Donnerstag, 04.01.2018, 11:15 Uhr Alno AG

Das sind die Folgen der Pleite

Während in Pfullendorf gerade der Start der Neuen Alno GmbH vorbereitet wird, hinterlässt die insolvente Alno AG in den Medien einen dramatischen Schlussakkord.

Thema der Berichterstattung, die Tageszeitungen sogar rund um die Feiertage beschäftigten, sind immer wieder die Vorwürfe der Investorengesellschaft Tahoe, dass das Konzernmanagement unter Max Müller durch Fehlinformationen und Verfolgung persönlicher Interessen irreführende Voraussetzungen für die Übernahme geschaffen habe. Mindestens 70 Mio. Euro habe Tahoe fehlinvestiert und verlangt nun entsprechend Schadensersatz. Den Vorwürfen, die ein juristisches Nachspiel haben sollen, hat Max Müller allerdings unter anderem in einem Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“ vom 28.12.2017 ausführlich widersprochen. Dabei beharrt der 72-Jährige darauf: „Wir waren auf einem guten Weg. Die Zahlen waren in Ordnung, und deshalb war der Ausblick vom Vorstand auch positiv.“ 35 Mio. Euro hätten für Zukunftsinvestitionen gefehlt. Die geplante Kapitalerhöhung habe aber Tahoe verhindert. Durch falsche Einschätzung der Lage, personelle Fehlbesetzungen, mangelnde Sorgfalt und Inkompetenz habe sich Tahoe selbst disqualifiziert und Müller zum freiwilligen Rücktritt veranlasst. Ohne genaue Zahlen zu nennen, resümiert der ehemalige Alno-Chef: „Ja, ich habe viel investiert. Und ich habe das Meiste davon verloren. Das war der größte Verlust in meinem Leben. Mehr als 80 Prozent meines investierten Vermögens ging verloren.“ Eine persönliche Bereicherung durch eigene Firmen bestreitet er, spricht lediglich von Aufwandsentschädigungen.

Dass letztlich auch alle anderen Aktionäre leer ausgehen, liegt auf der Hand. Entsprechend warnen Finanzportale jetzt vor einem weiteren Aktienkauf. Dass es selbst nach Betriebseinstellung noch zu einer „Kursexplosion“ gekommen ist, wird als Verhalten „unbedarfter Börsenteilnehmer“ interpretiert, die nicht verstanden haben, dass der Betrieb in Pfullendorf zukünftig in einer komplett anderen Firma, als Neue Alno GmbH, fortgeführt wird. „Die Börsengesellschaft und ihre Aktionäre haben davon nichts“, warnt beispielsweise „Sharedeals“. Der Kurs je Aktie stieg von 0,04 Euro im November bis gestern auf 0,067 Euro. Dennoch werde die Alno AG als überschuldete Börsenhülle alsbald vom Kurszettel verschwinden.

Für „boerse.de“ war Alno ein „Kapitalvernichter“, bei dem Anleger seit 2008 insgesamt 99,2 Prozent ihres investierten Kapitals verloren, bei einem jährlichen Kursverlust von durchschnittlich 38 Prozent. Ein Investment in Höhe von 10.000 Euro wäre damit auf 84 Euro geschrumpft.

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