Egger: Investition vor Ort ein Muss

„Go east“ heißt es seit einigen Jahren für viele Industrien, denn das anhaltend kräftige Wirtschaftswachstum in Osteuropa verspricht gute Geschäfte. Aber nur für Unternehmen, die ihre Hausaufgaben machen, sich also mit Strukturen und Mentalitäten auseinandersetzen. Wie zum Beispiel Egger, die zwei Werke im osteuropäischen Raum aufgebaut haben. „möbelfertigung“ sprach mit Geschäftsführer Ulrich Bühler über Herausforderungen und Chancen in dieser spannenden Region, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Weltwirtschaftskrise.

möbelfertigung: Herr Bühler, in welchen osteuropäischen Märkten ist Egger aktiv?
Ulrich Bühler: Mit unterschiedli­cher Intensität in allen. Wobei wir dank der Werke in Russland und Rumänien die Märkte konsequenter bearbeiten können.
Früher hat Egger diese von den westeuropäischen Standorten aus bedient. Da kratzt man natürlich nur an der Oberfläche, was auch der Grund für die Investitionen in die beiden Produktionen war.

möbelfertigung: Wo liegen die Probleme, wenn ein Unternehmen wie Egger von Westeuropa aus in die osteuropäischen Märkte liefert?
Ulrich Bühler: Frachtkosten und Zölle spielen eine große Rolle. Aktuell stellen die Währungspa­ritäten eine Hürde für den Export nach Osteuropa dar. Dementsprechend ist eine Produktion vor Ort natürlich sinnvoll.
Vor Inbetriebnahme der Werke in Russland und Rumänien war der Standort Unterradlberg von seinem Warenfluss absolut in Richtung Osten orientiert. 80 Prozent der Produkte gingen nach Tschechien, die Slowakei, Polen, Serbien, Kroatien, Slowenien und Rumänien.

möbelfertigung: Welche Schwierigkeiten tauchen in Osteuropa immer wieder auf?
Ulrich Bühler: Hier gilt das Gleiche wie in Westeuropa: Es gibt nicht den osteuropäischen Markt, sondern Länder mit einer Geschichte und Mentalitäten, sowie ihren Orientierungen zu anderen Regionen.
Das größte Thema ist und bleibt die Finanzierung der Kunden, so­wie die Bonitätsbeurteilung durch Kreditversicherer.

möbelfertigung: Ist der Umgang mit den Behörden anders?
Ulrich Bühler: Man braucht in Osteuropa sicherlich Geduld und muss sich mit den Gegebenheiten stärker auseinandersetzen. Allein schon, weil es junge Staaten sind, die sich teilweise erst in die Gesetzgebung der EU entwickeln müssen und daher in Teilen eine größere Anzahl von Genehmigungen notwendig ist.
In Westeuropa haben wir kompaktere Verfahren, weshalb man zum Beispiel in Russland manchmal mehr Schritte benötigt, um zum Ziel zu kommen.
Ein weiterer Punkt: Aufgrund der finanziellen Größenordnung, die eine Investition in ein neues Holzwerkstoffwerk bedeutet, steht man in Osteuropa enorm im Fokus. Wir sind in Rumänien einer der großen Investoren, weshalb sich sowohl Öffentlichkeit als auch Po­litik viel stärker interessiert. Das ist in Westeuropa nicht der Fall. Da ist unsere Branche weniger in der Öffentlichkeit präsent.

möbelfertigung: Hat das positive Aspekte zur Folge?
Ulrich Bühler: Öffentlichkeit ist ja nichts Negatives. Egger hat sich stets Transparenz auf die Fahnen geschrieben, denn das Unternehmen möchte ein Miteinander mit den Menschen in den Regionen, in denen wir investieren beziehungsweise produzieren.

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