Freitag, 14.10.2016, 09:55 Uhr Bundesverband Proholzfenster

Zwischen Industrie 4.0 und Wettbewerbsdruck

Digitalisierung, politische Rahmenbedingungen, Wettbewerbsdruck – wie begegnet die Fensterbranche den aktuellen Herausforderungen? Rund 160 Teilnehmer diskutierten diese Fragen beim Holz-/Holz-Alufenster-Kongress des Bundesverband Proholzfenster e.V. (BPH) im September in Arnsberg.

„Die hochinteressanten Themen, die Betriebsbesichtigung und auch die Möglichkeit, sich einmal jenseits des Unternehmensalltags mit Kollegen und Branchenpartnern austauschen – das macht diesen Kongress so wertvoll und erweitert den Horizont“, waren sich die Teilnehmer einig. Unter dem Stichwort „Vision trifft Wirklichkeit“ standen Zukunftstrends in Produktion und Marketing im Fokus. Unterstützt wurde der BPH-Kongress vom ift Rosenheim und dem Verband Fenster und Fassade e.V. (VFF). Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär im Umweltministerium NRW, überbrachte die Botschaft: „Die Holzbranche ist eine Zukunftsbranche, die wir als wichtigen Teil der Wirtschaft in NRW weiter stärken werden.“

„Der Mensch hat sich einen neuen Lebensraum erobert: die digitale Welt.“ Ein Zitat des Digital Leadership-Experten Ibrahim Evsan, dem der BPH-Vorsitzende Eduard Appelhans gleich die Frage folgen ließ, wie denn die Branche den Übergang in diesen Lebensraum gestaltet: „Werden wir die Herausforderungen verschlafen?“ Natürlich nicht – zumindest die Kongressteilnehmer beschäftigten sich an zwei Tagen mit den aktuellen und künftigen Entwicklungen.

Der Wettbewerbsdruck für den Holz-/Holz-Alufenster-Markt ist groß und kommt von allen Seiten – seien es das Kunststofffenster, finanzstarke Investoren, EU-Subventionen beispielsweise für polnische Hersteller oder die neuen Verkaufsportale im Internet. Doch habe es die Kunststoffindustrie in 50 Jahren nicht geschafft, das Holz-/Holz-Alufenster vom Markt zu drängen, so Appelhans: „Wir haben hochwertige Produkte aus einem wunderbaren Rohstoff. Das hat Zukunft! Wer es schafft, sein Know-how mit den Möglichkeiten der digitalen Welt intelligent zu verbinden, wird die Nase vorn haben.“ Allerdings gelte es, mit den Fenstern und dem Service mehr Wertschöpfung zu generieren, denn diese habe sich in den vergangenen Jahren nicht erhöht. „Auch wenn wir Hersteller naturgemäß eher technikorientiert sind: Wir müssen alle Chancen ergreifen und uns vor allem stärker auf Marketing und Vertrieb konzentrieren.“

Wie macht es denn der Vorsitzende selbst in seinem Unternehmen? Die Betriebsbesichtigung bei Sorpetaler Fensterbau war eine gute Gelegenheit, dem Kollegen über die Schulter zu schauen. Besonders interessant für die Besucher: das moderne CNC-gesteuerte Bearbeitungszentrum, die Halogentrocknung, das Corporate Design der Lieferfahrzeuge, die Philosophie als „familienfreundliches Unternehmen“ – hier boten sich viele Anknüpfungspunkte für Gespräche.

Während die Vorträge wichtiges Unternehmerwissen vermittelten, ging es in den Workshops in die Praxis: Dr. Odette Moarcas vom ift Rosenheim diskutierte mit den Teilnehmern, welche Konstruktionsprinzipien sich beim Holz-Alufenster durchsetzen. Hier spielen sowohl extremere Wetterbedingungen durch den Klimawandel eine Rolle als auch neue Mandate wie Kindersicherheit oder Tauwasserbildung. Auch Bauherrenwünsche wie große Formate, schmale Ansichtsbreiten oder Ganzglasecken müsse man berücksichtigen. Seit neuestem beim ift auch für Baustoff-Brandprüfungen zuständig, hob die Expertin hervor: „Das bessere Brandverhalten ist eine der Stärken des Holzfensters.“ Im Workshop „Verkauf und Vertrieb nachhaltig revolutionieren“ demonstrierten Rüdiger Dönges und Bastian Vogelbacher am Beispiel Holzfenster, wie modernes und erfolgreiches Verkaufen heute funktioniert und welche Chancen die Digitalisierung bietet. „Weg vom linienförmigen Denken. Hin zum geordneten Chaos!“, beschrieb Dipl.-Ing. Dittmar Siebert die Anforderung beim Thema Industrie 4.0. Datendurchgängigkeit vom Aufmaß bis zur Auslieferung sei Voraussetzung für den digitalisierten Prozess. Gut besucht war auch der Workshop von Feng Shui-Expertin und Raum-Coach Christiane Baumann, der im Begleitprogramm angeboten wurde.

Gelegenheit zum Austausch gab es sowohl beim Bunten Abend, als auch bei der gleichzeitigen Ausstellung – 26 Fachaussteller freuten sich über intensive Gespräche. Die gleichbleibend hohe Zahl der Anmeldungen ist für Heinz Blumenstein ein Zeichen dafür, dass das Programm mit seiner Mischung aus praxisnahen Vorträgen, Workshops und Betriebsbesichtigung gut ankommt. „Der Kongress ist keine abgehobene Veranstaltung. Er bietet eine große Vielfalt aktueller Themen, die für Fensterhersteller wichtig sind.“

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