Mittwoch, 26.11.2014, 18:25 Uhr Wellemöbel-Geschäftsführer Volker Meurer

„Wir leiden extrem unter Billiglohneinflüssen"

Momentan sieht es nicht gut aus für die deutschen Großmöbler: Hülsta kommt aus den Turbulenzen nicht heraus, Rauch vermeldet für 2012/2013 ein Umsatzminus sowie erstmals einen Jahresfehlbetrag und Wellemöbel setzt heute gezwungenermaßen noch eins drauf und musste den Weg zum Amtsgericht antreten.

Volker Meurer äußerte sich im Rahmen einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz zu dem schweren Schritt: „Wir sind gezwungen, die Kosten an die gesunkenen Umsätze anzupassen, um wieder wettbewerbsfähig am Markt agieren zu können.“

2013 sei Wellemöbel noch auf einen Umsatz von 104 Mio. Euro gekommen, dieses Jahr landet die GmbH voraussichtlich bei 96 Mio. Euro. Der deutliche Rückgang führe dazu, dass die nötige Liquidität im Dezember nicht mehr gewährleistet werden könne. Unter dem novellierten Insolvenzrecht, dass eine Eigenverwaltung zulässt, will Wellemöbel gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp nun den Kopf aus der Schlinge ziehen.

Als Gründe für das schwache Geschäftsjahr richtet Meurer den Blick in das Nachbarland Polen. „Wir leiden extrem unter Billiglohneinflüssen in den letzten Jahren, womit wir in diesen Tagen in Deutschland keine Ausnahme sind.“ Mit niedrigen Herstellungspreisen griffen Importeure und polnische Lieferanten den deutschen Markt an, da sie von Lohnkostenvorteilen und Steuerentlastungen im Nachbarland profitieren. Darüber hinaus subventioniere die EU in Polen Investitionen in Immobilien und Maschinen mit über 70 Prozent.

Wie es weitergehen soll? Darüber konnten sich Volker Meurer und der Dr. Jasper Stahlschmidt von der Kanzlei Buchalik Brömmekamp, der als Mitgeschäftsführer Wellemöbel durch das Verfahren führen soll, noch nicht im Detail äußern. Meurer stellt allerdings die bisherige Philosophie der Serienfertigung insgesamt in Frage: „Die meisten deutschen Betriebe sind nach wie vor auf Mengen ausgerichtet, die sich nicht mehr absetzen lassen. Der Trend in der Produktion geht weg von der reinen Massenfertigung hin zur individuellen Einzelfertigung nach Kundenbestellung. Zur effizienten Fertigung benötigen wir eine sehr flexible Produktion und eine höhere Automatisierung in den Unternehmensprozessen“, beschreibt Meurer die Neuausrichtung. Hoffentlich kommt diese Reorganisation nicht zu spät, zumal ein solcher Schritt nicht unwesentliche Investitionen in den Maschinenpark erfordert.

Dem noch auszuarbeitenden Sanierungsplan müssen die Gläubiger zustimmen. Der verantwortliche Sachwalter Stefan Meyer unterstrich allerdings, dass ein „leistungswirtschaftliches Sanierungskonzept zu einer Steigerung der Ertragskraft führen müsse, um für die Zukunft gerüstet zu sein“. Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens werde während des Eigenverwaltungsverfahrens vollumfänglich fortgeführt und die Produktion und Lieferfähigkeit seien umfassend gesichert, stellten die Verantwortlichen heute fest.

Dennoch schloss Volker Meurer Entlassungen nicht aus: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir nicht alle 930 Mitarbeiter an Bord halten können.“ Die Unternehmensgruppe produziert an den drei Standorten Bad Lippspringe (247 Mitarbeiter für Wellemöbel und 254 für MF Bad Lippspringe), Detmold (137) und Alsfeld (120). Das Logistikunternehmen Howelpa (157), das den Möbelfachhandel beliefert, hat seinen Sitz in Paderborn.

Die Mitarbeiter sind in einer Betriebsversammlung über den Antrag informiert worden. Die Löhne und Gehälter seien für die nächsten drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert. Auch der Messeauftritt in Köln stünde nicht zur Debatte – „in gleicher Größe und an gleicher Stelle wie gewohnt“, so Meurer.

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