Gerhard E. Blum über den amerikanischen Markt: "Wir planen flexibel von Woche zu Woche"

Erst die Immobilien- und dann auch noch die Finanzkrise: Die Wirtschaft der USA wurde hart getroffen und ein Ende der Talfahrt ist noch nicht in Sicht. Was bedeutet das für die dort aktiven Unternehmen? Wie stellt sich ein Zulieferer auf eine solche Situation ein? Die „möbelfertigung“ fragte bei Blum, dem US-Marktführer für Küchenbeschlagsysteme, nach und sprach mit Gerhard E. Blum sowie Hubert Schwarz über die aktuelle Konjunktur, spezielle Anforderungen in Amerika sowie die Bedeutung der „Interzum“ gerade in schwierigen Zeiten.

möbelfertigung: Herr Blum, wie sah und sieht die Möbelindustrie der USA für einen Zulieferer wie Blum aus?
Gerhard E. Blum: Die USA sind als Einzelmarkt der größte Möbelmarkt der Welt, in den wir auf Anregung eines amerikanischen Kunden 1977 eingetreten sind. Dieses frühe Engagement war sehr wichtig. Zudem hatten wir das Glück, dass es zu dieser Zeit eine wachsende Akzeptanz für europäische Möbel gab. Somit waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

möbelfertigung: Existierte zu der Zeit starker lokaler Wettbewerb?
Gerhard E. Blum: Es gab damals viele amerikanische Beschlägehersteller. Aber die haben die europäische Konkurrenz nicht wirklich ernst genommen und sich den daraus entstehenden neuen He­rausforderungen nicht angepasst.

möbelfertigung: Wie war die ame­rikanische Möbelindustrie strukturiert?
Gerhard E. Blum: Damals prägten kleine und mittlere Unterneh­mens­­größen die Möbel- und Küchenmöbelindustrie. Hier han­delte es sich fast ausschließlich um Familienbetriebe. Seit dieser Zeit und vor allem in den letzten fünfzehn Jahren fand ein enormer Konsolidierungs­prozess statt. Allerdings hat das Handwerk nach wie vor einen sehr großen Anteil am Möbel- und Küchenmöbelmarkt der USA.

möbelfertigung: Welchen Einfluss hatte die Verlagerung von amerikanischen Möbel-Produktionen nach China auf die Struktur?
Gerhard E. Blum: Einen großen auf die Möbelindustrie, auf die Küchenmöbelindustrie einen eher geringen. Die Möbelindustrie hat die Verlagerung nach China sehr früh be­gonnen. Damit floss Know-how zu chinesischen Herstellern, die dann selbst die Produkte auf den Markt brachten. Zudem haben in dieser Zeit viele große, traditionell arbeitende Hersteller versäumt, in mo­dernere Produktionen zu inves­tieren, was angesichts der neuen Konkurrenz aus Fernost nicht ohne Folgen bleiben konnte. Die Küchenmöbelindustrie hin­­gegen war viel aufgeschlossener und hat mehr für modernere Produktionen getan und sich so besser auf den Strukturwandel eingestellt. Zudem war und ist sie offen für Innovationen und somit sehr wettbewerbsfähig. Es gibt zwar leichte Andeutungen von chinesischen Küchenimporten. Aber das ist minimal, allein schon aufgrund der Komplexität des Produkts.

möbelfertigung: Wie stark hat Blum die Verlagerung der amerikanischen Möbelindustrie nach China gespürt?
Gerhard E. Blum: Fast gar nicht, da wir ja deutlich stärker mit
der Küchenmöbelindustrie zusammenarbeiten.

möbelfertigung: Wie lassen sich die spezifischen amerikanischen
Be­dür­fnisse beschreiben und wie stellte sich Blum darauf ein?
Gerhard E. Blum: Zuerst mussten die Maße vom metrischen an das imperiale System angepasst werden. Dann hatten wir Produkte zu entwickeln, die an die amerikanischen Konstruktionsweisen angepasst waren und trotzdem den europäischen Look transportieren, wie zum Beispiel verdeckte Scharniere in einem Rahmenbau zu realisieren. Auch die Auszugssysteme mussten aufgrund der Rahmenbaukonstruktion anders be­fes­tigt werden, da die Seitenwände hier zu schwach sind. Ganz entscheidend für den Erfolg war der Aufbau einer amerikanischen Vertriebsmannschaft, die mit den dortigen Mentalitäten vertraut ist.

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