Dienstag, 29.05.2012, 15:35 Uhr Homag Group AG

Aktionärs-Unstimmigkeiten auf der Hauptversammlung

Selten ist ein Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen derart in aller Munde gewesen wie die Homag Group AG am Ende der letzten Woche – dem Termin der alljährlichen Hauptversammlung der Aktiengesellschaft.
So hatte es bereits im Vorfeld durch das ungewöhnliche Vorgehen von Unternehmensgründer Gerhard Schuler einigen Wirbel gegeben. Um Wirtschaftsjournalisten mehrerer überregionaler Zeitungen und Nachrichtenagenturen die Möglichkeit einer Teilnahme an der nicht-öffentlichen Sitzung zu gewähren, kaufte die nach der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG, 33,13 Prozent) zweitgrößte Eignergruppe um Schuler, ein Pool der Gründerfamilie Schuler und der Klessmann Stiftung, kurzerhand im Namen einiger Journalisten Aktien.
Zum Hintergrund: Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (F.A.Z.) vom 21. Mai wollte die Schuler-Klessmann-Gruppe (25,01 Prozent der Aktien) "in drei Ergänzungsanträgen zur Tagesordnung einzelnen Vorständen und Aufsichtsräten die Entlastung verweigern, die Vorstandsvergütung für 2011 kippen und zudem eine Dividende beschließen lassen. Auch das zur Abstimmung stehende Genehmigte Kapital solle verhindert werden", so die Tageszeitung.
Gelungen ist dies nur in Teilen und letztlich auch ohne Stimmungsmache in den Medien, von der viele Medienvertreter ohnehin nach Bekanntwerden der "Schenkung" öffentlich Abstand genommen hatten. Auch der Fachpresse lagen entsprechende Einladungen vor, an der Hauptversammlung teilzunehmen. Im Fall der "möbelfertigung" gab es sogar noch einen kurzfristigen telefonischen Austausch mit dem Unternehmen.
Sowohl Thorsten Grede – dem seitens Schuler ein Interessenkonflikt nachgesagt wurde, weil er bei der Homag Group AG die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden bekleidet und gleichzeitig Vorstandsmitglied des größten Homag-Anteilseigners DBAG ist – als auch der Homag-Vorstandschef Dr. Markus Flik wurden seitens der Homag-Aktionäre entlastet. Angeschlossen haben sich die anwesenden Aktionäre außerdem dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat, für das Geschäftsjahr 2011 aufgrund des negativen Jahresergebnisses keine Dividende auszuschütten. Auch bei der Wahl des Abschlussprüfers für 2012 folgte die Hauptversammlung dem Vorschlag der Verwaltung.
Abgelehnt hingegen wurde das neue Genehmigte Kapital, dessen Form, einem Ausschluss der Bezugsrechte bei einer Kapitalerhöhung per Sacheinlage, Kritik ausgelöst hatte. Der Schuler-Klessmann-Verbund konnte sich in Verbindung mit Kleinaktionärsorganisationen auch mit dem Antrag durchsetzen, dass die Vorstandvergütungen auf den Prüfstand kommen. Denn trotz des Konzernverlustes von 3,3 Millionen Euro in 2011 seien die Boni deutlich gestiegen, was Aufsichtsratschef Grede damit begründete, dass die Boni auf dem operativen Gewinn vor Restrukturierungskosten mit etwa 20 Millionen Euro beruhen. Denn trotz des Minus war das Jahr 2011 unterm Strich operativ äußerst erfolgreich für die Homag Group AG. Allerdings habe der Antrag auf Nichtbilligung des Vorstandsvergütungssystems nur einen Empfehlungscharakter. Dies räumte Jochen Berninghaus, Rechtsanwalt und Geschäftsleiter des Schuler-Klessmann-Pools laut F.A.Z. nach der Hauptversammlung selber ein. Für das laufende Geschäftsjahr 2012 geht der Vorstand von einem positiven Jahresüberschuss aus.
Was auch immer dem Machtkampf zugrunde liegt, ihm dürfte auch das Ausscheiden des langjährigen Homag-Entwicklungsvorstandes Achim Gauss geschuldet sein. Laut "F.A.Z" hatte er am Vorabend der Homag Group-Hauptversammlung seinen Posten aufgegeben, statt wie bisher vermeldet, am Ende des Jahres aus dem Unternehmen auszuscheiden. Wie die Tageszeitung am Samstag vermeldete, seien die beiden großen Aktionärsgruppen durchaus gewillt aufeinander zuzugehen und hinter den Kulissen offenbar schon auf der Suche nach einem Mediator der anderen Homag-Aktionärsgruppen.

Externe Links:
http://www.homag-group.com

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