Rosario Messina, Präsident von Federlegno-Arredo, zur Lage der italienischen Möbelindustrie

Italiens Möbelindustrie braucht eine radikale Veränderung der Unternehmenskultur, sagt Rosario Messina, Präsident des italienischen Verbandes der Holz- und Möbelindustrie Federlegno-Arredo. Zudem prognostiziert er, dass Jahre vergehen werden, bis der Stand von 2008 wieder erreicht ist.

möbelfertigung: Herr Messina, wie beurteilen Sie das Jahr 2009 für die Möbel- und Möbel-Komponentenindustrie Italiens?
Rosario Messina: Das Jahr 2009 hat der italienischen Möbelindustrie und der damit verbundenen Komponentenindustrie einen herben Rückschlag beschert. Die Handwerksindustrie leidet insgesamt unter den schweren realen Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise. Diese Krise hat uns mitten in einer Phase der Transformation und Neupositionierung unseres Angebots getroffen und damit die Restrukturierung des gesamten Bereichs sehr erschwert und bedroht.

möbelfertigung: Wie sind die Geschäfte auf nationalem Niveau gelaufen?
Rosario Messina: Der nationale Markt leidet seit Jahren unter einer diffusen Stagnation des Konsums, dem noch die negativen Auswirkungen durch die extreme Störung des Vertriebssystems hinzugezählt werden müssen. Diese historischen, strukturellen Knotenpunkte wurden durch die Verringerung des verfügbaren Einkommens der italienischen Familien und die Immobilienkrise noch mehr unter Druck gesetzt. Das einzige positive Element bleibt die geringe Privatverschuldung beziehungsweise die der Familien, die unser Land von anderen Wirtschaftsräumen unterscheidet.

möbelfertigung: Hat die aktuelle weltweite Wirtschaftskrise zu Veränderungen in der Struktur der italienischen Möbelindustrie geführt?
Rosario Messina: Ich glaube, dass es sich hier um eine strukturelle Krise handelt, deren Auswirkungen sicher lange anhalten. Möglicherweise wird man in der ersten Hälfte 2010 viele negative Veränderungen sehen können, aber auch positive, die jetzt bei den Unternehmen und auf den Märkten begonnen werden.

möbelfertigung: Wie bewerten Sie die Entwicklung beim Export?
Rosario Messina: Im ersten Halbjahr haben die Exporte hochwertiger Produkte einen Einbruch von über 20 Prozent verzeichnet. Der Zusammenbruch der wichtigsten Märkte außerhalb der EU (USA minus 40 Prozent und Russland minus 30 Prozent) wurde nur teilweise durch den besseren Stand des europäischen Markts gemindert. Allerdings weisen im Juni die vorläufigen Aussichten eine erste schüchterne Verbesserung bei den Exporten aus der EU heraus auf.

möbelfertigung: Wie haben sich der Export nach Deutschland und der Import aus Deutschland entwickelt?
Rosario Messina: Der Handelsaustausch zwischen Deutschland und Italien hat im Laufe des ersten Halbjahres 2009 eine Verringerung bei Wert und Menge in Höhe von zehn Prozent erfahren. Daraus können wir, wenn wir die schlechtere allgemeine Entwicklung auf den anderen Märkten berücksichtigen, schließen, dass unter den Auswirkungen der Krise insgesamt eine Stärkung des italienisch-deutschen Warenaustauschs stattgefunden hat.

möbelfertigung: Wie müssen sich die deutschen Unternehmen aufstellen, um sich von der internationalen Konkurrenz abzusetzen? Wie wird das „Made in Germany“ in Italien aufgenommen?
Rosario Messina: Aus einer erst kürzlich erfolgten Umfrage ist hervorgegangen, dass für die italienischen Verbraucher einer der wichtigsten Faktoren der Lebensqualität ein Leben in einem gesunden und sicheren Umfeld ist. Ich glaube, dass das „Made in Germany“ traditionell vor allem mit Produkten, die Umweltaspekte besonders berücksichtigen, stark aufgestellt ist.

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