Ausbildung mit einem besonderen Entlohnungssystem. „Selbstverständlich bekommen unsere Azubis ein marktübliches Ausbildungsgehalt. Doch da sich gute Arbeit lohnen soll, werden besonders engagierte Lehrlinge mit der Ehring-Card belohnt: einer Prepaid-Kreditkarte, auf die ein zusätzlicher finanzieller Bonus überwiesen wird“, erklärt Unternehmensentwickler Manfred Nierichlo.

Damit sich die Auszubildenden in der Arbeitswelt besser zurechtfinden können, wird ihnen ein „Arbeits-Knigge“ in die Hand gegeben, der sie durch die Ausbildungszeit und das spätere Arbeitsleben leitet. Und da sie während ihrer Ausbildung zeitweise mit auf Montage fahren, wird gerade innerhalb der Geschäftsleitung darüber nachgedacht, ihnen den Führerschein für PKW und 7,5-Tonner zu finanzieren. „Das ist aber bisher nur ein reines Gedankenspiel und noch nicht wirklich spruchreif“, betont das Mitglied der Geschäftsführung.

Bei Ehring Markenmöbel ist die Ausbildung nur der erste Schritt einer langen Qualifizierungsreise. „Wir helfen unseren Mitarbeitern gerne beim Wachsen. Daher können sie, bei passender Eignung, in Richtung CNC-Fachkraft, Montage oder Arbeitsvorbereitung geschult werden oder ihren Meister machen“, erklärt Ralf Ehring. „Da wir unsere Azubis später übernehmen und behalten wollen, betrachten wie ihre Aus- und Weiterbildung als wichtige Investitionen in die Zukunft.“

„Die Firma Ehring ist als Ausbilder regional bekannt. Ihr Konzept und die hohe Zahl an Auszubildenden sind außergewöhnlich. Das zeigt, wie gut dieses besondere System funktioniert“, hebt Rainer Kesper lobend hervor. Derzeit sind in der Ehring GmbH drei Auszubildende eingestellt. vier weitere haben bereits einen Vertrag für das kommende Ausbildungsjahr unterschrieben. Damit sind die Kapazitäten aber nicht ausgeschöpft: „Wir sind noch auf der Suche nach zwei weiteren Lehrlingen für 2019“, erklärt Ralf Ehring. Interessenten können sich jederzeit bewerben.

Um mögliche Bewerber anzusprechen, hat die Ehring GmbH einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen. Neben den althergebrachten Wegen, wie Plakataktionen und Stellenausschreibungen, setzt der Möbelproduzent auf einen „Azubi-Botschafter“. Diese Aufgabe hat Jahrespraktikant Bastian Bolz übernommen. Eine Aufgabe, die ihm sichtlich Spaß macht. „Meine Aufgabe als Azubi-Botschafter ist es, die Firma Ehring und den Beruf des Tischlers bei jungen Leuten bekannt zu machen. Dafür trete ich mit ihnen auf Messen, bei Schulbesuchen oder über meine Firmen-Facebook-Seite www.facebook.com/bastian.bolz.378 in Kontakt“, so der 18-jährige. Bei ihm können sich die Interessenten frei und ungezwungen über Ausbildungsinhalte, Zukunftsaussichten, ein mögliches Probearbeiten oder Praktika informieren, sowie kostenfreie Firmenbesichtigungen vereinbaren. „Für viele mögliche Bewerber fällt auf diese Weise eine Hemmschwelle weg. Es ist für sie etwas anderes, wenn sie sich zunächst mit einem Menschen in ihrem Alter austauschen können, bevor sie sich offiziell an einen ,erwachsenen‘ Personaler wenden“, verdeutlicht Bolz die Botschafter-Idee.

„Man muss immer neue Wege gehen. Ob der eingeschlagene Weg letztendlich der richtige ist weiß man erst, wenn man es probiert“, erklärt Ralf Ehring. Im Falle der Ehring GmbH haben sich die eingeschlagenen Wege gelohnt, wie das „Zertifikat für Nachwuchsförderung“ verdeutlicht, das der Ehring nun in einer kleinen Feierstunde überreicht wurde. „Ihr Konzept macht deutlich, dass man aus dem Rahmen fallen muss“, lobt Rainer Kesper die ausgefallenen aber erfolgreich beschrittenen Wege: „Sie bieten jungen Leuten einen guten Anreiz zum Bewerben und Bleiben. Herzlichen Dank für die Mühe, die Sie sich für die Ausbildung geben.“

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