Freitag, 18.12.2020, 16:28 Uhr Klimaschutz Holzindustrie

Hauptverband startet Brancheninitiative

Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) hat sich am „Klimapakt“ für die Möbelindustrie ein Beispiel genommen und erarbeitete etwas Ähnliches für die deutsche Holzindustrie: die neue Brancheninitiative „Klimaschutz Holzindustrie“. „Ziel der Initiative ist es, die deutsche Holzindustrie zu einem der ersten klimaneutralen Industriezweige innerhalb der deutschen Wirtschaft zu entwickeln“, so Johannes Schwörer, Präsident des HDH und Mit-Initiator. Denn, so ist man sich im Verband einig: Holzverarbeitende Betriebe sind per se naturnah. Aber das gute Gefühl allein reicht nicht. Taten müssen folgen. „Und zwar freiwillig. Wenn wir als Branche nicht vorweg schreiten, dann werden wir irgendwann durch politische Zwänge in die Pflicht genommen“, ist sich Schwörer sich. Und appelliert im gleichen Zuge an die Mitglieder des Verbands, sich aktiv mit dem Klimaschutz und dem Mitwirken des eigenen Unternehmens auseinanderzusetzen.

HDH-Hauptgeschäftsführer Denny Ohnesorge verweist in diesem Zusammenhang auf die Auswirkungen der letzten drei Dürrejahre auf die Wälder. Diese sind bereits massiv vom Klimawandel betroffen. Deshalb wolle die Holzindustrie, deren Rohstoffquelle ein gesunder und nachhaltig bewirtschafteter Wald ist, mehr für den Klimaschutz tun. Einer aktuellen Branchenumfrage hinsichtlich Erneuerbarer Energien und potentieller Einsparquellen zufolge planen rund 40 Prozent der Unternehmen Investitionen in erneuerbare Energien. Die höchsten Substitutionsmöglichkeiten bestünden in den Bereichen Heizung, Eigenstromerzeugung und Materialtrocknung. Denn: Auch wenn die Branche aufgrund ihres Kohlendioxid bindenden Rohstoffes bereits einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leiste, gibt es zahlreiche energieintensive Prozesse mit Potenzial zu mehr Material- und Energieeffizienz und somit zur Einsparung von CO2-Emissionen.

Der HDH bietet Branchenunternehmen mit Hilfe der Initiative an, in drei Steps klimaneutral zu werden. Jeder der Schritte wird durch ein Gütesiegel verifiziert. Schritt 1 ist die Ermittlung der CO2-Bilanz eines Unternehmens und die Reduzierung seiner Emissionen. In Schritt 2 erfolgt die Zertifizierung als klimaneutrales Unternehmen. Durch die Kompensation des CO2-Ausstoßes, beispielsweise über die Förderung verschiedener Klimaprojekte, wird das Unternehmen klimaneutral. Der dritte Schritt zielt dann auf die Produkte. „Mit Hilfe der Kompensation des CO2-Ausstoßes werden letztlich die eigenen Produkte als klimaneutral zertifiziert“, erklärt Winning Geschäftsführer der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM). „Für die Holzbranche hat dies den Vorteil, dass die CO2-Bindung von Holz berücksichtigt wird. Sofern das Unternehmen trotz entsprechender Maßnahmen nicht klimaneutral ist, werden zur Kompensation Klimaprojekte gefördert, die zusätzlich zu einer CO2-Einsparung führen.“ Die Analyse und Zertifizierung erfolgt jeweils mit externen Partnern.

Andreas Decker, Geschäftsführer der Möbelwerke A. Decker GmbH und seit 2016 klimaneutraler Hersteller der Möbelindustrie, ist ein Befürworter der frisch aus der Taufe gehobenen Initiative: „Durch unsere Nähe zur Forstwirtschaft und unseren nachhaltigen Rohstoff dachten wir, eine gute Klimabilanz zu haben. Die Bilanzierungen haben uns als Unternehmen entschieden dabei weitergeholfen, Emissionen zu reduzieren.“ Mittlerweile sind fast 30 Unternehmen Teil des Klimapaktes der Möbelindustrie, einem Vorreiter der vorgestellten Holzindustrie-Initiative. Und der HDH wünscht sich, mit seinen Mitgliedsunternehmen an diese Zahlen zügig anschließen zu können.

Schwörer, mit seinem Unternehmen Schwörer Haus KG von der Initiative bereits als klimaneutraler Hersteller zertifiziert, sprach die Hoffnung aus, dass sich viele Holzbau- und Holzverarbeitende Betriebe sich für die Teilnahme an der Initiative entscheiden: „Die Bilanzen, die wir haben erstellen lassen, haben uns die Augen geöffnet und gezeigt, wo wir überall CO2 einsparen können.“ Er plädierte dafür, Berührungsängste hinter sich zu lassen. Aus eigener Erfahrung wisse er, wie unkompliziert die Verfahren seien, die CO2-Bilanzierungen für das eigene Unternehmen erstellen zu lassen. Zugleich sei es wichtiger denn je, selbst aktiv zu werden. „Staatliches Handeln allein wird nicht ausreichen, um den Treibhausgasausstoß zu begrenzen. Wir als Unternehmer stehen jetzt mehr denn je in der Pflicht.“


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