Freitag, 17.02.2017, 10:30 Uhr Rotpunkt Küchen

Setzt konsequent auf Losgröße-1-Fertigung

„Geht nicht gibt’s nicht“ lautet das Motto von Andreas Wagner, ­Geschäftsführer von Rotpunkt Küchen. Seit er das Ruder übernommen hat, setzt Rotpunkt Küchen konsequent auf vernetzte Losgröße-1-Fertigung. Der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht: Pro Tag werden etwa 1.400 Schränke produziert. Dieses Jahr entsteht ein neues Flächenlager auf 5.000 Quadratmetern. Die „möbelfertigung“ sprach mit Wagner über Strategie und Ziele.

möbelfertigung: Herr Wagner, mit Rotpunkt Küchen haben Sie schon sehr früh auf das Thema Industrie 4.0 beziehungsweise Losgröße-1-Fertigung gesetzt. Was gab den Anlass?
Andreas Wagner:
Für uns hat das Thema Losgröße 1 schon große Relevanz gehabt, bevor irgendjemand über Industrie 4.0 gesprochen hat. Im Vordergrund stehen für mich dabei Variabilität und Individualisierung. Wir haben eine klare Mission: Rotpunkt Küchen will Variantenweltmeister werden. Ich bin jetzt seit fünf Jahren bei diesem Unternehmen. Seitdem haben wir uns strategisch ziemlich verändert – weg von der Masse, hin zu individuellen Produkten. Ganz konsequent beschäftigt sich Rotpunkt Küchen mit dem Thema Datendurchgängigkeit seit etwa diesen fünf Jahren.

möbelfertigung: Industrie 4.0 bedeutet für Sie also in erster Linie Losgröße 1?
Andreas Wagner:
Nicht nur. Ein entscheidender Punkt ist die eben angesprochene Datendurchgängigkeit von der Auftragsannahme bis zur Auslieferung, ohne dass Mitarbeiter in der Auftragsvorbereitung gebraucht werden.

möbelfertigung: Mit welchen Systemen arbeiten Sie?
Andreas Wagner:
Als ERP-System setzen wir „Navision“ von Microsoft ein. Darüber laufen auch die gesamten Stammdaten sowie die Lohnabrechnungen. Im Grunde sämtliche EDV-Prozesse. Von der Homag Group kommt ein COE-System zum Einsatz, also eine grafische Erfassung der Aufträge. Das ist dann letztlich die Skizze, die die Händler von uns bekommen. Diese grafische Erfassung nutzen wir auch intern zur Plausibilitätsprüfung der Aufträge. Ebenfalls von der Homag Group kommt das „MOS“, also das Fertigungsleitsystem und damit die Schnittstelle zwischen Auftragseingang und den Maschinen.

möbelfertigung: Können Sie ungefähr abschätzen, wie lange die Umstellung der Systeme gedauert hat?
Andreas Wagner:
Angefangen haben wir damit im Jahr 2009. Einen echten Benefit bringt das System seit Anfang 2012. Also hat es ungefähr drei Jahre gedauert, bis alles umgestellt war. In der Zwischenzeit hatten wir parallel unser altes Linux-System laufen.

möbelfertigung: Der Erfolg gibt Rotpunkt Küchen recht, aber ist es notwendig, sich mit Industrie 4.0 zu beschäftigen, um dem steigenden Individualisierungsdruck aus dem Handel zu begegnen?
Andreas Wagner:
Auf jeden Fall muss man sich mit Losgröße 1 beschäftigen. Ob man das dann unbedingt Industrie 4.0 nennen muss, weiß ich nicht. Als Betrieb von mittlerer Größe sollte man in der Lage sein, sehr individuell zu produzieren, um eine Nische besetzen zu können. Da sind wir meiner Meinung nach ziemlich weit vorne. Auch, was den Variantenreichtum angeht.

möbelfertigung: Welche Strategie hat Rotpunkt Küchen vorher verfolgt?
Andreas Wagner:
In der Vergangenheit wurde eher auf Masse gesetzt. Aber schon vor vielen Jahren hat man erkannt, dass andere Anbieter das besser können. In den letzten Jahren haben wir mit unserer neuen Ausrichtung sehr gute Erfolge erzielt.

möbelfertigung: Welche Vorteile ergeben sich durch Ihre jetzige Strategie für Ihre Kunden?
Andreas Wagner:
Unsere Kunden wissen, dass wir nie „Nein“ sagen. Gelegentlich sagen wir „Ja, aber“, aber nie „Nein“. Wir sind in der Lage, höchst individuell auf alle Wünsche einzugehen und benutzen dafür immer die neuesten erhältlichen Produkte – insbesondere in Sachen Oberflächen. Darauf sind wir auch sehr stolz. 

möbelfertigung: Eine Herausforderung bei Losgröße-1-Produktion ist die Logistik. Wie lösen Sie das Problem?
Andreas Wagner:
Vor allem in der internen Logistik tun sich Schwierigkeiten auf. Da gibt es viele kleine Stapel, welche Ressourcen fressen. Wir arbeiten daran, Fertigungslose so spät wie möglich wieder zusammenzuführen, um das im Griff zu behalten, aber haben auch noch Luft nach oben. Im Moment ist jedes Teil mit einem Barcode gekennzeichnet. Vielleicht werden wir bei der Verladung irgendwann auf RFID umschwenken, aber das bleibt abzuwarten. Zumindest ist es wichtig, den einzelnen Teilen Informationen mitgeben zu können.

Das komplette Interview mit Andreas Wagner lesen Sie in der „möbelfertigung 1/2017“, die am 21. Februar erscheint. Kurz bevor die Printausgabe aus der Druckerei kommt, können Sie unter https://www.moebelfertigung.com/issues/emags bereits einen Blick in diese Ausgabe als E-Magazin werfen.

Weitere Topthemen der Ausgabe: Eine umfangreiche Trendstrecke mit vielen Experten-Statements und einem kühnen Blick in andere Bereiche, alle Zahlen rund um die Performance der Möbelindustrie im vergangenen Jahr, wie die Eröffnung bei Lehmann in Westfalen gelaufen ist, ein Bericht zur „adventlichen Furnierreise“ des IFN, wie Eumabois-Präsident Jürgen Köppel die Situation im Verband sieht, das „Euroshop“-Special mit zahlreichen Anwendungsberichten, wie hilfreich Stapler bei der täglichen Arbeit sind, was es mit der Toolcloud auf sich hat, wie Egger mit einer neuen PP-Kanten-Produktion in Brilon den Markt aufmischt und vieles mehr.


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